Poundbury (England)

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    • Poundbury (England)

      Nachdem über ähnliche Projekte berichtet wurde, möchte ich euch kurz ein paar Links zum Bauprojekt Poundbury in England vorstellen. Poundbury ( http://www.poundbury.info/\r
      www.poundbury.info/ ) ist ein Dorf, welches nach Visionen von Prinz Charles vom Architekten Leon Krier in den 80er Jahren konzipiert wurde und seit 1993 in 4 Phasen innerhalb von 25 Jahren aufgebaut wird. In dieser Zeit sollen 2500 Gebäude für 6000 Einwohner entstehen. Das besondere an diesem Projekt ist es, dass es in einem an lokalen Bautraditionen orientierten traditionellen Baustil errichtet wird ( http://en.wikipedia.org/wiki/Poundbury\r
      en.wikipedia.org/wiki/Poundbury ).

      Zuerst eine Beschreibung des Projekts aus dem Dumont Kunstreiseführer Südengland, Peter Sager, Auflage 3, Köln, S. 209 ff., die im üblichen Modernisten-Kauderwelsch fernab von jeder objektiven Bewertung gehalten ist:

      ...Diese königlich-altenglische Kleinstadt-Utopie imitiert nur alte Traditionen, statt neue zu schaffen. "Disneyland approach" lautet das Verdikt von Richard Rogers, einem der führenden Architekten des Landes....ein Modell für das 21. Jahrhundert ist Poundbury nicht, nur ein blasses Echo des 19. Jahrhunderts....."


      Nun zum Vergleich zwei aktuelle Videoaufnahmen von Rundfahrten in den beiden ersten der 4 zu errichtenden Stadtteile:

      http://www.youtube.com/watch?v=nPKvyDcO6iM&mode=related&search=\r
      www.youtube.com/watch?v=nPKvyDcO ... ed&search=

      http://www.youtube.com/watch?v=fkywN_-mngs&mode=related&search=\r
      www.youtube.com/watch?v=fkywN_-m ... ed&search=

      Meine Meinung nach ein äußerst gelungenes Projekt :P
    • Hatten wir dieses Dorf nicht schon mal gehabt ? Wie auch immer. Mir gefällt das Dorf, wenn auch ab und an Häuser auftauchen, die nicht meinem Geschmack entsprechen. Interessant finde ich auch Bauten, denen man ihr jugendliches Alter gar nicht ansieht, weil man ihnen eine künstliche (?) Patina gegeben hat. "Lustig" ist besonders der Gründungsstein, den Prinz Charles gesetzt hat. Er wirkt wie vor 400 Jahren gesetzt - ist aber laut eingemeisseltem Datum erst 7 Jahre alt... :lachen:
    • @niko
      noch sinnvoller wäre es ,das geld für die prozentual viel höherliegenden und aufgwendeten gelder der planung und realisierung modernistischer neubauten in die erhaltung der substanz einzubringen. dann wäre auch ausreichend geld für neue siedlungen dieser art übrig... :augenrollen:


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • solange neubausiedlungen in den üblichen formen geplant und umgesetzt
      werden, wie sie von nord nach süd und von ost nach west die ortschaften
      verschandeln, modernistisch - experimentelle siedlungen an die stelle
      von alten stadtviertel treten oder sich in historische strukturen wie ein
      geschwür hineinfressen, sollte die kritik an siedlungen wie poundbury
      nicht all zu maßlos und unverhältnismäßig ausfallen. deine kritik geht
      ansonsten sehr schnell an den realitäten vorbei, die augenscheinlich
      zeigen, wo die problematik zu suchen ist...nicht in poundbury, sondern
      im neubaugebiet und in den stadtzentren unserer städte und dörfer
      um die ecke.


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Ich bin absolut kein Fan von diesen Pseudo Siedlungen. Man sollte das ganze Geld und die Mühen lieber dafür verwenden, die originale Bausubstanz, die in unseren Städten zu Haufen vor sich hin rottet und abgetragen wird, zu erhalten.


      Sorry, aber diese "Argumentation" kann ich nicht nachvollziehen. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.
      Das eine ist traditionelles Bauen (nicht Rekonstruieren!), das andere ist Denkmalpflege.
      Genauso gut könntest du sagen, man solle keine neuen Fußballfelder anlegen, sondern das Geld und die Mühen lieber zur Erhaltung existierender Stadtbibliotheken einsetzen.
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Mit Neusiedlungen wie Poundbury habe ich keinerlei Problem. Jedenfalls gibt es in dem Dorf anstaendige Buergersteige! Ob ich dort wohnen moechte ist natuerlich eine andere Frage, z.B. muessten die Baeume wachsen.

      Und darueber, wie die Englaender ihr Geld anlegen wuerde ich mir keinerlei Gedanken machen, niko, speziell wenn Du die Dinge so negativ siehst.
    • @Niko: nach deinen Kommentar gewinne ich den Eindruck, dass du einen wesentlichen Unterschied zwischen Rekonstruktionen und Neubauten im traditionellen Stil machst. Die ersteren scheinen gewünscht, die letzteren nicht unbedingt. Diese Meinung hat sicherlich auch etwas für sich. Mein Ansatz allerdings ist z.B. ein leicht anderer: ich befürworte an sich traditionelles Bauen unabhängig davon, ob es sich um Rekonstruktionen handelt oder nicht. Weil sich Rekonstruktionen politisch besser durchsetzen lassen, denke ich auch, dass man sich vor allem hierauf stürzen und Rekonstruktionen unterstützen sollte. Allerdings ist es mir an sich wurscht, ob z.B. wie am Dresdner Neumarkt geplant, ein Leitbau um eine Achse verlängert wird oder nicht. Hauptsache der Baustil sagt mir zu.

      Deshalb ist das Poundbury-Projekt für mich auch so lobenswert, wenngleich ich natürlich nicht jedes Haus und jeden Straßenzug für gelungen halte und ich auch nicht unbedingt ein Freund des traditionellen englischen Wohnbaustils bin. Hauptsache mal ein Gegengewicht zum modernistischen Einheitsbrei.
    • Wichtig ist, dass Architekten den Mut aufbringen, in traditionellen Stilen zu bauen. Egal, was die Kritiker dazu sagen. Denn wenn uns an Neubauten so häufig stört, dass wir ähnliche Bauten aus anderen Städten kennen, dann ist das von den Architekten ja gewollt. Je internationaler, desto besser. Die Reisenden hingegen erwarten gerade das Traditionelle, nicht den "Einheitsbrei", den sie von daheim kennen. Wenn erstmal innerhalb der Kritiker traditionelles Bauen auf Akzeptanz stößt, wird die Architektur wieder schöner werden.
      Rekonstruktionen sind ein völlig anderes Thema. Dazu braucht ein Architekt kaum traditionelles Formgefühl, denn er wiederholt lediglich ein Vorbild. Der Bau ist somit historisch verbürgt. Der eigentliche Architekt liegt überdies schon seit Jahrhunderten begraben. Deshalb würde ich Rekonstruktionen von traditionellem Bauen scharf differenzieren, wenn auch das Ergebnis in beiden Fällen unverwechselbar und traditionsbezogen ist.
    • Ein weiteres Beispiel: http://en.wikipedia.org/wiki/Jakriborg\r
      en.wikipedia.org/wiki/Jakriborg

      http://www.farbrorgrahn.dk/jakriborg050227.htm\r
      www.farbrorgrahn.dk/jakriborg050227.htm
      http://www.ulmus.dk/gallery/picture.php?kategori=26\r
      www.ulmus.dk/gallery/picture.php?kategori=26
      http://hem.passagen.se/linnpeter/HTML/jakriborg.html\r
      hem.passagen.se/linnpeter/HTML/jakriborg.html

      Es ist zwar in gewisser Weise Disneyland-Architektur, aber in solchen Dörfern wollen die Menschen halt wohnen. Klar kann man sagen, dass Boxen (also Plattenbauten) effizienter sind, aber wie man so schön sagt, das Auge isst mit. Könnte mir gut vorstellen, einen schönen Winterspaziergang durch Jakriborg zu machen. Bei manch deutschen Dörfern bleibt man da lieber in der Wohnung. :D
    • Eines haben diese traditionellen Neubaudörfer gemeinsam: Die regionale Tradition

      In Zeiten der Globalisierung hoffe ich oder würde es mir besser gesagt wünschen, dass sich früher oder später auch bei uns eine Besinnung auf die eigene (Bau-)Identität niederschlägt. In einigen wenigen Regionen kann man einzelne Bauherren beobachten, die ihr Gebäude dem Gesamtensemble anpassen (ich war diese Tage im Süden Österreichs und habe dort einige sehr traditionelle Neubauten gesehen, die mitunter regionaltypischer sind als ihre hundertjährigen Vorgänger). Im großen Stil ist mir aber im deutschsprachigen Kulturkreis nichts bekannt.

      Jakriborg oder Poundbury sind mir daher unendlich viel lieber als jede beliebige Allerweltsarchitektur, die oftmals nicht solide ist.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Ich finde Jakriborg und Poundbury sind mutige Versuche die Architektur in eine bessere Richtung zu nehmen. Und dazu ist Jakriborg unglaublich beliebt. Vielleicht wenn ich naschte Mal zu hause bin mache ein grosse Fotoserie von Jakriborg....dann können wir tiefer über diese Diskutieren...

      .....Ich finde die Debatte auf die Zukunft, die Zeit nach Modernismus, muss unbedingt diskutiert werden....wollen wir mehr Liebeskindß
    • .....Ich finde die Debatte auf die Zukunft, die Zeit nach Modernismus, muss unbedingt diskutiert werden....wollen wir mehr Liebeskindß


      Gott, beschütze uns vor Libeskind!!! Die Amis haben sich zum Glück noch rechtzeitig umentschieden, obwohl der (die) neue(n) Freedom-Tower(s) sicher auch nicht das Nonplusultra sind, aber Libeskind....!

      Beispiel aus Wien. Ich bin mir sicher, dass in Wien Patzschke voll einschlagen würde, wenn man das Büro bei uns besser kennen würde. Vielleicht werde ich doch noch einmal Bauträger...
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • APH Ehrenmitglied Prinz Charles äußert sich über die Londoner Neubauten.

      Auch die Londoner selbst werden nicht viel daran ändern können, dass ihre Stadt in Zukunft aussehen wird, als seien überdimensionale Eiszapfen vom Himmel ins Zentrum gekracht, neben denen atmosphärische Plätze, kleine Gassen und verwitterte Kirchen immer mehr wirken wie mickriges Beiwerk. Und so demonstrieren die Londoner ihre Form der Verachtung, indem sie sich über die superlativen Formen lustig machen. Fosters Swiss-Re-Gebäude ist im Volksmund längst zur phallischen "Gurke" mutiert, und auch Rogers Entwurf wurde, noch vor seiner Realisierung, wegen seiner sich verjüngenden Form und der Rasterstruktur zur "Käsereibe" degradiert.



      taz.de/1/leben/kuenste/artikel…/?src=HL&cHash=2066e152ef
      "Nichts zeichnet eine Regierung mehr aus als die Künste, die unter ihrem Schutze gedeihen."
      Friedrich der Große
    • Na, sowas kann man doch nicht ernst nehmen.

      . Ginge es nach Prinz Charles, der 2001 die Foundation for the Built Environment gründete, würden jedenfalls sämtliche Hochhausburgen in London zukünftig durch romantische Cottages ersetzt, vor deren Wiesen sich kriminelle Jugendliche um Schafe statt um ihre Kampfhunde kümmern müssten.


      Blanker Bloedsinn. Woher will die Person wissen, was Prince Charles denkt? Er mag ein Traeumer sein, aber ein Idiot ist er nicht.
    • In der ersten Ausgabe von CATO (CATO Magazin ) ein großer, illustrierter Artikel über Poundbury.

      Cato schrieb:


      Roger Scruton
      über Poundbury


      Seit dreißig Jahren entwickelt der Architekt Léon Krier im Auftrag von Prinz Charles den Masterplan für die von der Weltöffentlichkeit nahezu unbeachtete Mustersiedlung Poundbury im südenglischen Dorset. Nun hat der britische Philosoph und Schriftsteller Sir Roger Scruton dem Geist von Poundbury einen Essay in seinem neuen Buch Confessions of a Heretic gewidmet. Ein Abgesang auf die narzißtische Exzentrik der Moderne.
      "Wie schön ist es doch zu leben." Pippi Langstrumpf