München

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hat jemand von euch den Artikel aus der faz vom 08.12. ?

      Ich kann hier (fazarchiv.faz.net/FAZ.ein bzw. fazarchiv.faz.net/webcgi?START…WID=13683-6410285-53505_6) leider nur Folgendes lesen:

      Der Zauberer wohnt hier nicht mehr
      Münchner Kulissenschieberei: Was in der Poschingerstraße entsteht, ist nicht die Villa Thomas Manns
      Man muß das Bauschild am Bogenhausener Isarufer lange lesen, bis man es glaubt: "Rekonstruktion des Thomas-Mann-Hauses" steht da. Gleich dahinter, ...



      Der Artikel scheint also nicht unbedingt sehr positiv zu berichten. Die Frage bleibt: Ist der Autor generell gegen Rekos, oder nur gegen die Ausführung?
    • Natürlich entsteht hier nicht die Villa von Thomas Mann, gerade mal ein Haus, das dem alten ähnlich sehen wird. Na und?
      Ein anständiges Haus mehr in Deutschland anstelle eines beliebigen XYZ-Quaders.
      Meines Erachtens nach haben die Goethe-, Schiller-, Klopstock-, Gleimhäuser und wie sie alle heißen, doch im Grunde eine ganz andere Funktion, als diejenige, welche ihnen angedichtet wird, d.h. Lieschen Müller, die mit angehaltenem Atem durch die Räume schleicht und niemals ein Buch dieser Herren gelesen hat, glaubt, daß irgendetwas fluidummäßiges, auratisches auf sie übergehen möge.
      Blödsinn.
      Umgekehrt wird ein Schuh draus, Häuser wie das Schillers' in Jena oder das Goethes' in Frankfurt gab es viele, nur die Tatsache, daß unsere Dichterfürsten drin gewohnt haben, hat diese hübsche Villen und Stadthäuser vor dem Abbruch bewahrt und uns ein Stück architektonisches Erbe bewahrt.
    • Nun, in diesem Sinne ein Vivat den Dichterfürsten und ihren Häusern und ein pereat den Lieschen Müllers dieser Welt, für die Kultur etwas ist, das man sich zwangsweise ab und zu mal antun muss und die glauben ein Besuch in Frankfurt sei nur annährend mit dem Vergnügen, ein Goethebuch zu lesen vergleichbar...
      "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)
    • "der_Sauerländer" schrieb:

      Hat jemand von euch den Artikel aus der faz vom 08.12. ?


      Ja, ich - hier: (der war so sperrig, daß er nicht in einem Stück auf meinen Scanner paßte, daher in Einzelteilen...)



      Schee schaut's scho' aus, oder? 8)




      ...endlich mal ein Bartetzko-Artikel, der nicht von Bartetzko ist. :zwinkern:

      Quelle: FAZ vom 08.12.2005
    • ich habe lange Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft des Vorgänger-Baus gewohnt und war immer fasziniert, wie winzig der Nachkriegsbau auf gleichen Fundamenten als E+ Dach ausgesehen hat.
      Nun steht also dieses Gebäude und dafür spricht zumindest, das es Diskussion auslöst. Und dem analytischen Betrachter bietet sich die seltene Gelegenheit, zu erkennen, mit welchen vergleichsweise bescheidenen Eingriffen man die Gesamtwirkung des ehemals würdig in sich ruhenden Baukörpers zunichte machen kann. Allem voran die Firstverglasung unter gleichzeitiger Verdrängung der beiden für die Architektur so wichtigen mächtigen Schornsteine - die hier zu mehreren unmotivierten Blech-Essen verkamen. Und ein großzügiger Umgang mit den vormals stimmigen Fenster-Proportionen . Ob man wohl die dunklen Seiten in T.M's Charakter auf schlecht belichtete Wohnräume zurückführen muß?
      Auch der schneeweiße Anstrich ist wohl eine Verbeugung an die Fülle der postmodernen Nachbarbauten, die in diesem Edel-Viertel wie Pilze aus dem Boden schießen.
      Fazit: anstelle mißlingender Rekonstruktions-Versuche lieber analysieren, warum das alte Gebäude "funktioniert" hat und diese Erkenntnisse sinnvoll in Neues umsetzen. Das Ergebnis zählt.
    • @ Bernd

      Also, was den Schornstein angeht, gebe ich Dir recht. Dieses dünne Blechrohr sieht ziemlich erbärmlich aus, und eine technische Notwendigkeit gibt es dafür bestimmt auch nicht. Das Glas im Dach stört auch etwas, aber es beeinträchtigt die Gesamtwirkung nur wenig.

      Aber was für ein Problem hast Du mit der Farbe? Welche Farbe hatte denn die alte Villa? Nicht auch weiß? Auf dem Schwarz-weiß-Bild sieht es zwar nach weiß aus, aber die Sonne scheint drauf, so daß es auch ein Ockerton sein könnte.
    • Ich bin, ehrlich gesagt, SEHR enttäuscht. Als Bewunderer von Thomas Mann kann ich mich mit dieser neureichen "Interpretation" seines einstigen Lebensmittelpunkts ganz und gar nicht anfreunden. Man beachte nur mal die Freiheiten bei der Gliederung der Fenster und der Farbe der Dachziegel, das Hinzufügen von Anbauten(Schwimmbad !),die verfehlt wirken und natürlich das verschandelte Dach an sich. Die Rekonstruktion der Villa für Breloers Film war wirklich um einiges besser, auch wenn sie freilich nur eine Filmkulisse ist. Aber dieses Gebäude dagegen scheint mir doch allzu sehr mit dem Odem der Geschmacklosigkeit( gegenüber Th.M.) behaftet zu sein; wirklich eine freche Anbiederung gegenüber der Kultur, die sich natürlich mit Grausen abwendet.
      Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -
    • Die Sache mit der "Reko" des Hauses ist bestimmt nicht optimal gelaufen, aber immer noch besser, als stünde dort etwas ganz anderes: Was haben wir nicht? Die Villa Manns. Was haben wir? Ein schmuckes klassizistisches Gebäude, historische Bewusstsein des Bauherrn, eine Ahnung, wie Mann gelebt haben dürfte, einen Grund, beim Vorbeiflanieren inne zu halten und an den Großmeister zu denken,... und noch Einiges mehr - das ist unterm Strich ein Grund zur Freude über das Haus.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Ist es denn nicht egal, die Wenigsten bringen Th. M. mit München in Verbindung


      Was soll denn das für ein Argument sein ?
      Warum reden wir denn darüber ?
      Wenn dieser Mann mit der "Rekonstruktion des Thomas-Mann-Hauses"
      wirbt und dabei so ein Furunkel herauskommt, darf man doch berechtigt
      empört sein; ich schließe mich da ganz der Meinung von bernd an.

      @Antiquitus

      Man kann natürlich immer die "Das-Glas-ist-halb-voll-Strategie" anwenden, aber in diesem Zusammenhang erscheint das etwas flach.
      Wenn ich im Herzogspark flanieren würde, würde ich beim Anblick des Hauses nicht im entferntesten an Thomas Mann denken, schon allein der modernistisch-verfremdenden Farbgebung wegen. Nein, dieses Gebäude stinkt nach neureicher Schicki-micki-Gesellschaft und lässt keine Erinnerung an das Leben des größten deutschen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts aufkommen.
      Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -
    • "Sebastian" schrieb:

      Ist es denn nicht egal, die Wenigsten bringen Th. M. mit München in Verbindung


      Was soll denn das für ein Argument sein ?
      Warum reden wir denn darüber ?
      Wenn dieser Mann mit der "Rekonstruktion des Thomas-Mann-Hauses"
      wirbt und dabei so ein Furunkel herauskommt, darf man doch berechtigt
      empört sein; ich schließe mich da ganz der Meinung von bernd an.

      quote]

      Ist nur meine persönliche Sichtweise, weiter nichts.
      Daß der Bauherr mit Th. Mann wirbt, dafür kann ich nichts :zwinkern: .
      Meiner Ansicht nach ergeben die ehemaligen Wohnhäuser doch für die Öffentlichkeit nur einen Sinn, wenn sie dieser wie in Frankfurt, Lübeck, Weimar etc. auch zugänglich gemacht werden, inklusive Herrichtung des möglichst authentischen Inneren.
      Da diese "Th. Mann" - Villa aber privat genutzt werden soll, verstehe ich die Aufregung nicht.
    • "Sebastian" schrieb:

      Wenn dieser Mann mit der "Rekonstruktion des Thomas-Mann-Hauses" wirbt und dabei so ein Furunkel herauskommt, darf man doch berechtigt empört sein;


      Findest Du "Furunkel" nicht ein bißchen zu hart ausgedrückt für ein äußerlich rekonstruiertes Haus mit ein paar Schwächen im Detail?
      Demnach dürfte etwa das Hotel de saxe am Dresdner Neumarkt für Dich ebenfalls ein Furunkel sein, und die Kommandantur in Berlin auch...

      Außerdem sehe ich nicht, daß der Bauherr mit dem Namen "Thomas Mann" (nur weil es auf dem Bauschild steht) wirklich "wirbt" - wofür denn? Er baut doch nur sein eigenes Wohnhaus und will vermutlich eher seine Ruhe haben.

      Der Thomas-Mann-Förderkreis soll trotzdem in dem neuen Haus Veranstaltungen abhalten dürfen (dafür bedarf es aber keiner "Werbung", da ist der Förderkreis selbst draufgekommen).

      Im übrigen war es auch nicht seine Idee mit der Reko- er hätte eigentlich lieber modern gebaut, aber er bekam die Baugenehmigung erst, als er vorschlug, die Mann-Villa zu rekonstruieren. Verwendet wurden die Original-Baupläne, die er sich besorgt hatte. Klar, die offensichtlichen Abweichungen sind ärgerlich, aber was an der Farbe "weiß" modernistisch sein soll, weiß ich nicht. :augenrollen:
    • Entschuldigung wegen der Verwirrung. :peinlich:
      Ich habe mich in meinem ersten Beitrag zu diesem Thema schon über die Kulisse zum Film "Die Manns" von Heinrich Breloer geäußert und wollte hier zum Ausdruck bringen, dass die Fim-Villa um einiges besser und authentischer gestaltet ist als das Bauwerk am Originalstandort (daher auch das Vergleichsfoto in Schwarzweiss).
      Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -