Nürnberg

    • ursus carpaticus schrieb:

      Sowohl aus Augsburg, als auch aus Würzburg und Nürnberg kommen aktuell nur Horrormeldungen.
      Richtig! Bayern schient irgendwie städtebaulich nunmehr Ende der %0iger/Anfang der 60iger Jahre angekommen zu sein.

      ursus carpaticus schrieb:

      Übrigens auch aus unzerstörten Städten wie Landshut kommen nur Abrissmeldungen bzw -drohungen
      und nicht zu vergessen Memmingen, eine Stadt die offensichtlich gerade dabei ist sich ihrer Vergangenheit zu entledigen.

      Eine solche Vielzahl Einbußen an bedeutenden, teils mittelalterlichen Bürgerhäusern gibt es in hessischen Städten seit Mitte der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mehr.

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    • ah, MM gehört auch zu Bayern...
      Na, dann ist's eh klar.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Mendelbruder schrieb:

      Fazit des Preisgerichts: "Insgesamt ein überzeugender Beitrag zur gestellten Aufgabe im historischen Kontext, der durch seine Zurückhaltung und unprätentiöse Gestaltung positiv hervorsticht." Unprätentiöse Gestaltung ist wohl ein Chiffre für langweilige Fassade.
      Sieht genauso aus wie ein durchschnittliches Amerikanisches Motel!
    • gibt es in hessischen Städten seit Mitte der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mehr.
      Wieso? Hessen wurde doch, soweit nicht kriegszerstört, doch recht ordentlich erhalten, oder irre ich mich?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus carpaticus schrieb:

      Hessen wurde doch, soweit nicht kriegszerstört, doch recht ordentlich erhalten,
      Ja aber eben erst seit den 70iger Jahren. Bis dahin wurden in vielen nicht kriegszerstörten Städten die Altstädte (teils systematisch) heruntergewirtschaftet. Erst dann hat ein Umdenken stattgefunden, für mache Bauten zu spät.

      Für meine Heimatstadt Wetzlar beispielhaft:

      Wetzlar

      Für andere Städte (Marburg, Herborn, Limburg oder das von Dir ja schon als Urlaubsziel auserkorene Idstein) gilt dies entsprechend.

      Interessantes Thema, aber off-topic
    • Grimminger schrieb:

      Mir stellt sich nur die Frage, ob diese Architekten (Es fällt schon schwer, diesen Terminus zu verwenden) sich nicht irgendwann abgrundtief schämen werden, einer Stadt so etwas angetan und sie wahrlich geschändet zu haben. Meine Güte...
      Ich denke schon dass die Einsicht kommen könnte. Wenn diese Architekten alt sind und sich die Augen reiben, dass ihre Bauten bereits wieder abgerissen werden und von den jüngeren Generationen als Bausünde bezeichnet werden. Architekt ist heute eben kein Traumberuf mehr, was sie schaffen hat keine Gültigkeit, keine Beständigkeit mehr, keinen Wert.

      Etwas dagegen zu unternehmen erscheint mir mittlerweile zwecklos. In Nürnberg interessiert es zu wenige, meines Wissens nach haben die Altstadtfreunde hierzu auch noch nicht Stellung genommen. Der Wettbewerb ist eine Farce, das Ergebnis ein Witz, die Planungen sind eine städtebauliche Sauerei! Da frage ich mich wozu die Stadt Nürnberg hier erst aufwändig die Stadtmauer restaurieren ließ, wenn sie jetzt diesen Mist einfach durchwinkt und das Geleistete abwertet. Der Chef des Stadtplanungsamtes Dengler war schließlich in der Fachjury.
    • Mendelbruder, "Das Urteil der Jury zu diesem Entwurf lässt einen dann richtig wütend zurück: "Kritisch diskutiert werden auch die Zitate historischer Architekturelemente, die ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, der Willkür preisgegeben scheinen." Der Denkmalschutz schloss sich diesen Einschätzungen an."

      Es wäre sehr gut, wenn du mal die Originaldokumente, in denen diese Einschätzung steht, posten würdest, die eignet sich hervorragend für eine exemplarische Darstellung der Unfähigkeit solcher Jurys auf unserer Vereinshomepage.
    • Siehe hier: competitionline.com/de/beitraege/144784

      Den letzten Satz habe ich so interpretiert, dass eine angepasste, "historisierende" Lösung vom Denkmalschutz explizit nicht erwünscht wird. "Aus Sicht der Denkmalpflege wird der Abbruch des Bestandsgebäudes bedauert, der vorgeschlagene Neubau vermag es nur sehr eingeschränkt das denkmalgeschützte Ensemble überzeugend und zeitgemäß fortzuschreiben." Die Betonung liegt auf "zeitgemäß"...

      Zum Siegerentwurf: competitionline.com/de/beitraege/144782

      Hierzu sagte der Denkmalschutz: "Im Vergleich zu den anderen Neubauentwürfen scheint der Entwurf am verträglichsten.".
    • Einer der Wettbewerbsteilnehmer mit einem gestalterisch brauchbaren Konzept, "johannsraum Architekten" aus Nürnberg bieten die offizielle Wettbewerbsdokumentation zum Nachlesen online an:

      johannsraum.files.wordpress.co…-dokumentation-170801.pdf

      Wortlaut des Urteils zu dem der Stadtmauer angepassten Entwurf ist (Dokumentation, Seite 27):
      Die Verfasser schlagen drei sich um einen zentralen Innenhof gruppierende,
      über Laubengänge verbundene Bauteile vor. Sie greifen damit ein auch in der
      Nürnberger Altstadt anzutreffendes Thema auf und interpretieren es neu. Die
      Baumassen und der Innenhof sind angenehm proportioniert. Das Weiten der
      Laubengänge auf allen Ebenen zu gut nutzbaren Gemeinschafts- und Kommu-
      nikationsflächen wird positiv gewertet. Ebenso anerkannt wird der Versuch mit-
      tels eines subtil überspielten Höhenversatzes auf die Topographie zu reagieren.
      Anerkannt wird das Angebot ruhiger, ungestörter geneigter Dachflächen.

      Nicht überzeugen können dagegen das Abknicken des westlichen Gebäudetei-
      les, sein Aufeinandertreffen mit den Laubengängen des Nordostflügels, sowie
      die übergroßen Einschnitte in den Fassaden, insbesondere an der Südseite.
      Kritisch diskutiert werden auch die Zitate historischer Architekturelemente, die
      ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, der Willkür preisgegeben scheinen.
      Die wirtschaftlichen Werte liegen im unteren Bereich, was u.a. den geringen
      Gebäudetiefen geschuldet ist. Insgesamt bietet die Arbeit interessante Ansätze
      zur Lösung der schwierigen Bauaufgabe. Aus Sicht der Denkmalpflege wird
      der Abbruch des Bestandsgebäudes bedauert, der vorgeschlagene Neubau
      vermag es nur sehr eingeschränkt das denkmalgeschützte Ensemble überzeu-
      gend und zeitgemäß fortzuschreiben.

      Die wirtschaftlichen Werte liegen im unteren Bereich, was u.a. den geringen
      Gebäudetiefen geschuldet ist. Insgesamt bietet die Arbeit interessante Ansätze
      zur Lösung der schwierigen Bauaufgabe. Aus Sicht der Denkmalpflege wird
      der Abbruch des Bestandsgebäudes bedauert, der vorgeschlagene Neubau
      vermag es nur sehr eingeschränkt das denkmalgeschützte Ensemble überzeu-
      gend und zeitgemäß fortzuschreiben.
      Mir scheint als habe es sich das Preisgericht sehr einfach gemacht, hier zu prämieren was der Investor gewünscht hat. Fläche, Volumen, Effizienz und billiges renditeträchtiges Bauen, wurde gefunden, irgendwie gelobt, das gestalterisch bessere wird mit seltsamen Architektengeschwurbel diskreditiert. Ist ja okay, aber wozu dann einen Wettbewerb und eine Expertenjury? Da reicht ein Investor, ein williges Ingenieurbüro und ein positiver Bauvorbescheid.

      Der Denkmalschutz in Nürnberg ist hierbei hilflos. Fachlich, aber auch personell. Was ist schon ein Haus von 1928, wenn man anderswo noch Häuser aus dem 14. Jahrhundert untersuchen und Tonscherben aus Baugruben sieben muss.
    • Die Nachrichten aus Bavaria sind wahrlich eine einzige Katastrophe.

      Aber es gibt auch Hoffnung! Und zwar durch tatkräftiges Engagement. Wir können reden und uns Dinge herbeischreiben, jedoch tatsächlich selbst zur Rettung des architektonischen Kulturerbes etwas zu tun, hat sich dieser Verein auf die Fahnen geschrieben:

      kulturerbebayern.de
    • Gebäude ohne Denkmalschutz sind vogelfrei. Denkmalschutz ist keine Garantie für den Erhalt, aber er bietet Möglichkeiten zur Einmischung. Warum in einer stark zerstörten Stadt wie Nürnberg nicht jedes Vorkriegshaus in der Altstadt denkmalgeschützt ist, kann ich nicht verstehen. Dafür spricht allein der Zeitzeugenwert, unabhängig vom individuellen Erhaltungszustand. In Dresden und wenn ich mich nicht täusche auch in Leipzig, ist das so. Ein leidiges Thema, ich weiß. In Nürnberg kommt ja leider noch die antiquierte Grundhaltung des Denkmalschutzes hinzu, der Nachbau und Rekonstruktion generell verteufelt. Die Äußerungen im Zuge der Diskussion um das Pellerhaus waren diesbezüglich ja völlig entlarvend und desillusionierend. Hier kann man wohl nur auf eine biologische Lösung warten.
    • Es wird vielleicht von der Frankfurter Altstadt eine Signalwirkung ausgehen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Schon wieder schlechte Nachrichten aus Nürnberg: Bei der "Red Bull District Ride" (eine als Sportevent getarnte Werbeveranstaltung eines Brauseherstellers) auf dem Hauptmarkt kam es zu Schäden am Gitter des Schönen Brunnens, da rücksichtslose Zuschauer die empfindliche Stahlkonstruktion als Klettergerüst benutzten. Der Brunnen war erst kürzlich für 1 Million Euro saniert worden. Die Stadt prüft, ob Red Bull für die Schäden haftbar gemacht werden kann.

      nordbayern.de/region/nuernberg…schonen-brunnen-1.6632557
    • Naja, solange die Stadt den Brunnen deshalb nicht als "marode" bezeichnet, und seine neuerliche Renovierung nicht "wirtschaftlich nicht darstellbar" ist, wobei der Brunnen auch nur eine Kopie des Originals von soundso ist, also solange die Schäden repariert werden ist das ok. Brunnendemolierungen in Nürnberg scheinen aber häufiger vorzukommen, hier erst im Juli:

      nordbayern.de/region/nuernberg…t-1.6333918?searched=true
    • Drei Jahre nach dem Brand
      Richtfest an der Nürnberger St. Martha Kirch
      br.de/nachrichten/mittelfranke…-richtfest-brand-100.html

      Feierliches Richtfest: Der Wiederaufbau der St. Martha Kirche
      frankenfernsehen.tv/mediathek/…bau-der-st-martha-kirche/

      Dach ist wieder drauf
      Aufbau der St. Martha-Kirche geht voran
      br.de/nachrichten/mittelfranke…irche-geht-voran-100.html