Eichstätt (Galerie)

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    • Eichstätt (Galerie)

      Vor kurzem habe ich einen Rundgang durch Berching ins Forum gesetzt, heute möchte jene Stadt vorstellen, der Berching Jahrhunderte lang unterstand.

      In Eichstätt gründete der angelsächsische Missionar Willibald 741 ein Benediktinerkloster, welches 744/45 durch Bonifatius zum Bischofssitz erhoben wurde. Das Bistum unterstand ebenso wie Würzburg dem Erzstuhl Mainz. Sein Territorium wurde 1016 zugunsten des erst kürzlich gegründeten Bistums Bamberg stark verringert. Mit dem Aussterben der Grafen von Hirschberg und dem Anfall ihrer Besitzungen 1305 war die territoriale Entwicklung des Fürstbistums im Wesentlichen abgeschlossen. Nach der Säkularisation fiel das Hochstift an Bayern.

      Der Eichstätter Bischof war der kleinste und schwächste der drei fränkischen Fürstbischöfe und zudem direkter Nachbar des übermächtigen Herzogtums Bayern. Nichtsdestotrotz haben die Eichstätter Fürstbischöfe eine der schönsten barocken Residenzstädte überhaupt geschaffen - sehr italianisierend und wirklich erzkatholisch. Abgesehen vom mittelalterlichen Dom und wenigen Zeugnissen der Renaissance ist das Stadtbild maßgeblich von dem Wiederaufbau nach der Zerstörung durch die Schweden 1634 geprägt. Die Kelleranlagen und auch aufgehendes Mauerwerk vieler Häuser reichen jedoch oftmals in die Zeit der Gotik und sogar darüber hinaus zurück.

      Eichstätt hat heute etwa 13.000 Einwohner (vgl.: 1840: 8.453; 1871: 8.586; 1900: 9.488; 1939: 10.092; 1950: 12.879 ---> Fernab der Verkehrwege des 19. Jahrhunderts und damit der Industrialisierung hat die Stadt nicht nur ihren historischen Grundriss, sondern auch ihren Gebäudebestand bewahrt.) und ist somit die kleinste Universitätsstadt Europas.





      Blick vom Parkplatz zur Willibaldsburg. Leider war das Wetter am Tag meines Besuchs nicht so gut.


      Wir laufen zunächst entlang der Altmühl und betreten dann die Altstadt in der Nähe des Rathauses.








      Das Rathaus zwischen Dom- und Bürgerstadt ist ein freistehender Giebelbau mit seitlichem Turm (1444). Die Fassade mit Schweifgiebel und die Turmbekrönung stammen aus den Jahren 1823/24.






      Der annähernd dreieckige Marktplatz ist der Mittelpunkt der nördlich des Dombereichs liegenden Bürgerstadt.








      Willibaldsbrunnen mit Bronzefigur des Heiligen Willibald; Brunnen 1695 unter Fürstbischof Christoph von Westerstetten von Jakob Engel (= Jacopo Angelini) errichtet, Figur wohl von Hans Krumpper












      Wir laufen jetzt weiter Richtung Domplatz...






      Vom jetzigen Eichstätter Dom stammen die Türme noch aus der Romanik (ca. 1070, hochmittelalterliche Giebel und Helme am Nordturm 1280/90, am Südturm wohl erst im 15. Jahrhundert), der Rest ist zumeist hoch- und spätgotisch: Westchor 1296 (Verlängerung 1471), Querschiff, Ostchor, seitliche Kapellenreihen ca. 1350-96, barocke Westfassade 1714-18 und Sakristei am Willibaldschor 1724 durch Gabriel Gabrieli, Rippengewölbe im Inneren ca. 1360-1415


















































      Der Pappenheimer Altar im nördlichen Querhaus...


      ... 11 Meter hoch, meisterhafte Steinmetzarbeit, 1489-97 geschaffen, vielfigurige Kreuzigungsszene vor Reliefhintergrund mit Darstellung verschiedener Pilgerreise-Etappen: Nürnberg, Venedig, Jerusalem




      Lebensgroße Sitzfigur des hl. Willibald, 1514 von Fürstbischof Gabriel von Eyb in Auftrag gegeben, von Loy Hering oder Gregor Erhart geschaffen, wohl eine der bedeutendsten Plastiken der deutschen Renaissance








      Das ist der Westflügel des Domkreuzganges, das sog. Mortuarium, eine weiträumige Doppelhalle mit Netzgewölbe über acht wechselnd runden und achteckigen Pfeilern, die zwischen 1480 und 1510 errichtet wurde (Nordflügel des Kreuzganges 1410/20, Ost- und Südflügel 1460/70). Der Raum ist überreich mit Epitaphien, Grabsteinen und Wappen geschmückt.












      Die "Schöne Säule", bez. 1489






      Ein anderer Flügel des Domkreuzganges


      Wir stehen jetzt auf dem Residenzplatz. Er wurde von Jakob Engel, Gabriel Gabrieli und Mauritio Pedetti geschaffen (Eichstätt hat auch noch in den späten 70er Jahren des 18. Jahrhunderts viele italienische Baumeister berufen, als in den anderen katholischen deutschen Kernlandschaften des Barock schon längst einheimische deutsche Bauleute den Ton angaben). Für Georg Dehio war diese wohl bedeutendste städtebauliche Leistung Eichstätts "ein Platz von Europäischem Rang".














      Gehen wir weiter...


      Welche Kirche das ist, weiß ich leider nicht.




      Da sind, glaube ich, Büros drin...












































      Wir laufen die Ostenstraße entlang, vorbei an der ehemaligen fürstbischöflichen Sommerresidenz (1735-37 von Gabriel Gabrieli für Fürstbischof Franz Ludwig Schenk von Castell errichtet), wo heute die Universität untergebracht ist.




      Blick zur Seite Richtung Ostenfriedhof, wo viele Neubauten in Altstadtnähe entstanden sind










      Vielleicht ein (ehemaliges?) Universitätsgebäude...


      Machen wir einen kleinen Abstecher in die Kapuzinergasse, wo eine Seltenheit verborgen ist...


      Die dortige Kapuzinerkirche Hl. Kreuz und zum Hl. Grab ist von außen nichts Besonderes...


      ... ein schlichter Neubau über mittelalterlicher Bausubstanz aus den Jahren 1623-25, der 1905 erweitert wurde.


      Von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts war der Bau als Schottenkloster zum Hl. Kreuz bekannt.


      Der Hochaltar der Kirche entstand um 1625, die Seitenaltäre Ende des 17. Jahrhunderts. Die Bedeutsamkeit der Kirche liegt jedoch in einem Bau, der schon im Namen der Kirche angedeutet ist...


      ... einer Nachbildung des Heiligen Grabes in Jerusalem, die um 1160 von Dompropst Walbrunn von Rieshofen nach Rückkehr vom Kreuzzug errichtet wurde.


      Das romanische Bauwerk auf ovalem Grundriss war im Mittelalter Wallfahrtsziel.










      Ich hatte so etwas in meinem Leben vorher noch nie gesehen. Derartige Nachbildungen des Heiligen Grabes aus dem Hochmittelalter soll es in Deutschland aber auch im Südwesten und im Rheinland geben.


      Wir laufen entlang der Mauer des Ostenfriedhofs und schauen uns kurz einige der Neubauten an, die sich westlich an diesen anschließen, ehe wir wieder in die Altstadt gelangen.












































      Morbider Charme?




      Schutzengelkirche (ehemalige Jesuitenkirche), 17. und 18. Jahrhundert


      Wir gehen jetzt über einen etwas anderen Weg zu unserem Ausgangspunkt zurück, schauen uns aber nochmal Dom- und Marktplatz an...




























      Ein Beispiel des im unteren Altmühltal eher seltenen Fachwerks


      Ich weiß nicht, was das ist bzw. was es war bevor die Volksbank einzog.






      Hier hat man wohl etwas zu viel erneuert und vereinfacht...


















      Benediktinerinnenkloster- und Pfarrkirche St. Walburg, heutiger Bau mit Ausnahme der Gruftkapelle aus dem 17. und 18. Jahrhundert
































      Das wäre mein Beitrag zur ehemaligen Residenzstadt eines kleinen geistlichen Fürstentums an der Altmühl. In meinen Augen ist Eichstätt genauso schön wie Passau - aber da werden die meisten mir wohl eher nicht beipflichten. :D
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Sehr schöne Bildergalerie. Eichstätt beeindruckt an vielen Stellen mit einem gediegenen, geschlossenen barocken Stadtbild.
      Man muss allerdings auch dazu sagen, dass sich die Eichstätter auch der architektonischen Moderne ausgesprochen zugewandt zeigen. Überall in der Stadt, finden sich die Spuren der Nachkriegsmoderne des Architekten und Diözesanbaumeisters Karljosef Schattner. Schattners Bauten gelten als Aushängeschild und Sehenswürdigkeiten ersten Ranges und er wird vielfach sogar in einem Atemzug mit Gabrieli genannt. Dank Schattner gilt Eichstätt als Mekka für Freunde moderner Architektur und für fast jeden Architekturstudenten ist eine Exkursion dorthin ein Muss.
      Ich persönlich hätte auf die diversen modernen An- und Umbauten an Uni- und Kirchengebäuden verzichten können.
      Die Ära Schattner hat leider zur Folge, dass man in Eichstätt modernistischen Experimenten gegenüber nicht unaufgeschlossen ist.
      Mich persönlich hat der hässliche, aschgraue Neubau (Studentenwohnheim?) im Herzen der Altstadt, direkt an der Altmühlbrücke am meisten gestört.
    • Mir sagen die Gebäude Schattners durchaus zu. Habe einmal ein Poträt über ihm gelesen, in dem seine Eichstätter Bauten fast alle gezeigt und besprochen wurden. Manches wirkt vielleicht etwas zu einfach zu grob (genauso gibt es aber auch historische Barock-Rokokkogebäude, die ich richtig überladen und kitschig finde), dennoch haben die Gebäude interessante Details und beziehen sich auch immer auf die Umgebung und kontrastieren nicht unnötig.

      http://www.ku-eichstaett.de/Ueberblick/Campus/Lageplan/orangerie/schattner.de\r
      www.ku-eichstaett.de/Ueberblick/ ... hattner.de

      Ich meine, daß der Dialog zwischen dem Heute und Gestern notwendig ist und eine Auseinandersetzung zwischen beiden stattfinden muß. Die Anpassung und noch so geschickt verpackte Imitation wird vorhandene historische Architektur entwerten. Wir kommen nicht umhin, mit unseren Mitteln, unseren Konstruktionen durch den Horizont unserer Zeit begrenzt, unsere Aufgaben zu lösen.

      Wir werden dabei erfahren, daß durch eine Nachbarschaft moderner Architektur neue Anregungen für das Wahrnehmen, das Erkennen bislang unbekannter Eigenschaften historischer Architektur möglich gemacht wird. Architektur löste und löst immer dieselben Probleme: Material und dessen Struktur geltend zu machen. Rhythmus, Symmetrie und Asymmetrie anzuwenden. Licht und Schatten auszunutzen. Die Tektonik der architektonischen Massen, ihres Maßstabes und der wechselseitigen Proportionalität ihrer Bauteile einzusetzen.

      Gerade die Vielfältigkeit und Vielseitigkeit historischer Architektur verlangt, daß wir mit Phantasie und Freude darauf reagieren. Wir müssen mit unseren Wünschen an die historischen Gebilde herangehen und sie lebendig machen. Der Wert, der von historischer Architektur ausgeht, liegt in der Vielfalt der Details, liegt in der Qualität derselben.

      Es ist interessant, zu beobachten, wie unterschiedlich scheinbar gleiche Elemente sind. Diese Differenzierung macht den Reiz historischer Städte aus. Hierüber entsteht eine Individualität, die aber eine übergeordnete Verbindlichkeit nicht leugnet.
      Dies alles ist aus einer Geisteshaltung heraus entstanden und war niemals Tarnung. Ich meine, daß es auch heute möglich sein muß, die Probleme zu lösen allerdings nicht über die Tarnung und nicht über eine falsch verstandenen Individualismus, der im Grunde Egoismus ist.


      Wahre Worte. Dialog nicht nur Kontrast, Kontrast..... Keine Solitärbauten von Star-Architekten, sondern aufeinander abgestimmte Gebäude!
    • Tja, der Wille zum Dialog mag da sein, aber ich finde nicht, dass ihm die Umsetzung immer geglückt ist...

      Leider habe ich im Netz auf die Schnelle nicht alllzuviel Bildmaterial zu Schattner gefunden. Nur hier ein Beispiel:

      bistum-eichstaett.de/pfarrei/heilige-familie/eichstaett.htm

      Mir persönlich würde das Uniensemble (ehemalige Sommerresidenz der Eichstätter Bischöfe) ohne die Zutaten Schattners besser gefallen...
    • Bei einem Eichstätt-Ausflug habe ich einige Bilder geknipst, die ich hier teilweise einstellen will, insbesondere Universitätsbauten.

      Ein Lageplan findet sich hier.

      Vorab möchte ich sagen, daß einige von Schattners Werken lediglich Innenausbauten sind, die von außen völlig historisch aussehen (Willibaldsburg/Jura-Museum über der Stadt, Diözesanmuseum in der Stadt).

      Als Einstieg der Blick über den Leonrodplatz nach Westen:


      Jetzt drehen wir uns um 180° und blicken in die Ostenstraße (im Hintergrund sieht man schon das Dach der früheren Sommerresidenz der Fürstbischöfe)


      Wir laufen weiter und sehen jetzt genauer den Gebäudekomplex Ostenstraße 18, den man schon im vorherigen Bild als Störfaktor erahnen konnte. Dem ersten der beiden direkt an der Straße liegenden Teilen des Gebäudes kann man ja noch attestieren, daß mit der Giebelform und der Fassadenfarbe eine Anlehnung an das historische Umfeld versucht wurde, aber im Endeffekt sieht es dennoch unpassend aus. Der zweite Teil mit der silbergrauen Fassade ist völlig deplaziert. Aber immerhin wurde dieses Gebäude in zwei zur Straße liegende Baukörper gegliedert und so die Maßstäbe der Straße eingehalten.




      Vor der Sommerresidenz biegen wir nach Rechts in den Garten ein und sehen hier, wenn wir uns gleich wieder nach rechts wenden, den meiner Meinung nach gelungensten Schattner-Bau, und auch den gelungensten aller Universitätsbauten: den Lehrstuhl für Journalistik in der alten Orangerie, die durch einen strengen Kubus ergänzt wurde. Natürlich lebt der Kubus von der historischen Substanz der Nachbarn, aber ich finde ihn exzellent in die vorhandene Situation eingepaßt. Und derjenige, dem es nicht gefällt, wird dadurch auch nicht stark gestört, da der moderne Bau niedriger und auch nach hinten versetzt ist, so daß er von der Straße aus überhaupt nicht, vom Park aus kaum zu sehen ist.


      Vom Schloßgarten sieht man nun auf der anderen Seite die schon fast am Stadtrand stehenden Gebäude, von denen Georg Friedrich schon eines gezeigt hat.


      Ansicht des Komplexes von Osten (weiter stadtauswärts).


      Weiter außen sind noch eine Bibliothek von Behnisch und eine Schule (ich glaube aus den 80ern). Davon habe ich aber keine Bilder.

      Wir gehen jetzt wieder stadteinwärts und finden gegenüber der Sommerresidenz das ehemalige Waisenhaus, auch von Schattner umgebaut. Zur Ostenstraße sieht man ihm das nicht an, nur zum Hinterhof.




      Weiter stadteinwärts und dann rechts in einer Seitenstraße findet man zwei weitere Universitätsgebäude. Das eine ist das der Katholischen Hochschulgemeinde, das ich recht gelungen finde. Der gezeigte Trakt liegt auch nicht direkt an der Straße, sondern ist durch den davorliegenden Garten getrennt und hält sich dadurch im Stadtbild sehr zurück.


      Daneben liegt der Komplex ehemalige Reitschule/Teilbibliothek 2/Aula, bei dem wieder historische Gebäude mit einem strengen Neubau kombiniert wurden, der mir in diesem Fall aber stark mißfällt. Er ist allerdings nur von einer kleinen Gasse über eine Mauer hinweg gut einsehbar, wodurch sich der Schaden für das Stadtbild in Grenzen hält.


      Nachfolgend noch zwei Beispiele für "moderne" Architektur ohne mir bekannten Bezug zur Universität oder zum Bistum.
      In einer kleinen Gasse findet sich dieses mißratene Gebäude, das eher wie eine Karikatur moderner Architur denn wie ein ernst gemeintes Haus aussieht.


      In der Nähe der Altmühl (und auch des Residenzplatzes) gibt es diesen Hof. Die Verwendung von viel Holz läßt in relativ einladend erscheinen, aber der graue Turm stört mich ein wenig. Im übrigen stört das Gebäude wieder mal kaum jemanden, der es nicht sehen will, weil es abseits der normalerweise genutzten Straßen und Plätze liegt.




      Zum Abschluß noch einmal wie ganz am Anfang einen Blick auf den Leonrodplatz, aber dieses mal von Norden her.
    • Herzlichen Dank für die Bilder euch Beiden! :)

      Muss aber sagen, abseits der Hauptplätze kommt mir die Stadt etwas langweilig und steril vor: die könnten mehr aus sich machen, aber diese ewig verputzten, nichtssagenden Lochfassaden und Straßen ohne Bäume...
      Die Blicke auf die Altmühl, jedoch, sind bezaubernd. :)
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • In Eichstätt war ich auch schon öfter, da ich ganz aus der Nähe komme und zudem gewissermaßen als "Gast" für meine Diplomarbeit teilweise die dortige, (verglichen mit unserem Fachbereich der Uni Mainz) hervorragend ausgestattete Universitätsbibliothek genutzt hatte.

      Die eigentliche Altstadt ist wirklich winzig und hat vielleicht eine Ausdehnung von höchstens 1,5 x 1 km, verfügt dafür aber über eine unglaubliche Vielzahl von Kirchen.

      Übrigens kann ich mich schwach erinnern, daß eine größere Häuserzeile am Residenzplatz in Richtung Altmühl eine Rekonstruktion aus den 70er Jahren ist - vielleicht weiß einer der Eichstätt-Experten dazu mehr (ich habe jetzt nicht alle Bildbeiträge sorgfältig durchgelesen, vielleicht wurde dies auch schon erwähnt).
    • "silesianospostato" schrieb:

      Übrigens kann ich mich schwach erinnern, daß eine größere Häuserzeile am Residenzplatz in Richtung Altmühl eine Rekonstruktion aus den 70er Jahren ist - vielleicht weiß einer der Eichstätt-Experten dazu mehr (ich habe jetzt nicht alle Bildbeiträge sorgfältig durchgelesen, vielleicht wurde dies auch schon erwähnt).


      Weiß ich leider nicht. Der kleine Brunnen auf dem Residenzplatz wurde in den 80er Jahren erneuert. Bei der größeren Häuserzeile am Residenzplatz in Richtung Altmühl kämen in Frage: das ehemalige Kanzleigebäude, das ehemalige Generalvikariat oder die ehemaligen Kavaliershöfe.


      Die eigentliche Altstadt ist wirklich winzig und hat vielleicht eine Ausdehnung von höchstens 1,5 x 1 km, verfügt dafür aber über eine unglaubliche Vielzahl von Kirchen.


      :lachen: Die eigentliche Eichstätter Altstadt misst an ihrer breitesten Stelle zwischen St. Peter und Paul und dem Residenzplatz in Ost-West-Richtung knapp 500m. Die Kapelle Mariahilf im Norden und die Jesuiten- bzw. Schutzengelkirche im Süden trennen etwa 950m - wobei anzumerken ist, dass der Norden der Eichstätter Altstadt nicht viel mehr ist als die beiden Häuserreihen, die die Westenstraße begrenzen. Insgesamt kann man diese Altstadt jedoch nicht klein nennen. Man verschätzt sich schnell: Die Mauern Nürnbergs umschließen eine "Altstadt", die etwa 1350m x 1200m misst. Keiner käme doch wohl auf die Idee zu behaupten, die Nürnberger Altstadt sei klein gewesen. 1,5 km x 1 km sind sehr viel - vergleichbar der Lübecker Altstadtinsel (etwa 1650m x 1050m). Regensburg schafft es auf rund 1950m Ost-West-Ausdehnung und 850m maximaler Nord-Süd-Ausdehnung (ohne Stadtamhof). Augsburg hat eine sehr große Altstadt, vielleicht die flächenmäßig größte deutsche Altstadt überhaupt: 2200m von Norden nach Süden und 1600m an der breitesten Stelle von Osten nach Westen. Viel größer waren die Städte damals einfach nicht. Selbst eine Stadt wie Venedig kommt im Kern auf nicht mehr als 3000m mal 2200m.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Hier zwei Bilder von Schloss Hirschberg mit dem Erweiterungsbau durch den damaligen Diözesanbaumeister Prof. Karljosef Schattner :
      es ist der Betonbau und der Glasbau, den man zwischen dem Schloss und dem Neubau erkennen kann:



      im Winter sieht der Bau eher trist aus, im Sommer ist er durch die vielen Bäume verdeckt:



      sicherlich mag der Anbau recht praktisch sein, da man dadurch den Flügel trockenen Fußes durchqueren kann (vorher musste man durch den Hof gehen da eine Kapelle die gesamte Breite des Schlossflügels ausnutzte)
      aber auf der anderen Seite könnte der Kontrast (ich kann das wort langsam nicht mehr hören) kaum höher sein
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      Nu, tun wir trotzdem weiter. Sicher, woanders gibt 's prunkvollere Gründerzeitler, aber wermer sehn, ob Eichstätt schon veraltet ist.

      Gliederung: 1) Lage und Kirchen
      2) Domstadt
      3) Bürgerliche Altstadt.

      Punkt 1)



      Schaumer uns die Altstadt genauer an:



      Kirche St. Walburg:

      Ein Platz, auf den Würzburg neidisch sein könnte (aber es kommen noch viel, viel bessere):



      Beste Wessobrunner Stuckarbeit, eine Pracht:





      Der Turm wirkt aus der Nähe höher:




      Dom:







      Klar, man könnte das auch viel umfassender dokumentieren, uns gehts aber mehr ums Stadtbild.
      Auch von der erlesenen Schutzengelkirche nur ein Bild:


      P8180118 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Zwei von der profanierten Notre Dame d' Eiquege-taet-Kirche:





      P8180116 von [url=Es gäbe noch mehr Kirchen, ich hab aber nicht alle gesehen. Für Eichstätt bräuchte man locker einen Tag. Das historische Denkmalgebiet ist sehr groß, größer als das mancher Großstadt. Das Wenigste davon ist gut erhalten bzw unverschandelt, aber das hat es noch immer in sich.

      2) Domstadt

      Mit dem letzten Halbsatz war vor allem die Domstadt gemeint, eine ausgedehnte Ensemblefolge von erstem Rang. Rein architektonisch kann da die Salzburger Bischofstadt nur schwer mithalten, und ob Würzburgs Plätze jemals so eine Pracht entfalten konnten, erscheint mir sehr zweifelhaft (heute ist natürlich jeder Vergleich hinfällig).
      Es sind grob gesagt fünf Plätze oder Straßenzüge, die ineinander übergehen bzw aufeinander folgen.

      Residenzplatz West - Domplatz - Pater Jening-Platz - Leonrodplatz - Resindenzplatz (Süd)

      Residenzplatz Westteil: mehr eine Straße, aber was für eine!
      Blick auf Domfassade und Residenz (rechts):
      [url=http://www.flickr.com/photos/33879172@N07/7992053175/][/url]

      Gegenrichtung, die Residenz ist jetzt links:


      Ein selten beglückender Straßenzug, man sollte bloß den Blechmüll von hier verbannen!

      Blick vom Domplatz:



      Der Domplatz selbst enttäuscht, er gewährt einen prachtvollen freinen Blick auf die Nordseite des Doms, die sonstige Bebauung jedoch ist überwiegend bürgerlich, was in Eichstätt nichts Besonderes bedeutet. Die wenigen Barockbauten ergeben kein besonders stimmiges Gesamtbild. Hier ein Bürgerhaus, links der Dom:




      Bürgerhaus mit Blick zum Markt:



      Pater Ph. Jening-Platz: geschlossener viereckiger Platz mit sehr guter Barockbebauung. Wir gucken bereits vom Leonrodplatz:

      [url=http://www.flickr.com/photos/33879172@N07/7992861616/]

      Der Leonrodplatz wird von der äußerlich nicht besonders grandiosen Schutzengelkirche beherrscht...




      die hier im Hintergrund zu sehen ist:




      Wir bewegen uns hier bereits auf den Residenzplatz, den unbestreitbaren städtebaulichen Höhepunkt zu, hier die gegenüberliegende Seite:



      Voilà:



      Rechts wieder die Residenz, womit wir die Runde geschlossen hätten.

      Angesichts dieser Pracht ist jeder Kommentar überflüssig!











      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()

    • Schon klar, dass das eine Eigenheit des Barock ist - bin ja nicht bescheuert. Allerdings fiel mir die geradezu sklavische 1 zu 1-Wechselrhythmik in Eichstätt auf.

      Gegenbeispiele/Variationen, derer es en masse gibt, nicht bekannt? Nur mal auf die Schnelle:
      img.fotocommunity.com/Schloess…Nymphenburg-a18425542.jpg

      imageshack.us/f/809/fm829826a.jpg/

      cusoon.at/original/1216971894/…-wien-museen-bauwerke.jpg

      upload.wikimedia.org/wikipedia…n_Stadtschloss_1920er.jpg

      centralhotel-wuerzburg.de/upload/1989973_.jpg
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Et aliter, Palantir et alteri? Habt ihr das schon gekannt, oder habt ihr schon viele derartige Ensembles in Deutschland gesehen? In Würzburg, in Potsdam, in Dresden?

      Wir machen weiter mit 3) Bürgerliche Altstadt

      Die Altstadt enttäuscht. Zum einen ist der Erhaltungszustand sehr unbefriedigend, die Pflege sehr nachlässig, die Erhaltung lückenhaft. Nicht nur das: der eigentliche spezifische Stil der Altstadt, der Haustyp der Jura-Häuser sagt mir nicht besonders zu. Die sehr stumpfwinkeligen, überaus breiten Giebel erinnern mich sehr an ländliche Gegenden in Westösterreichs, die ich rein vom Architektonischen her nicht besonders mag. Was in der Altstadt wirklich schön ist, stammt von Gabrieli und seinem Umfeld. Solider, kraftvoller Barock eben.
      Wir beginnen am Marktplatz. Auch hier sind Häuser des Juratyps zu sehen, allerdings überwiegen Barockfassaden..



      [url=http://www.flickr.com/photos/33879172@N07/7992079321/]

      [url=http://www.flickr.com/photos/33879172@N07/7992085561/]






      Den sehr problematischen und unbefriedigenden Südteil des Platzes, eine wahrscheinlich durch einen Kirchenabriss entstandene, sinnlose Ausbuchtung ind Richtung Domplatz hab ich nicht übers Herz gebracht zu photographieren. Wer diesen Teil sehen will, schaue sich GFs Bilder an!

      Vom Marktplatz führen zwei parallele Straßen nach Osten, die guten Altbestand und immerhin angepasste Neubauten aufweisen und sohin einen ansprechenden Eindruck ergeben. Sie umrahmen das rechte Haus im letzten Bild.
      Links (=nördlich) die Gabrielistraße, mit dem Wohnhaus des Meisters des Eichstätter Barocks:





      Gegenrichtung (zum Markt hin):




      Marktstraße:



      Obwohl vom Palais ganz hinten bereits die Farbe abgeht, ist mE noch nicht unbedingt mit dessen Abriss zu rechnen.



      Blick zum Rathaus:

      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

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    • Ich hab auch noch ein paar Fotos von Eichstätt in meinem Archiv gefunden. Im Wesentlichen nichts komplett anderes, als bisher vorgestellt wurde, aber ich hoffe, es gefällt euch trotzdem...

      Zuerst die Vorstadt, die sich entlang der wichtigen Straßen ja hunderte Meter lang zieht







      Jetzt der Hauptplatz









      Ich glaube, mich zu erinnern, dass dieses Haus ab dem 3. Stock ein Neubau ist...Wenn ich mich richtig gesinne, muss ich sagen: Gut gelungen!



      Fachwerk - ein seltener Anblick

      Unten der Dom, ein großartiges Bauwerk, nur ein Abklatsch vom inneren Prunk das Nordportal.









      Die "Schöne Säule"



      Unten einige Fotos vom Kreuzgang







      Und nun der Kreuzgang von außen







      Blick von der Willibaldsburg auf Eichstätt







      Und die Willibaldsburg selbst...

      Unten noch was ganz was anderes: Die Kirche im benachbarten Örtchen Dollnstein. Eine relativ große romanische Kirche mit gotischen, bemaltem Chor, idyllisch auf einem Felsen gelegen. Dollnstein selbst ist übrigens ein wunderschöner Ort. Die winzige, befestigte Altstadt ist rundherum kaum verbaut, und in der Mitte erheben sich, wie Berge, zwei Felsen, der eine mit einem Burgstall, der andere mit der Kirche. Besichtigung zu empfehlen!







    • Georg Friedrich schrieb:

      Eichstätt hat heute etwa 13.000 Einwohner (vgl.: 1840: 8.453; 1871: 8.586; 1900: 9.488; 1939: 10.092; 1950: 12.879 ---> Fernab der Verkehrwege des 19. Jahrhunderts und damit der Industrialisierung hat die Stadt nicht nur ihren historischen Grundriss, sondern auch ihren Gebäudebestand bewahrt.) und ist somit die kleinste Universitätsstadt Europas.

      Nur fast. Es gibt immer noch Camerino (de.wikipedia.org/wiki/Camerino) mit sage und schreibe 7111 Einwohnern biggrin:)
    • ursus carpaticus schrieb:

      Den sehr problematischen und unbefriedigenden Südteil des Platzes, eine wahrscheinlich durch einen Kirchenabriss entstandene, sinnlose Ausbuchtung in Richtung Domplatz hab ich nicht übers Herz gebracht zu photographieren.


      Eines der Bilder (das mit dem Bus) zeigt den genannten südlichen Auslauf des Marktplatzes (Richtung Domplatz).

      Die zwei Gebäude links vom Bus, das rosa und das graue, sind typische Vertreter der Nachkriegsbauweise in der Mitte Bayerns. Sie besitzen eine einfache Formensprache, die dem Jurahausstil ähnlich ist. Solche Häuser gibt es aber auch im Süden der Oberpfalz und wahrscheinlich zur Genüge in Niederbayern, etwas weniger vielleicht in Oberbayern.

      Auf der Westseite fällt das große Gebäude auf, das die Reste einer Kirche enthält.

      Die Denkmalliste beschreibt es so:
      Marktplatz 7
      Reste der ehem. Kollegiatspfarrkirche Unserer Lieben Frauen im Neubau eines Bankgebäudes erhalten, spätgotisch, 1472-1546 wohl von Magnus Dreer und Erhard Reich errichtet, abgebrochen 1818, überbaut durch eine nach 1818 errichtete Vierflügelanlage.
      (BayernViewer-denkmal?)

      Der Neubau dürfte so um 1998 herum gebaut worden sein.
    • Eichstätt, Domkreuzgang

      Der Kreuzgang liegt an der Südseite des Domes und ist eine gotische Vierflügelanlage. Der Nordflügel entstand 1410/1420, der Ost- und Südflügel 1460/70 und der Mortuarium genannte Westflügel zwischen 1480 und 1510. Fenster und Maßwerk im Kreuzgang stammen z. T. von 1886 (nach Zerstörung in der Säkularisation).

      Siehe auch:
      APH - Kreuzgänge in Deutschland


      Westflügel (Mortuarium) nach SO


      Mortuarium, Glasfenster in den Ostwandfenstern um 1500, Jüngstes Gericht


      Glasfenster Johannes Ev., Maria, Willibald


      Mortuarium, Glasfenster mit Kreuzigung


      Epitaph für Wilhelm von Neuneck, dat. 1570, von Wilhelm Sarder, der Gnadenstuhl nach einem Dürer´schem Holzschnitt


      Seckendorf-Denkmal, König David-Konsole


      Seckendorf-Denkmal von 1490