Meldungen aus Polen

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    • @Königsbau ich sehe das ein wenig differenzierter. Ja es ist nicht dasselbe ein Straßenzug in Berlin und das Hochhaus in Warschau. Und dennoch sind beide sehr bekannt und werden auch als Sehenswürdigkeiten wahrgenommen. Bei der Architektur jedoch ist mir die Ideologie ehrlichgesagt egal, weil der ästhetische Ansatz entscheidend ist. Diese Häuser sind jedenfalls von sich aus nicht “böse“. Beim Alexanderplatz, der auch aus der roten Zeit stammt, aber aufgrund des Todes Stalins und dem Geldmangel in billiger Plattenbauweise entstand bin ich natürlich auch der Meinung, dass diese hässlichen Bauten weg müssen um den Platz um die Jahrhundertwende zu rekonstruieren. Aber beim Zuckerbäckerstil gibt es doch einen gewissen Gestaltungswillen und eine Ästhetik wie die Mosaike, Säulen, Pfeiler, Skulpturen, etc... was wirklich an künstlerischen Wert hat. Das ist der Unterschied :)
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    • Das Gebäude steht ja sowieso unter Denkmalschutz und wird sicherlich nicht abgerissen. Mich erinnert der Palast irgendwie immer an das (allerdings deutlich kleinere) Edificio España direkt neben dem Königspalast in Madrid.
      „Preste atenção, o mundo é um moinho, vai triturar teus sonhos, tão mesquinho, vai reduzir as ilusões a pó“ (Cartola)
    • Saxonia schrieb:

      Müssen muss man gar nichts. Ich würde mir nur etwas mehr Gelassenheit wünschen. Der Kulturpalast war nie ein Ort, von dem reale politische Unterdrückung ausgegangen ist. Kein Ort, an dem Verbrechen verübt worden. Er steht der Um- und Neunutzung völlig offen. So ein Bauwerk aus rein symbolischen Gründen abzureißen, erscheint mir einfach unsinnig.
      Völlig richtig. Etwas Bescheuerteres kann man sich ja kaum vorstellen.

      Letzten Endes ist Warschau heute auch eine Hochhausstadt. Damit rühmt sie sich ja. Soll die polnische Chauvinistenregierung sich lieber kümmern, nicht noch mehr Investoren aus dem Land zu verjagen, dann kann man einige Perspektiven auf den Kulturpalast ja mit neuen Hochhäusern verstellen. An sich finde ich ihn aber sehr erhaltenswert, Europa ist ja nicht gerade mit klassisch gestalteten Hochhäusern gesegnet, da ist das schon ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Skylines von Frankfurt, Paris, London und Co. Zumal, wie viele Bauwerke aus der souialistischen Zeit will man bitte symbolisch abreißen, die ästhetischen Ansprüchen standhalten und heute gut genutzt werden?

      Ohnehin fordern den Abriss des Wahrzeichens nur zwei spinnerte Regierungsabgeordnete von der Hinterbank. Das Hochhaus wurde kürzlich erst komplett saniert. Völlig unrealistisch das Ganze.

      Bildet doch ein spannungsvolles Ensemble, nur modernistische Türme wären ziemlich langweilig:


      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…_cityscape.jpg?uselang=de


      Der Bau wird sehr intensiv genutzt. Viele der Innenräume sind sehr erhaltenswert und mit hochwertigsten Materialien ausgestattet:


      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…%82ac_Kultury_i_Nauki.JPG


      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…ngress_in_Warsaw_(65).jpg


      Es wäre ein Irrsinn, sowas abzureißen. Das Teil gehört zur globalen Architekturgeschichte. Da gäbe es ganz andere Kandidaten.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • erbse schrieb:

      Ohnehin fordern den Abriss des Wahrzeichens nur zwei spinnerte Regierungsabgeordnete von der Hinterbank. Das Hochhaus wurde kürzlich erst komplett saniert. Völlig unrealistisch das Ganze.
      Der ehemalige Außenminister Sikorski, den der Deutschlandfunk zitiert, ist von der PO. Wundert mich schon sehr, dass er sich dieser Forderung anschließt. Ist ja bei der PiS auch eine der Hassfiguren überhaupt, nach Donald Tusk.
    • Der Russlandhass ist in Polen historisch eingeimpft. Die temporäre Abneigung gegenüber Deutschen hat man abseits der PiSler auch schon weitgehend abgelegt.

      @Berlin-Planungen:
      Nicht unbedingt, ist ja auf der anderen Spreeseite. Im Gegenteil hätte es womöglich die Schlossreko sogar erleichtert, weil man wohl den Schlossplatz als Vorplatz des Hochhauses freigelassen hätte. Einen Palast der Republik hätte es dort dann gar nicht gegeben. Aber alles spekulativ...

      Interessant fand ich immer den Henselmann-Entwurf für den Alexanderplatz, dieses klassizisitisch inspirierte Hochhaus hätte ich durchaus gern gebaut gesehen:


      abload.de/img/henselmannalexanderpll0kf5.jpg

      Vielleicht hat noch jemand eine größere Ansicht davon.


      Im Übrigen hätten die Letten mit dem Rigaer Äquivalent ja eher noch mehr Grund, sauer auf die Sowjets zu sein.
      Oder die Ukrainer mit ihren Kiewer Türmen. Da kommt aber niemand auf die absurde Idee eines Abrisses:

      Riga:

      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…%B8%D0%B8_-_panoramio.jpg

      Kiew:

      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…%D0%B8%D0%BA%D0%B5_25.jpg


      Zumal ich's im sonst recht gut erhaltenen Riga noch eher verstehen könnte, da ist's wirklich ein Fremdkörper. Wenn auch ein sehr interessanter, im Gegensatz zu brutalistischen Ungetümen.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • "Von wo aus hat man den besten Blick auf Warschau? Von der Aussichtsplattform des Kulturpalastes. Von hier aus muss man ihn nicht sehen."

      Das ist ein alter Witz, der das Verhältnis der Polen zu Stalins Geschenk beschreibt. Jedenfalls wurde dieser bei meiner Exkursion nach Warschau so erzählt. Der Abriss des Plastes der Republik in Berlin wurde von vielen aus dem Osten auch negativ gesehen, getätigt wurde er trotzdem. Man kann der PiS einiges zutrauen, vielleicht auch, dass sie sich in diesem Fall nicht um den Denkmalschutz kümmern. Es geht ihnen ums Prinzip.
    • In wessen Besitz ist der Warschauer Kulturpalast eigentlich? Wäre ja die Frage, ob die Regierung überhaupt darüber verfügen kann.
      Wobei, wie gesagt, zwei Hanseln der Regierungspartei noch lange keine kritische Entscheidungsmehrheit bilden...
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Einige berichtigende Anmerkungen.

      @"saudadegostosa"
      Das Edificio España steht nicht direkt neben den Königspalast. Es befindet sich aber in der näheren Umgebung. Entfernung etwa 750 Meter. Hier ein Foto von meinem Besuch im Jahr 2015.



      @"Kralle"
      Wie "Erbse" richtig bemerkt, hätte ein stalinistischer Kulturpalast die Berliner Schlossrekonstruktion nicht erschwert, da er am anderen Ufer gestanden hätte, als beim Marx-Engels-Forum. Eher hätte er die Schlossrekonstruktion erleichtert, da es nicht zum Streit um den Abriss des Palastes der Republik gekommen wäre. Allerdings wäre eine zukünftige Rekonstruktion des dortigen Altstadtareals wohl unmöglich gemacht worden.

      @"erbse"
      Der Kulturpalast in Riga steht nicht im Altstadtbereich, sondern in der Nähe der Markthallen. Insofern fand ich ihn nicht störend, eher bereichernd. Allerdings könnten sich einige Leute durch seine Dominanz für die Stadtsilhouette gestört fühlen, was in Warschau aufgrund der dortigen Hochhäuser nicht der Fall ist. Hier ein Bild von meinem Besuch in 2009.



      Ich habe gerade aus gegebenem Anlass eine Warschau-Galerie ins Leben gerufen. Ich hatte im Oktober einen kleinen Aufenthalt. Ein übrigens sehr warmer Tag, an dem ich fast nur im T-Shirt herumgelaufen bin. Welch ein Unterschied zu jetzt. ;) Der Kulturpalast in Warschau hat mich nicht gestört. Er war in diesem tristen Stadtareal der einzige architektonische Lichtblick. Wenn sich jemand an ihm als Symbol des Stalinismus stört, dann wäre ich statt des Abrisses für die Anbringung großflächiger Gedenktafeln an dessen Fassade, in denen an die Opfer des Kommunismus erinnert wird. Eigenes Foto.