Das Bahnhofsviertel

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    • Die Stadt werde darauf bestehen, daß Neubauten im Bahnhofsviertel Fassaden im historischen Stil erhielten.


      Das ist ja kaum zu glauben! :)
      Inwieweit kann/soll denn dort etwas gebaut werden?

      Das Potenzial der Gegend ist riesig, das habe ich auch gesehen, als ich vor zwei Monaten dort war.
      Allerdings gibt es bzgl. der Anreiner noch viel zu tun. Ich hatte schon ein etwas mulmiges Gefühl, als ich von der Innenstadt die Straße hoch zum Bahnhof gelaufen bin... Man sollte als Stadt schon darauf achten, dass die direkte Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt repräsentativ ist.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Tolle Nachrichten. Anderseits muss man auch sagen, dass der Anteil an wirklich hochwertiger Gründerzeitarchitektur im Bahnhofsviertel derart hoch ist, dass alles andere als sich wenigstens dem Stil annähernde Neubauten völlig deplaziert wirkt - wie einige traurige Bausünden der 50er - 70er Jahre dort beweisen.

      Das höchste der Gefühle wäre ja eine Reko des Schumanntheaters am Bahnhofsvorplatz. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich bedenke, dass der wohl größte und einer der schönsten Jugendstilbauten Frankfurts den Krieg (zumindest in der kostbaren Fassade) unbeschadet überstanden hatte, um dann für einen - in Relation absolut wertlosen - Betonklotz der 60er Jahre abgerissen zu werden. Aber wie schon gesagt, man sollte sich erstmal mit den kleinen Schritten zufriedengeben - praktisch als Appetizer auf das, was rekonstruktiv in den nächsten Jahren noch möglich sein könnte. :D
    • "Antiquitus" schrieb:

      Die Stadt werde darauf bestehen, daß Neubauten im Bahnhofsviertel Fassaden im historischen Stil erhielten.


      Das ist ja kaum zu glauben! :)
      Inwieweit kann/soll denn dort etwas gebaut werden?


      Ich denke mal, dabei geht es um den Anteil von häßlichen Nachkriegsbauten, der im ganzen Bahnhofsviertel schätzungsweise 15-20 % ausmachen dürfte (in einigen Straßen sicherlich weniger, in der Münchner Straße hingegen mehr). Wann immer eines dieser Gebäude abgerissen würde, müßte der Nachfolgebau eben historisierend sein.

      Es gibt übrigens weitere vielversprechende Projekte, mehr dazu hier.


      Doch bis das Viertel zu altem Glanz zurückfindet, ist es noch ein weiter Weg. Das Bahnhofsviertel benötige derzeit die besondere Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung, so Hausmann. Neben jährlich 500 000 Euro aus Fördermitteln des Landes habe die Stadt zehn Millionen Euro für Bauprojekte für ihr Entwicklungskonzeptdes Viertels bereitgestellt. Oberstes Ziel ist die Umwandlung früherer Gewerbeflächen in Wohnungen. „Wir fördern den Bau von 230 Wohnungen, davon 150 neue.“

      Der Schwerpunkt liegt dabei in der Münchener Straße. Ein Beispiel für den „Bauboom“ im Bahnhofsviertel ist die Münchener Straße 38, wo Eckard von Schwanenflug baut. „In den 50er Jahren hat das Gründerzeit-Haus eine Fassade aus Granit erhalten. Dahinter ist die alte, helle Sandsteinfassade noch gut erhalten. Der Granit kommt runter. Dann bauen wir die Fassade denkmalgerecht wieder auf.“ Zwölf 120 Quadratmeter große Wohnungen entstünden in dem ehemaligen Bürohaus. Im Dachgeschoss entstehe eine Dachterrasse mit kleinem Garten.


      Unter anderem naht offenbar die Rettung für die sogenannte "Schneider-Ruine" (das waren diese beiden entkernten Häuser hinter der Plane, die seit Jahren vor sich hindämmern.
    • "Antiquitus" schrieb:

      Ich hatte schon ein etwas mulmiges Gefühl, als ich von der Innenstadt die Straße hoch zum Bahnhof gelaufen bin...


      Dieses subjektive Empfinden im Bahnhofsviertel, der Visitenkarte der Stadt, trug jahrzehntelang zur negativen Imagebildung der Stadt bei. Derweil rangiert Frankfurt in der Gewaltverbrechensstatistik (Raub, Mord, Straßenkriminalität, Sexdelikte usw.) gerade mal im Mittelfeld. In Hamburg, Berlin, Bremen, Kiel und - Spitzenreiter - Köln werden prozentual viel mehr Gewalltdelikte verübt. Das geht aus einer Statistik des letzten Jahres hervor. Nur in Sachen Drogenkriminalität bleibt die Stadt top.

      Aber nun zum Thema: Sicher ist es löblich, dass im Bahnhofsviertel in Zukunft nur noch historisierende Fassaden zum Zuge kommen sollen. Es wäre aber auch schön, wenn die OBM in ihrer Euphorie gleich noch eine Reko-Empfehlung für die vielen verstümmelten Dächer gibt. Muss ja keine 1:1-Reko sein, wenn aber die primitiven Dachaufbauten auch nach einer Sanierung noch Bestand haben, wie es in jüngster Zeit oft geschehen ist, dann ist das peinlich genug.

      Hat schon jemand das neue Deutsche-Bahn-Gebäude im Viertel „bewundert“? Das gibt Aufschluss, wie transparent und kundenfreundlich das – zu einem Großteil aus Steuergeldern finanzierte – Unternehmen eigentlich ist. Die Längsseite entlang der Karlstraße ist bis zu einer bestimmten Höhe zugemauert, sind Fenster nur angedeutet zu sehen. Einblicke in die Unternehmensstruktur unerwünscht! Und die passend ausgewählte Farbe dazu: giftgrün.
    • "spacecowboy" schrieb:

      Einblicke in die Unternehmensstruktur unerwünscht!


      Hinter den vermeintlich zugemauerten Fenstern befindet sich keine geheime Kommandozentrale der Bahn, sondern ein Bunker aus der Vorkriegszeit. Dieser wurde damals zum Schutz eines wichtigen Knotens des Reichsbahn-Telefonnetzes ("BASA") gebaut. Der Telefon-Netzknoten ist heute noch in Betrieb und anscheinend weiterhin unverzichtbar. Seit Übernahme des BASA-Netzes durch Arcor ist der Bunker im Besitz dieses Unternehmens.
    • "spacecowboy" schrieb:


      Hat schon jemand das neue Deutsche-Bahn-Gebäude im Viertel „bewundert“? Das gibt Aufschluss, wie transparent und kundenfreundlich das – zu einem Großteil aus Steuergeldern finanzierte – Unternehmen eigentlich ist. Die Längsseite entlang der Karlstraße ist bis zu einer bestimmten Höhe zugemauert, sind Fenster nur angedeutet zu sehen. Einblicke in die Unternehmensstruktur unerwünscht! Und die passend ausgewählte Farbe dazu: giftgrün.


      Ich bin etwas irritiert, dass du dich in die argumentativen Niederungen der Glas-Stahl-Fetischisten begibst. Eine Glasfassade ist kein Zeichen von Offenheit; transparente Unternehmen sind durch ihre Struktur transparent, nicht durch Glasfassaden; was soll man denn auch schon sehen können, an Unbekanntem arbeitende Menschen?
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Von einer Glasfassade habe ich auch nicht gesprochen, sondern von einer fensterlosen Längsseite. Da ich - danke an Henk Frost - aber nun weiß, dass es sich in der Tat um einen Bunker handelt, macht das Ganze auch Sinn.

      Im übrigen habe ich auch nicht unbedingt was gegen Glasfassaden. Da gibt es durchaus, besonders hier in Frankfurt, gelungene Beispiele.
    • Mal 'ne gelungene Sanierung aus Frankfurt.

      Eckhaus an der Münchner Straße (Bahnhofsviertel). Auf Seite 1 ist das Gebäude noch mit 50er-Jahre-Granitplatten zu sehen.

      Zustand Juni 2007:





      Statt Granitplatten, nun welche aus Sandstein:







      Aber dieser Klimakasten...sic!



      Harmoniert gut mit dem Nachbargebäude:



      Sat-Schüssel-Balkone oder Balkon-Sat-Schüsseln?



      Un noch amal die Münchner rauf:
    • In der Tat eine gelungene Sanierung, die bei genauerer Betrachtung jedoch einige Fragen aufwirft. Hätten die neuen Steinplatten nicht analog zu den Quadern des 1. Stocks eine rauhe Oberfläche erhalten müssen? Und sind die Ornamente beiderseits der Tür Teile der Originalsubstanz oder hat man gar erstmals eine Abkehr vom "Ornament ist Verbrechen"-Dogma eingeleitet?

      In jedem Fall ist der neue Zustand aber um ein Vielfaches besser als das, was dem Gebäude vorher angetan wurde. Und vielleicht ist es auch ein erster Schritt zu einer flächendeckenden Reparatur solcher Nachkriegs"schäden". Ich bin jedenfalls gespannt, wann der erste 50er-Jahre-Bürokasten zu Gunsten eines komplett historisierenden Neubauprojekts fallen wird! :D
    • Als Nahziel ist meines Erachtens die Wiederherstellung der Dachlandschaften auf den erhaltenen Gründerzeitbauten des Bahnhofsplatzes (also die Kuppeln) unerläßlich. Hier könnte dadurch erst wieder ein würdevolles Entree in die Stadt entstehen.

      Fernziel sollte die (zumindest teilweise) Komplettierung des Platzes durch eine Rekonstruktion des Schumann-Theaters sein, eventuell als Event-Lokalität oder ähnliches. Niemand dürfte dabei gegen den Abriss des derzeitigen langweiligen Büroklotzes inhaltliche Einwände haben.
    • Hätten die neuen Steinplatten nicht analog zu den Quadern des 1. Stocks eine rauhe Oberfläche erhalten müssen?

      Es war wohl eine Kostenfrage, warum glatte, Eddingstift-freundliche Sandsteinplatten verwendet wurden. Aber richtig, sie wollen nicht so recht zum Gebäude passen.

      Und vielleicht ist es auch ein erster Schritt zu einer flächendeckenden Reparatur solcher Nachkriegs"schäden".

      Nein, das glaube ich in Frankfurt nicht, solange es sich um Wohngebäude handelt.

      Als Nahziel ist meines Erachtens die Wiederherstellung der Dachlandschaften auf den erhaltenen Gründerzeitbauten des Bahnhofsplatzes (also die Kuppeln) unerläßlich.


      Zustimmung.
    • Bahnhofsplatz und Kaiserstraße sind der "Eingang" zur Innenstadt. Wenn der Reisende aus dem Bahnhof heraus tritt sollte ih nicht der Schlag treffen sondern sein erster Eindruck von Frankfurt sollte der Bestmögliche sein. Ausdiesem Grund sollte dort zumindest auf modernistische Experimente verzichtet und Bausünden der letzten Jahrzehnte beseitigt werden. Auch muss darüber nachgedacht werden die Kaiserstraße für den Durchgangsverkehr zu öffnen und weiterhin aufzuwerten. Dazu müsste natürlich die Sex-Industrie dort verschwinden. Nichtsdestotrotz gibt es in der Kaiserstraße einige sehr gute Geschäfte.
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Bahnhofsviertel wird weiter aufgewertet

      Von dem 1897 im Stil des Historismus erbauten Haus in der Kaiserstraße 75-77 steht nur noch die zu restaurierende alte Fassade zur Straßenfront. Dahinter wird seit Dezember bereits ein kompletter Neubau hochgezogen. Bis zum zweiten Stock reicht der Betonrohbau des künftigen Geschäftshauses in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Das 21 Millionen Euro teure Projekt wird von der Baufirma Züblin Development GmbH vorangetrieben. Nach 15 Jahren Leerstand erwarb das Unternehmen die Immobilie aus der Konkursmasse des ehemaligen Baulöwen Jürgen Schneider.


      Es handelt sich dabei um das auf diesem Bild verhüllte Gebäude:




      Zwei Drittel des Hauses, das Anfang 2008 fertig sein soll, sind schon vermietet. Im Parterre zieht ein Starbucks-Café ein. Hauptmieter jedoch wird die DeniceG mit 3000 Quadratmeter vom ersten bis zum vierten Geschoss. Diese Firma ist die Registrierungsstelle und der Betreiber aller Internet-Adressen mit der Endung ".de".


      Wohnungen wären besser, und Starbucks ist auch nicht gerade originell, aber Hauptsache kein Schweinkram-Gewerbe, und die Ruine steht bald wieder. 8)
    • Im DAF habe ich mal gelesen, dass es auf der Kaiserstraße ein Eckhaus gibt welches derzeit noch mit "Platten" verkleidet ist. Darunter schlummert wohl eine Gründerzeitfassade die nun wieder an's Tageslicht geholt wird. Schönes lässt sich nun mal besser vermarkten.
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Ich hoffe, ich bin hier im Thread richtig:

      Gab oder gibt es Bemühungen (vielleicht eine Bürgerinitiative), das Schumanntheater zu rekonstruieren? Es ist meines Erachtens eines der wichtigsten Gebäude Frankfurts, das unbedingt wieder aufgebaut werden müsste (zusammen mit dem Schauspielhaus, aber das wird wohl zu meinen Lebzeiten nichts mehr). Auch das jetzige Gebäude würde wohl kaum jemand vermissen.

      Für den Fall, dass es noch keine Bürgerinitiative gibt, wäre es nicht vielleicht lohnend, eine solche zu gründen?
    • @ Tobias
      Eine solche Initiative existiert bislang nicht. Nun ist auch derzeit in Frankfurt das Dom-Römer-Areal und das Historische Museum sehr aktuell. Und man sollte sich deshalb momentan nicht zu sehr verzetteln. Dennoch ist das Schumanntheater, wie übrigens zudem die Rekonstruktion der Dachlandschaft des Bahnhofsplatzes, ein mittelfristiges Ziel, für das sich auch sicher viele Bürger begeistern werden können.
    • "Tobias" schrieb:

      Ich hoffe, ich bin hier im Thread richtig:

      Gab oder gibt es Bemühungen (vielleicht eine Bürgerinitiative), das Schumanntheater zu rekonstruieren? Es ist meines Erachtens eines der wichtigsten Gebäude Frankfurts, das unbedingt wieder aufgebaut werden müsste (zusammen mit dem Schauspielhaus, aber das wird wohl zu meinen Lebzeiten nichts mehr). Auch das jetzige Gebäude würde wohl kaum jemand vermissen.

      Für den Fall, dass es noch keine Bürgerinitiative gibt, wäre es nicht vielleicht lohnend, eine solche zu gründen?

      In der Tat, wie ich schon an anderer Stelle sagte, gehörte die mutwillige Zerstörung der Reste des Schumanntheaters und des Schauspielhauses in den sechziger Jahren zu den größten Bauverbrechen in Frankfurt. Die Chancen einer rekonstruktiven Wiedererrichtung halte ich jedoch für leider sehr unrealistisch. Da fehlt leider eine publikumswirksame Story, wie z.B. beim Aufbau der Altstadt mit dem Krönungsweg. Im Moment sehe ich weit und breit keinen Investor, der sich dem Schumanntheater annehmen würde.
      Hier noch einmal Hintergrundinfos zu Schumanntheater und Schauspielhaus in Frankfurt/M..
      http://www.aufbau-ffm.de/serie/Teil29-30/teil29.html\r
      www.aufbau-ffm.de/serie/Teil29-30/teil29.html
      Stadtbild Deutschland e.V. - OV Frankfurt am Main: facebook.com/stadtbildfrankfurt/