Wesel - Rekonstruktion des Rathauses

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • "Treverer" schrieb:


      Schade , was man aus Wesel gemacht hat...


      Guck dir Nachkriegsfotos der Stadt an und du bist froh, dass man sie überhaupt noch wiederaufgebaut hat. Erinner mich an eine etwas ältere GEO-Ausgabe wo ein Artikel über den Bombenkrieg berichtete. Dort war ein Foto zu sehen, es sah etwa aus wie ein riesiger Acker mit verinzelten Hausruinen. Die Unterschrift hieß aber "Wesels Innenstadt nach den Luftangriffen" oder ähnlich. Wesel wurde - wie auch Emden - zu über 90% zerstört...
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Offenbar geht es nach Monaten und Jahren des empfundenen Stillstandes jetzt um so schneller los.

      Auf der grunderneuerten Homepage sind einige interessante Informationen zu finden:

      - so wurde bereits eine Bürgerstiftung gegründet, welche als Bauherr fungiert

      - die Finanzierung ist mehr oder weniger geklärt (die Banken finanzieren die Arbeiten bis zur vollständigen Spendenfinanzierung zwischen)

      - ab 2006: Vorarbeiten (Architektenvorarbeit, Werkstatteinrichtung, Einkauf und Bearbeitung von Natursteinen) sowie Vorarbeiten am bestehenden Haus (Anpassung der Fenstergrößen und des Daches an die künftige Reko)

      - Grundsteinlegung 2007, anschließend Beginn der Herstellung der Steine

      - 2008 - 2009: Herstellung der Reko

      Genaueres ist unter historisches-rathaus-wesel.de/Stiftung.html zu finden.

      Zu kritisieren ist aber, dass wohl nur ein Teil der Innenräume angepasst wird, um Geld zu sparen. Weiterhin macht mir dieser Satz sorgen: "Die Schmucksteine der Fassade werden im Winter 2007/8 hergestellt werden - zum Teil gegossen."
      Heißt das, dass ein Teil des Fassadenschmuckes aus Beton entsteht? Oder ist damit Gips gemeint?


      Insgesamt finde ich aber die plötzlichen Fortschritte sehr erfreulich.
    • Grundsteinlegung.

      Am 28. Oktober um 11:30 Uhr ist in Wesel die Grundsteinlegung für die Rekonstruktion der Rathausfassade.

      historisches-rathaus-wesel.de

      Leider muß ich an diesem Wochenende arbeiten und kann daher nicht selber in Wesel sein. :(
      Gibt es denn jemanden hier im APH, der zufällig nach Wesel fährt und einige Fotos von dem Ereignis macht?
    • "Booni" schrieb:

      "Treverer" schrieb:


      Schade , was man aus Wesel gemacht hat...


      Guck dir Nachkriegsfotos der Stadt an und du bist froh, dass man sie überhaupt noch wiederaufgebaut hat. Erinner mich an eine etwas ältere GEO-Ausgabe wo ein Artikel über den Bombenkrieg berichtete. Dort war ein Foto zu sehen, es sah etwa aus wie ein riesiger Acker mit verinzelten Hausruinen. Die Unterschrift hieß aber "Wesels Innenstadt nach den Luftangriffen" oder ähnlich. Wesel wurde - wie auch Emden - zu über 90% zerstört...


      Wesel wurde in mehreren Angriffswellen unmittelbar vor der Rheinüberquerung der Aliierten nach meinen Infos zu 97% (!!!) zerstört. Die kleinen, alten Häuser der Stadt (darunter auch das Rathaus) boten dem Feuer und den Sprengbomben kaum Widerstand. Schließlich ragte nicht viel mehr als ein Rest des Willibrordi-Dom in den Himmel, aber bis zur Unkenntlichkeit geschädigt.

      de.wikipedia.org/wiki/Bild:Wesel_1945.jpg

      Der Marktplatz mit Rathaus lag hinter dem Chor des Willibrordi-Doms, den man auf dem Bild ganz gut erkennt.

      Mein Eindruck des heutigen Wesels (ich war allerdings nur sehr kurz dort...): Die Altstadt wurde unter Berücksichtigung der historischen Straßenzüge und wesentlicher Leitbauten (Zitadelle, Dom, Berliner Tor) wiederaufgebaut. Die Straßenzüge wurden dabei konsequent erheblich aufgeweitet und erhielten teilweise den Charakter einer Gartenstadt. Durch die Verwendung einheitlicher, im wesentlichen bodenständiger Materialien (Ziegelstein, Putz...), Einzelhäuser und Spitzdächer hat Wesel ein neues, kleinstädtisches Gespräge erhalten, das noch heute die Einheitlichkeit seiner Entstehungszeit wiederspiegelt.
      Jedenfalls schuf man ein neues Wesel, das durchaus Qualitäten hat. Diese können durch die Rathaus-Reko sicher gestärkt werden. Ich bin gespannt.
    • Wesel rekonstruiert Rathausfassade
      In Wesel wurde gestern der Grundstein für die Rekonstruktion der historischen Rathausfassade gelegt. Das spätgotisch-flämische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und soll für 2,7 Millionen Euro rekonstruiert werden. Für das dreijährige Bauprojekt haben die Weseler Bürger über 900.000 Euro gespendet.

      Das Land NRW ist mit rund 950.000 Euro an der Bausumme beteiligt, 15 Prozent kommen von der Stadt Wesel.

      Quelle: wdr.de/studio/duisburg/nachrichten/#TP1631596


      Der Grundstein, den der Weseler Steinmetz Baumann stiftet, wird bis zum Baubeginn in den Räumen des Verkehrsvereins untergebracht. Denn ist die Bewilligung da, steht erst der Architektenwettbewerb an. Anhand von Fotos muss der Fachmann die Pläne erarbeiten, denn anderes Material ist über das spätgotische Rathaus nicht mehr vorhanden. 2009 könnte mit dem Bau begonnen werden, 2010 soll alles fertig sein.

      Quelle: derwesten.de/nachrichten/staed…/news-1126246/detail.html

      War eigentlich jemand dort? Die Rede Wittkes muss ja gut gewesen sein

      "Rekonstruktionen - ein Beitrag zur Stadtidentität" ist der Titel des Festvortrags, den Landesbauminister Oliver Wittke am Sonntag, 28. Oktober, zur Grundsteinlegung der historischen Rathausfassade am Großen Markt halten wird.

      Quelle: derwesten.de/nachrichten/staed…3/news-462239/detail.html

      Und dieses Vorhaben klingt sehr interessant, könnte nach Hildesheim, Dresden und Frankfurt ein neues Großprojekt werden:

      Aufbruch am Großen Markt. Mit der Grundsteinlegung für die historische Rathausfassade am kommenden Sonntag könnte das Startsignal zu weiteren tiefgreifenden Veränderungen gegeben werden. Denn nicht nur die Trappzeile soll ein neues Gesicht bekommen, sondern auch die gegenüberliegende Häuserfront zwischen der Löwen-Apotheke und dem dort ansässigen Gynäkologen.

      Die Pläne, die von der Bürgerinitiative Historisches Rathaus Wesel, der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Domviertel und dem Architekturbüro Otfried Jaeger entwickelt wurden, kursieren bereits seit ein paar Tagen - als Vision, ohne Detail- und Finanzplanung. Nach den Eigentümern wurden zunächst die im Rat vertretenen Fraktionen und der städtische Verwaltungsvorstand informiert. Gestern Abend kamen die Initiative und die ISG zusammen. [...]
      Das sieht auch Architekt Jaeger so, der die Pläne unter anderem per 15-minütigem Film präsentierte und diese Arbeit als ehrenamtliches Engagement für die Entwicklung der Stadt begreift. Wesentlich sei, dass der Große Markt eine "Aufenthaltsqualität" bekomme, "dass man dort gerne sitzt und die Umgebung als angenehm wahrnimmt".

      Noch ist zwar keine Entscheidung gefallen, aber die Politik reagierte äußerst positiv auf die Vorstellung. Grundvoraussetzung für eine Umsetzung der reizvollen Pläne ist, dass alle Eigentümer mitziehen. Denn der Einsatz von öffentlichen Mitteln ist nicht vorgesehen. Die Stadt müsste lediglich eine Gestaltungssatzung erlassen. Einige Hausbesitzer sollen der Sache sehr wohlwollend gegenüberstehen, heißt es.

      Quelle: derwesten.de/nachrichten/staed…/news-1099818/detail.html
    • Als Grundlage der Planung dient ein Stich aus dem 19. Jahrhundert, der zeigt, wie die Fassade gegenüber der Trappzeile einst ausgesehen hat. So soll sie demnächst möglicherweise wieder entstehen.


      Kann man diesem Satz entnehmen, dass die fassaden wirklich rekonstruiert werden sollen ? Oder werden die heutigen lediglich verbessert ? Fast jede veraenderung waere da schon eine Verbesserung.

      Der Blick auf die vorliegenden alten Stiche offenbart, wie schön der Große Markt einst war. Die Giebel und die Häuserfronten sind unterschiedlich gestaltet - mal mit, mal ohne Balkon -, und auch die Fassadenfarbe variiert.


      Ich sehe da nur Haeuser ohne Balkon. Balkone waren fuer diese Buergerhaeuser gar nicht typisch. Leider laesst dieser Satz vermuten, dass sie im Plan fuer die Neugestaltung vorgesehen sind.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Wahrscheinlich ist der Balkon in dem roten Kreis zu sehen.


      Stimmt ja, aber ich vermute-und fürchte-, dass die Balkone im Text sich auf die Neugestaltung der Neubauten beziehen.

      Hört sich gut an, leider soll an der Ostseite ein Glassfassade entstehen


      Je eine Glasfassade mit gotischen Bögen, steht im Text. Das muss ein ganz merkwürdiges Ding werden :?:
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Traum aus Steinen



      Hunderte Menschen verfolgten die Zeremonie zur Grundsteinlegung für die historische Rathausfassade.

      WESEL. Passend zum freudigen Ereignis rissen an diesem Wochenende erstmals die Wolken auf, und die Sonne ließ sich sehen. Sie blickte in strahlende Gesichter auf dem Großen Markt, denn für viele wurde gestern Vormittag mit der Grundsteinlegung für die historische Rathausfassade ein „Traum aus Steinen” wahr. Mit diesen Worten ist auch die handgeschriebene Urkunde aus Lammhaut versehen, die zusammen mit weiteren Zeitzeugnissen – darunter auch die aktuelle – in einer Kupferhülse verschwand. Die wiederum wurde in den 450 Kilo schweren Grundstein aus Udelfanger Sandstein gesteckt, der während der Bauarbeiten ab 2009 in der Markttreppe seinen endgültigen Standort finden soll. Trotz der eher kühlen Temperaturen herrschte eine warme Atmosphäre neben dem Willibrordi-Dom. Das lag zum Beispiel auch daran, dass die Bürgerinitiative Historisches Rathaus noch in der Nacht eine weitere Spende verbuchen konnte. 934 500 Euro sind damit erreicht, bereits 14 500 Euro mehr als noch Mitte vergangener Woche (...) Wittke stellte auch die Frage, die schon einige stellten: Wäre das Geld nicht anderswo besser aufgehoben? Etwa in der Kinderbetreuung oder zur Beseitigung von Verkehrsproblemen? All dies sei ganz klar wichtig, allerdings halte er es auch für richtig, wenn Bürger den Stolz auf ihre Stadt in Bauwerken zum Ausdruck brächten. Am Ende hatte Wittke eine ganz andere Rede gehalten, als die, die nun im Grundstein steckt. Was soll's? Unseren Nachkommen wird es nicht auffallen. Das gilt auch für die Tatsache, dass vor dem Haus mit der Nummer 9 nur die Fassade entsteht. Schließlich habe es sich bei dem 1455 erbauten Rathaus um ein großes langes, aber auch schmales Gebäude gehandelt, das heute weit über die Pastor-Bölitz-Straße hinausragen würde. (...) Bürgermeisterin Ulrike Westkamp erinnerte an die im Krieg zu 97 Prozent zerstörte Stadt und daran, dass das städtische Gesicht Wesels auch heute noch viele Narben trage (...). Auch die Partnerstädte Salzwedel, Felixstowe und Ketrzyn finden die Idee von der Rathausfassade gut. Deshalb stiften sie ebenfalls einen Stein für den alten Traum aus neuen Steinen.


      Quelle: derwesten.de/nachrichten/staed…/news-1420182/detail.html

      Bei maps.live.com/default.aspx?v=2…&scene=11773254&encType=1 sieht man die Nordseite des Marktes, die ja offenbar rekonstruiert werden soll (bis auf das Schöne Giebelhaus). Ganz rechts der Bau, der eine Glassfassade bekommen soll.
    • Warum will man sich bei der Rekonstruktion der Marktplatznordseite nur auf diesen Stich berufen? Gibt's da keine Vorkriegsfotos, die das ganze etwas detaillierter zeigen? Oder existierten die Häuser schon vor den Kriegszerstörungen nicht mehr (in dem Falle wäre ich allerdings skeptisch, was den Realitätsgehalt solcher Rekonstruktionen anginge)?
    • Hier mal einige der wenigen Bilder, die ich bei Bildindex gefunden habe:








      Quelle: Bildindex

      Mehr gibt es leider nicht!

      ____
      @ Maxileen:
      Man sieht, dass die Häuser noch existierten. Ich bin mir sicher, dass es noch private Photos oder Skizzen gibt, die die Häuserfront zeigen. Bei Bildindex sind aber leider keine Fotos der Nordseite zu finden, einzig zwei Häuser sind auf dem letzten Bild ganz rechts zu erkennen.
    • Den Glaskasten als Alibi zu bezeichnen, wäre peinlich. Ihn aus anderen Gründen dorthin zu bauen ist okay - wenn alles so kommt wie auf den Bildern wäre das großartig - und ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)