Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • Ulrichs Stellungnahme klingt aber ziemlich halbseiden, ich lese da zwischen den Zeilen heraus dass er das aktuelle Pellerhaus für entbehrlich hält. Denn: Er begründet den Wert des Pellerhauses zunächst nach dessen "Schönheit", eine Begrifflichkeit, die in der Fachwelt aus Kunsthistorikern ja verpönt-umstritten ist. Die Bedeutung eines Denkmals soll ja gerade nicht allein aus seiner Schönheit herrühren. Dann wird diese "Schönheit" aus dem direkten Vergleich mit heutigen Banalbauten hergeleitet - das ist aber anerkanntermaßen ja auch keineswegs die Messlatte, an der die Adresse Pellerhaus gemessen wird.
      Zuletzt natürlich der Kardinalfehler: Die Würdigung des angeblich tollen Inneren des Pellerhauses. Das Gewürdigte befindet sich allerdings im Imhoffschen Haus, das Pellerhaus ist in der Tat im Innern komplett frei von irgendwelcher Attraktivität. Und zuletzt wird der argumentative Ausweg zum Abriss + Reko geboten, in dem gesagt wird man könne darüber reden, wenn das Haus kaputt und kaum reparabel sei. Doch genau das ist ja der Fall, allein die Sanierung des Imhoffschen Hauses wird herausfordernd. Aber für die niedrigen Lagerhausetagen hinter der Pellerhausfassade hat noch niemand eine sinnvolle Funktion gefunden. Hier müssten wohl ganze Zimmerdecken herausgebrochen werden, um aktuelle Anforderungen an eine Büro- oder Veranstaltungsnutzung zu erfüllen.

      Ich mag mich irren, aber ich lese da heraus, dass ihm am Nachkriegspellerhaus nicht viel liegt. Anders als der törichte Denkmalschützer Bernd Vollmar, der sich im November 2016 hinreißen ließ das alte Pellerhaus aus der Architekturliteratur wegzudiskutieren und damit eklatante kunsthistorische Wissenslücken zeigte.

      Was leider gut geklappt hat waren die Nebelkerzen der Rekonstruktionsgegner zu Beginn der öffentlichen Diskussion, die das Augenmerk durch Diskussionen und Begehungen immer wieder auf das Imhoffsche Haus abgelenkt haben, um das es aber gar nicht geht: Die Treppe, der Bibliothekssaal, die beschworene Filigranität und Transparenz, das alles ist im Imhoffschen Haus verortet, und das sollte nicht zur Disposition stehen. Im Pellerhaus bspw. gibt es gar kein Treppenhaus außer dem historischen Treppenhausturm im Hof aus dem 16. Jahrhundert, und der ist nicht an das Lagerpellerhaus angeschlossen. Was also soll am heutigen Pellerhaus das "gelungene" wasauchimmer sein? Hier hat man alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann.
    • Königsbau schrieb:

      An dem Gebäude ist rein gar nichts "überdurchschnittlich", lasst euch diesen Unsinn doch nicht auch noch einreden.
      Das Ding hat die Ausdruckskraft einer örtlichen Kreissparkasse. Das einzig bemerkenswerte ist der historische Sockel.
      Genau! Richtig überdurchschnittlich kann man sowas nicht nennen. An und für sich ist der Bau etwas weniger schlecht als Vieles was später entstanden ist (das neue frankfurter Salzhaus und das neue Emdener Rathaus finde ich da aber schon etwas besser, obwohl ich auch diese Bauten grottenschlecht finde), aber das kann hier ja bekanntlich nicht den Grund für die Unterschutzstellung sein. Nein, es ist eher so: verbohrte Ideologen haben hier damals schon bewusst versucht die Reste des angeblich "historisch belasteten" Pellerhauses auf ewig zu verschandeln. Nur deshalb steht den Schrott unter "Denkmalschutz". Oder doch eher unter "Mahnmalschutz"? Der Bau wird ja weit, weit besser geschützt als viele richtig wertvolle Altbauten, darunter sogar Highlights wie das bis vor kurzem älteste Haus Bayerns! :wuetenspringen:
    • Das Pellerhaus ist ein Beispiel von vielen. Die Architekten kämpfen um das Vermächtnis ihrer Zunft, die Nachkriegsmoderne. Dabei geht es nicht um architektonische Qualität sondern um die gebaute Manifestation ihrer Ideologie. Und sie bekommen dabei Schützenhilfe von Politik und Denkmalämtern, wenn schon das "gemeine Volk" sich nicht begeistern lässt.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Königsbau ()

    • Der Mayerbau ist durchaus überdurchschnittlich, da gebe ich Bostonian recht... für die 50er Jahre zumindest. Gegen den Renaissance-Bau kommt es aber nicht im geringsten an. Das Pellerhaus ist das Johanneum des Egidienplatzes welches, genau wie die Frauenkirche für den Neumarkt, Zündfunke für die Entwicklung des Platzes sein würde. Die derzeitige Bebauung zieht den Platz in eine unwürdige Bedeutungslosigkeit.
      Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.
    • Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

      files.crsend.com/25000/25568/i…Ost_Enderle_Zuschnitt.jpg

      von neugierigen Besuchern des Pellerhauses sehnsüchtig erwartet, bewegt
      sich seit Montag wieder was auf der Baustelle: Die Firma GS SCHENK
      lieferte eine neue Charge Formsteine für den Schaugiebel an. Darunter
      sind mit den beiden Fruchtgirlanden die bisher
      aufwändigsten und teuersten Steine, jeweils 1,56 m breit und ca. 600 kg
      schwer! Das schon in der Antike entstandene Motiv aufgefädelter und
      hängender Früchte oder Blumen war besonders um 1600 sehr beliebt und
      taucht u. a. bei Jan Brueghel d. Ä. oder Peter Paul Rubens auf, bei uns
      in Nürnberg auch auf dem Ochsenportal an der Fleischbrücke.

      Wenn Sie die mittlerweile schon eingebauten Prunksteine aus der Nähe betrachten möchten, empfehle ich Ihnen die Führung diesen Samstag um 15 Uhr.
      Wie jeden Samstag zeigen wir Interessierten das Pellerhaus kostenlos
      und ohne Anmeldung. Unser neu formiertes Pellerhaus-Team öffnet Haus und
      Hof neuerdings jedes Wochenende am Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen ist der kühle Hof ein angenehmer Ort.
    • Ich habe vor etwa zwei Wochen einen Abstecher nach Nürnberg gemacht und konnte dort den Innenhof des Pellerhauses besichtigen (die Altstadtfreunde bieten immer wieder Besichtigungstermine an).

      Hier die Fotos vom Pellerhaus sowie einige Fotos vom eher trostlosen Umfeld:

      stadtbild-deutschland.org/foru…php?album/851-pellerhaus/
      „Preste atenção, o mundo é um moinho, vai triturar teus sonhos, tão mesquinho, vai reduzir as ilusões a pó“ (Cartola)
    • Ich muss sagen, dass man auf den Bildern zunächst erst mal eines sieht, nämlich dass das Pellerhaus in gänze wiederaufgebaut werden muss. Jetzt, wo mit dem Giebel die ganze Pracht des Innenhofs offenkundig wird, schmerzt das Fehlen der 4 Seite noch eklatanter. Eigentlich müsste so langsam dem größten Gegner der Reko dämmern, dass das so nicht bleiben kann.
      Und wenn das Pellerhaus erst mal stehen würde, bin ich mir sicher, würde man auch über das Umfeld neu nachdenken. Das linke Nachbargrundstück ist ja sogar noch frei, also Potential wäre da. Und ich bin mir sicher, dass wenn der Wille da wäre, es auch eine Möglichkeit der Finanzierung geben würde. Auch wenn es ein prächtiges Bürgerhaus war, aber es war nur ein Haus, keine Kirche oder Schloss. Und wenn Frankfurt es hin bekommt, 15 solcher Bürgerhäuser wiederaufzubauen, wird es die reiche Frankenmetropole ja wohl schaffen, ein halbes Haus zu rekonstruieren, denn Hof und Erdgeschoss stehen ja bereits.
      APH - am Puls der Zeit
    • Die Finanzierung ist beim Pellerhaus nicht das Problem. Wenn es nicht anders geht, finanzieren die Altstadtfreunde die Fassade eben wieder komplett aus Spendengeldern - ohne jede öffentliche Unterstützung.

      Das Hauptproblem ist vielmehr, dass eine Einheitsfront aus Politik, Stadtverwaltung, Denkmalschutz und Architekten-Lobby jegliche Rekovorhaben in Nürnberg blockiert. Dabei schrecken einzige Vertreter dieser Phalanx auch nicht vor offensichtlichen Falschaussagen zurück ("Das Vorkriegs-Pellerhaus war kulturhistorisch nicht bedeutend und schon bei seiner Fertigstellung veraltet. " etc.).
    • Natürlich müßte das Pellerhaus komplett wiederkommen, die unmittelbar angrenzende Bebauung ist nicht nur häßlich, sondern auch unfaßbar primitiv ausgeführt, man kann ja vom Innenhof teilweise in die Büros und Räume über Fenster hineinschauen.

      Wissen.de schrieb:

      Und wenn das Pellerhaus erst mal stehen würde, bin ich mir sicher, würde man auch über das Umfeld neu nachdenken
      Ich glaube, da ist nichts zu machen, in weitem Umkreis würde ich den Anteil der historischen Bebauung auf unter 5 % schätzen, da stehen meist irgendwie von Form und Dachgestaltung halbwegs angepaßte Nachkriegsbauten.
      „Preste atenção, o mundo é um moinho, vai triturar teus sonhos, tão mesquinho, vai reduzir as ilusões a pó“ (Cartola)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von saudadegostosa ()

    • Nürnberger Nachrichten (NN) hat sich in Ihrer Ausgabe vom 20.10.2017 mit dem Pellerhaus und deren zukünftige Nutzung beschäftigt. Vonseiten der Stadtverwaltung sind die Würfel jetzt gefallen – man hat sich entschieden den Jugendtreff im Herrenschießhauses unterzubringen.

      nordbayern.de/region/nuernberg…ergs-pellerhaus-1.6772367
    • Aus dem aktuellen Newsletter der Altstadtfreunde:

      Altstadtfreunde - Karl-Heinz Enderle schrieb:

      Über ein Jahr hat uns das für das Pellerhaus vorgesehene Kinder- und Jugendhaus beschäftigt. Zweimal wurde der praktisch schon feststehende Beschluss kurzfristig von der Tagesordnung des Stadtrats genommen, die in der Altstadt benötigte Einrichtung am Egidienberg unterzubringen. Nun ist es doch anders gekommen. In seiner Sitzung vom 25. Oktober beschloss der Stadtrat den neuen Standort im Herrenschießhaus, wie von uns auch vorgeschlagen. Monatelang hieß es, das Pellerhaus sei alternativlos und es könne kein anderer Ort für die Jugendeinrichtung gefunden werden. Jetzt ist die Einsicht gewachsen, dass sich die Untere Talgasse viel besser eignet, weil dort im Graben ein Grünbereich vorhanden ist und weil zudem ein zweizügiger Hort untergebracht werden kann.

      Soweit die gute Nachricht. Ob wir allerdings mit dem zweiten Teil des Beschlusses zufrieden sein können? Der besagt nämlich, dass nun im Pellerhaus ein „Haus des Spielens für alle Generationen“ eingerichtet werden soll. Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung, dafür ein Konzept zu entwickeln. Vorher muss das Haus für geschätzte 24 Millionen Euro (!) saniert werden. Damit unterzeichnete der Stadtrat hinsichtlich der künftigen Nutzung des Pellerhaus-Komplexes einen Blankoscheck, weil niemand weiß, was des „Haus des Spielens“ beinhalten wird. Eine Vorahnung konnte man gewinnen, als eine Stadträtin ihrer Hoffnung Ausdruck gab, das Haus werde „Kinder, Jugendliche und Familien anlocken“. Also ein zusätzliches „Jugendhaus light“? Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

    • Eine Sanierung für 24 Millionen Euro (was wohl das Minimum der Ausgabe sein dürfte) wäre natürlich der Tod für eine Pellerhaus-Rekonstruktion. Es wäre ein ähnlich irrsinniges Projekt wie in Frankfurt die aufwändige Erhaltung des Bundesrechnungshofes, die Unsummen von Geld verschlungen hat. Es wäre an der Zeit, eine Gegenrechnung aufzumachen, sofern noch nicht geschehen. Wieviel würde ein Abriss und eine Rekonstruktion der Pellerhaus-Fassade kosten? Man könnte auch in einem solchen Gebäude, teils refinanziert durch eine Rekonstruktion und Vermarktung des westlich angrenzenden Wohnhauses, einen Bereich zum "Haus des Spielens" machen.