Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • Nochmal zum Imhoffhaus:

      Interessanterweise kann man beim Imhoffhaus eigentlich gar nicht von der historischen Fassade reden, denn das Haus (eigentlich ein Doppelhaus mit zwei Höfen) wurde in seiner Geschichte mehrfach stark umgestaltet. Die ursprüngliche Fassade aus dem 16. Jahrhundert ist auf diesem Kupferstich von 1682 zu sehen (Bildunterschrift ist falsch):

      Ansicht des Egidienplatzes von 1682

      1797 wurde dann die urspüngliche Fassade durch eine klassizistische ersetzt:

      Egidienplatz (Stich um 1822)

      Diese wurde 1828 erneut durch Karl Alexander Heideloff verändert, der sie mit neugotischen Zierelementen auflockerte. Seine Fassung hatte bis 1938 Bestand, als die NS-Bauverwaltung im Zuge der sog. "Altstadtentschandelung" die Verzierungen wieder entfernte. Außerdem verschwand das vierachsige Zwerchhaus in der Mitte des Hauses. In den Nürnberger Erinnerungen, Band 14 finden sich zwei Farbbilder, die diese letzte Veränderung vor der Zerstörung gut illustrieren.

      Ansonsten gilt für das Imhoffhaus dasselbe wie für die übrigen Bürgerhäuser in Nürnberg. Nicht allein die Fassade macht den Reiz des Gebäudes aus, sondern auch die reich geschmückten Innenhöfe.. Beim Imhoffhaus besaßen die beiden Höfe besonders schöne hölzerne Maßwerkgalerien.

      Abbildung des Innenhofs (dort auch die selten gezeigte Ostseite des Gebäudes an der heutigen Mummenhoffstraße).

      PS: Gibts in diesem Forum einen Thread, wo sich neue Mitglieder vorstellen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Mendelbruder ()

    • Mendelbruder schrieb:

      Diese hatte aber nicht lange Bestand, da 1828 Karl Alexander Heideloff die Fassade durch die neugotische Schöpfung ersetzte, die bis 1945 Bestand hatte und auch auf den erhaltenen Photographien überliefert ist.
      Von welchem Gebäude ist jetzt die Rede? Von der Egidienkirche oder von dem Gebäude neben dem Pellerhaus? Und wann waren diese Bauten je neugotisch?

      Hier ein Foto von 1907. Ich sehe da zumindest nichts neugotisches:

      img4.fotos-hochladen.net/uploa…dschirmfotocvs9pxz1km.png
    • Heimdall schrieb:

      Mendelbruder schrieb:

      Diese hatte aber nicht lange Bestand, da 1828 Karl Alexander Heideloff die Fassade durch die neugotische Schöpfung ersetzte, die bis 1945 Bestand hatte und auch auf den erhaltenen Photographien überliefert ist.
      Von welchem Gebäude ist jetzt die Rede? Von der Egidienkirche oder von dem Gebäude neben dem Pellerhaus? Und wann waren diese Bauten je neugotisch?

      Hier ein Foto von 1907. Ich sehe da zumindest nichts neugotisches:

      img4.fotos-hochladen.net/uploa…dschirmfotocvs9pxz1km.png
      Vom Imhoffhaus (neben dem Pellerhaus).

      Was die neogootischen Elemente betrifft, beschränkten sich diese wohl nur auf ein einige Zierelemente, die man auf detaillierteren Aufnahmen des Gebäudes erkennt (z.B. oberhalb der Portale). Ich hab den oberen Post dementsprechend noch etwas editiert.
    • Niederländer schrieb:

      Eine Reko des Vorgängerbaus lohnt sich hier mE. aber gar nicht. Die 3 westlich anschließenden Bauten waren/sind so viel wichtiger! Und gerade die könnten wir in einigen Jahren alle wiederhaben!
      Man kann natürlich nicht alles rekonstruieren. Man muss zuerst die wichtigsten Projekte auswählen. Für mich wäre in Nürnberg nach dem Pellerhaus wohl das Toplerhaus dran. Es war urtypisch Nuernbergerisch, und auch als Eckhaus Stadtbildbestimmend.
    • Hallo, anbei zwei Bildmontagen, die die Pellerhaus-Fassade (Stand 1605 und 1944) mit den beiden Vorkriegsbauten links u. rechts nun farbig zeigen (Schwarzes Pellerhaus und Imhoff-Bau). Die Proportionen sind wohl stimmig. Bei den Fassadenfarben links u. rechts soll die Optik einer nackten Sandsteinwand gezeigt werden. Wie zuletzt auch 1944.
      Die beide Nebenbauten müssten sich architektionisch (und von den Farben) wohl zurückhalten, damit das Pellerhaus im Zentrum bleibt - und der Blick nicht abgelenkt wird.
      Schön, dass nach dem ruhigen Frühjahr wieder Leben in die Pellerhaus-Fassaden-Diskussion gekommen ist.
      Dass der jetzige Imhoff-Bau abgerisssen wird, ist wohl mehr als unwahrscheinlich. Jetzt lassen sich beide Versionen aber optisch vergleichen.



      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von gropeltop ()

    • Allein bei dieser Formulierung:


      Die Konfrontation der Tradition mit der selbst verschuldeten Zerstörung und der daraus erwachsenen kargen Gegenwart

      geht einem das Messer im Hosensack auf, wie bei uns gesagt wird.
      Was sind das bloß für gehirngewaschende Kümmerlinge, die so etwas von sich geben?
      Wie kann man IRGENDETWAS aus einem derartigen Munde noch ernstnehmen?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Das ist ja eher eine psychologische Beschreibung des Gemütszustandes der Kriegsgeneration. Mit Architektur hat dieser Befund wenig zu tun, und ist hier auch völlig Fehl am Platz. Denn nach diesem Mantra dürfte man bspw. auch ein Auto nur dann originalgetreu reparieren, wenn der Unfall ein Fremdverschulden war. Wenn ich selbst die Schuld daran anerkenne (hier wird die Schuldfrage ja stets geklärt) darf ich das Fahrzeug nur notdürftig instandsetzen.

      Auf solche Diskussionen muss man sich nicht einlassen, die führen zu nichts außer Provokationen und endlosen Diskussionen. Für mich eine fehlgeleitete Projektion soziologisch-politologischer Zusammenhänge auf stadtgestalterische und denkmalpflegerische Herausforderungen, die es so nur in Deutschland gibt. In meinen Augen ein gruppendynamischer Denkfehler unter vielen Kunsthistorikern, denen die Bewältigung der Nazizeit überwiegend durch Manifestation in Bauaktiväten auszureichen scheint.
      Ist ja auch viel einfacherer als in der Wirtschaft, bei der nahezu alle Unternehmen, die in den Kriegsjahren prächtig verdient und Schuld auf sich geladen haben - und das betrifft handelnde Personen und ganze Unternehmenskulturen teilweise bis in jüngere Zeit - unbehelligt weiterexistiert haben. Ein Gebäude kaputt zu machen bzw. zu lassen und sich damit ethisch rein zu waschen durch Beseitigung "ideologisch belasteter Steine".... naja ich schweife ab. Man sehe es mir nach.
    • nothor schrieb:

      denen die Bewältigung der Nazizeit überwiegend durch Manifestation in Bauaktiväten auszureichen scheint.
      Bei allem Respekt vor dem trefflich formulierten und weitestgehend zutreffenden Beitrag - dieser Nebensatz scheint mir nicht richtig zu sein. Für solche Geisteskinder ist die "Bewältigung der Nazizeit" quasi Lebensinhalt oder gar Religion, während Architektur und Bauwesen für sie absolute Nebenfront sind. Jedoch können sie es nicht unterlassen können, auch ein unwichtiges Gebiet den Prämissen ihres grotesken Gedankenganges zu unterwerfen. Ich bin sicher, sie würden auch gegen Aufführungen von Beethovenscher oder Wagnerscher Musik bzw Goethescher Dramen zu felde ziehen, wenn ihnen das jemand vorgeben würde, bzw wenn derartige Aufführungen durch Kriegsfolgen verunmöglicht wären. Offenbar ist klassische Architektur zu sehr Minderheitenprogramm, offenbar spricht die Schönheit des Pellerhauses viel zu wenige Menschen an, sodass jene dem Bewältigungswahn verfallenen Verhinderer allzuleichtes Spiel haben.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Es meldet sich der Planungsreferent des Bauamts der Stadt Nürnberg zum Pellerhaus zu Wort:

      Daniel Ulrich schrieb:

      Die Fassade des heutigen Gebäudes ist deswegen so schön, weil sie ein Zeugnis davon ablegen kann, dass moderne Architektur nicht einfallsloser Kubismus sein muss – also einfach nur Länge, Breite, Höhe. Das, was man seit vielen Jahren der aktuellen Architektur vorwirft und was meiner Ansicht nach die Wurzel dafür ist, dass überhaupt Gelüste aufkommen, Rekonstruktion zu betreiben, weil nämlich die Qualität vieler Neubauten einfach nicht diesen Detailreichtum, diese Filigranität hat.
      [...]
      Das ist alles komplett durchdacht und sehr sehr schön geworden und es ist heute noch sehr schön, was ja auch nicht jedes Gebäude behaupten kann, dass es nach 60 Jahren immer noch als schön empfunden werden kann.
      [...]
      Die Grundfrage ist eigentlich die: Darf ich ein Baudenkmal abbrechen, um einen Neubau hinzustellen, der ausguckt wie ein Gebäude, das es seit 70 Jahren nicht mehr gibt? Und wenn wir ein Gebäude heute dort stehen hätten, das elend, hässlich, in allen Teilen kaputt und kaum reparabel wäre, wäre ich ja ganz nahe bei den Kollegen von den Altstadtfreunden und würde sagen 'Ok, müssen wir einen Weg finden'. Wir haben aber ein Gebäude, das gar nicht wirklich schlecht ist, das im Inneren teilweise hochspektakuläre Treppenhäuser hat, wunderschön ist, also ein echtes Meisterwerk der 50er-Jahre – und das ist durchaus sanierungsfähig.
      Sanierung oder Abriss: Die ungewisse Zukunft des Pellerhauses -Bayerischer Rundfunk

      Hmmh, die Geschmäcker mögen zwar grundsätzlich verschieden sein, aber gewisse Maßstäbe der Beurteilung sind übergreifend. Wenn Essig lecker ist, Fettwänste ansehnlich sind, Nacktmulle hübsch sind, Schmerzen gut sind, das 50er-Jahre-Pellerhaus wunderschön(!) ist, dann ist da irgendetwas aus dem Lot geraten. Meiner Meinung nach...
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Das Problem ist nicht so sehr die neue Fassade an sich. Ich gebe zu, dass es ein überdurchschnittliches Gebäude ist. (wie übrigens auch das neue Hildesheimer Pfeilerhaus). Das Problem ist dass hier vorher ein Meisterstück stand, das im Hof zum grossen Teil noch original erhalten war. Das ganze Pellerhaus müßte deswegen aus kunsthistorischen Gründen unbedingt wiederaufgebaut werden!