Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • Hallo zusammen!
      Hier wie angekündigt, die Mailadresse der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung für Leserbriefe. Wie gesagt, befindet sich derzeit alles noch in der Planung.

      Danke euch schon im voraus und ich halte euch auf dem laufenden, wenn´s neues gibt!

      Die Redaktion der Nürnberger Nachrichten nimmt Mails und Leserbriefe unter mailto:textarchiv.nn@pressenetz.de">textarchiv.nn@pressenetz.de entgegen, die Nürnberger Zeitung unter mailto:redaktion@nz-online.de">redaktion@nz-online.de


      Anbei übrigens mein Leserbrief, so wie ich ihn damals abgeschickt habe:

      Der Wiederaufbau der Altstadt von Nürnberg war angesichts der immensen Zerstörungen zweifellos eine Glanzleistung, die berechtigterweise über lokale Grenzen hinaus internationale Anerkennung fand: Stadtmauer (inkl. der zahlreichen Türme), Burg, wichtige Leitbauten wie St. Lorenz und St. Sebald, Mauthalle, Zeughaus oder Altes Rathaus wurden (teil-) rekonstruiert und wichtiger noch: die Physiognomie der Stadt, mit Straßenverlauf und –breite wurde weitestgehend wiederhergestellt. Traufhöhe und Dachneigung der Neubauten orientierte sich am Vorkriegsbestand und in der Fassadengestaltung setzte man auf örtliche Bautradition. Alles zusammen sorgt heute für ein räumliches Wohlbefinden, das von den meisten Nürnberg - Besucher beschrieben wird und so in keiner zweiten Stadt Deutschlands dieser Größe gefunden werden kann. Der Aufwand, der nach dem Krieg betrieben wurde, überrascht nicht: galt Nürnberg doch als bis dato eine der schönsten Städte der Welt. Ein über Jahrhunderte hinweg gewachsener Siedlungsorganismus, der die mitteleuropäische Ausprägung von Kunst und Kultur zum Ausdruck brachte, wie Florenz und Venedig die italienische Variante.

      Vergleicht man jedoch heute manche Einzelbauten, Plätze oder Ensembles in Nürnberg mit dem Vorkriegszustand, so ist man - gerade als junger Mensch – doch sehr ernüchtert über das Erscheinungsbild. Geprägt von vielen Reisen ins europäische Ausland mit italienischen, französischen oder spanischen Städten als Referenz, ist man überrascht über die vielen Provisorien in Nürnberg. Was im Kontext der Zerstörungen aber doch nicht wundert: Die riesige Energieleistung des Wiederaufbaus Nürnberg zu dem zu machen, was es immer noch darstellt, war irgendwann – verständlicherweise! – aufgebraucht. Wichtige Objekte der ansonsten wunderschönen Stadt konnten nur noch als Erinnerung wiedererstehen.

      Ob Frauenkirche Dresden, Potsdamer-, Braunschweiger- oder Berliner - Stadtschloss, Thurn und Taxis Palais Frankfurt oder Kommandantur und Bauakademie Berlin: In ganz Deutschland scheint man derzeit daran zu gehen, Nachkriegsprovisorien zu „bearbeiten“ und Stadtreparatur zu betreiben. Eine ganz neue Generation setzt beim Wiederaufbau der unmittelbaren Nachkriegsjahre an und findet den verlorenen Weg eines Wiederaufbaus wieder, der in den sechziger und siebziger Jahren verlassen wurde. In Dresden ersteht mit der Wiedererrichtung des Neumarkts rund um die Frauenkirche sogar ein ganzes Stadtviertel. In Frankfurt scheint sich, mit Abriss des Technischen Rathauses und Neuplanung, ähnliches abzuzeichnen, nachdem man viele Teile der Altstadt schon beim Wiederaufbau opferte.

      In Nürnberg liegt die Sachlage natürlich völlig anders: Nicht Stadtreparatur, sondern „Wiederfinden des verlorenen Wegs“ sollte das Gebot der Stunde sein. Der Entwurf der Architekten Heinz Schmeißner und Wilhelm Schlegdental, die im Grundplan von 1948 den Wiederaufbau grandios manifestierten, gibt den Rahmen vor, um die unterschiedlichen Provisorien irgendwann wieder in den Vorkriegszustand zu versetzen. Das solche Initiativen natürlich immer über lange Zeiträume angelegt sein müssen, steht außer Frage, aber gerade der Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt zeigt doch, das scheinbar unmögliches möglich sein kann.

      Als eines der exponiertesten Provisorien kann der Egidienplatz mit dem Pellerhaus gelten. Kein Platz hat eine solche Wandlung in der Ästhetik erfahren: Vom einstmals schönsten Platz Nürnbergs zum Parkplatz, dessen Häuserfassaden durch Bäume versteckt werden - in der Mitte das traurige, alles dominierende Pellerhaus.

      Ob die Initiative, den Innenhof des Pellerhauses mit Spendengeldern wiederzuerrichten, irgendwann dazu führt, dass das ganze Kunstwerk als bedeutendstes Renaissance-Bürgerhaus Europas wieder den Egidienplatz bekrönt, sei dahingestellt.
      Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist er allemal - längst überfällig und nur eine Bereicherung für Europas Baukunst und die Nürnberger Architektur.


      Grüße
    • Inhaltlich ist Dir natürlich völlig zuzustimmen, aber ich befürchte, daß der Brief für eine Veröffentlichung viel zu lang ist. Für die FAZ wäre das genau die richtige Länge, aber bei den Nürnberger Provinzblättchen kann man froh sein, wenn ein Drittel davon veröffentlicht wird. Die abgedruckten Leserbriefe sind in den allermeisten Fällen nur gerade lang genug, um ein paar Schlagwörter aufzulisten. Für die Darlegung von Argumentationsketten und die Einbettung einer Idee oder einer Meinung in einen umfassenderen Kontext bekommt man dort in aller Regel keinen Platz.
    • Ich habe auch was geschrieben:

      Das heutige "Pellerhaus" erinnert die Nürnberger als Denkmal an den Geist der Fünfziger Jahre.
      Obwohl vor dem Krieg millimetergenau dokumentiert, entschied die damalige Generation, das Juwel nicht wiedererstehen zu lassen. Man bevorzugte einen nüchternen Aufbau, an dessen Ästhetik sich die Geister scheiden, und der freilich nicht mit der Schönheit des Ursprungsbaus konkurrieren kann und will. Jüngere können nicht verstehen, weshalb die Stadt gerade diese kostbarste Schöpfung der Renaissance in Nürnberg nicht wiederherstellen ließ - oder den Wiederaufbau zumindest späteren Generationen ermöglichen wollte.

      Nun wird wenigstens die Rekonstruktion der Hoffassade vorgeschlagen. Dies ist immerhin ohne Eingriff in die Substanz des Mayer'schen Baus möglich. Dessen Aussage würde durch die historische Rückfassade nicht geschmälert werden, denn die Präsenz des Neubaus hat die Erinnerung und die Bedeutung des alten Pellerhauses nicht soweit überlagert, daß der Weiterbau ein Schaden für das Fünfziger-Jahre-Gebäude wäre. Denn auch heute wird in der Kunstgeschichte das verschwundene Pellerhaus beispielhaft gezeigt - sicher häufiger als der Neubau. Warum sollte es unter diesen Umständen nicht als Zeichen der Gegenwart erlaubt sein, die Wertschätzung lokaler Hochkultur auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen.

      Eine rekonstruierte Hoffassade würde zwar den heute unattraktiven Egidienplatz nicht verschönern, wäre als Nachricht unseres verlorenen architektonischen Kunstwerks von europäischem Rang jedenfalls eine enorme Bereicherung für die Stadt und zöge viele Kunstinteressierte an.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • @baukunst
      Ist Dein Leserbrief schon veröffenlticht worden? Ich hab nämlich komischerweise noch nix zum Wiederaufbau Innenhof gelesen. Das gibt es doch eigentlich gar nicht, oder? :?:
      @norimbergus
      Man kann schon zufrieden sein, wenn einigermassen der Kontext rüberkommt, ich weiss. Nicht dass das ganze so umgeschraubt und neu gemodelt wird, das ich am Ende mit der Behauptung da stehe, ich wollte die gesamte Nürnberger "Wiederaufbau-Altstadt" abreissen und überall nur noch Butzenscheiben haben... :gg:
    • @restitutor
      Danke fürs Feedback! Man ist sich ja nie so ganz sicher, weil man sowieso immer den Gegenwind im Hinterkopf hat, der eine Forderung nach Reko zwangsläufig mit sich bringt. Bin wie gesagt gerade dran, einen Leserbrief an die FFM Zeitungen aufzusetzen und verfolge das Thema Frankfurt mit wachsender Begeisterung! Das wäre wirklcih ein Fanal für Deutschland!

      PS: Hast Du schon Antwort von Herrn Geyer? Wenn nicht, kann ich noch etwas tun?
    • Auf das Hildesheim-Thema wollte ich demnächst zurückkommen... nein, ich habe noch keine Antwort von Herrn Geyer, und da das Ganze nun schon recht lange her ist, frage ich mich, ob der Brief verloren gegangen ist oder irgendwas anderes schieflief. Da muss man wohl mal nachhaken...

      Danke für das Engagement in der Frankfurt-Sache, wir können jede Hilfe brauchen!
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • "Jürgen" schrieb:

      @baukunst
      Das geht ja gut voran: Aber sag mal: Ist Dein Leserbrief schon veröffenlticht worden? Ich hab nämlich komischerweise noch nix zum Wiederaufbau Innenhof gelesen. Das gibt es doch eigentlich gar nicht, oder?


      Meiner auch nicht, aber ich denke, die sammeln erst einmal. Es gab wohl zu anderen Themen mehr Zuschriften (z.B. noch zu den Stoiber-Geschichten etc.). Abwarten, ich bin sicher, daß was kommt. Und ich freue mich darauf, was die Gegner wohl schreiben werden.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • @norimbergus
      Du hattest recht mit der Länge. Habe vorhin den Anruf von einer netten Dame der Nürnberger Nachrichten bekommen (oder war´s NZ, ich weiss nicht mehr), sie würden meinen Artikel gerne abdrucken, er ist nur um 35 Zeilen zu lang. Wir sind dann gemeinsam den Leserbrief durchgegangen und haben gemeinsam die Passagen gestrichen. Finde ich irgendwie klasse, dass man da so angerufen wird!
      Es kamen anscheinend einige Leserbriefe zusammen, die morgen oder übermorgen veröffentlicht werden!
      Bin ja mal gespannt!

      Grüße
    • 35 Zeilen zu lang??? Na, dann bleibt aber nicht mehr viel übrig. Dass man deswegen angerufen wird, habe ich ja noch nie gehört. Vielleicht hat sie dich für einen Experten gehalten... ;)
      ... womöglich gar für einen Architekten :aetschzunge:
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Als ich vor Jahren mal einen Leserbrief an die NN geschrieben habe, da wurde dieser ohne Rückfrage gekürzt. Allerdings bestand dieser Brief aus einer Aneinanderreihung verschiedener Aspekte/Argumente, von denen einige in der damaligen Diskussion öfter genannt wurden. Der Brief wurde also auf die neuen, noch nicht genannten Aspekte reduziert, so daß ich keinen Grund hatte, mich zu beklagen. Ein inhaltlich und argumentativ anders strukturierter und deutlich längerer Brief an die FAZ wurde dort in voller Länge abgedruckt. Daß man angerufen wird, um bei der Kürzung selbst mitzuwirken, ist aber wirklich bemerkenswert.

      @Antiquitus:
      35 Zeilen, das ist gar nicht so viel. In eine Zeile paßt bei NN und NZ nicht viel Text. Die durchschnittliche Leserbrieflänge liegt höchstens bei einem Viertel von Jürgens ursprünglichem Text. Lange Briefe sind immer noch kürzer als der von baukunst-nbg. Auch nach der Kürzung dürfte Jürgens Brief somit für hiesige Verhältnisse noch sehr lang sein.
    • Na, dann hoffen wir mal, daß es jetzt zu einer interessanten Debatte kommt. Wir können ja hier auch eventuelle andere Leserbriefe zitieren.

      Ich habe mir übrigens das von Riegel genannte Buch besorgt. Es ist ja ein Arbeitsheft der Denkmalpflege; deren grundsätzlich vorsichtige Einstellung gegenüber Rekonstruktionen ist ja bekannt. Dennoch geht der Autor mit den Abweichungen von den Nürnberger Wiederaufbauprinzipien hart ins Gericht; zum Beispiel bezüglich des Pellerhauses meint er, daß der Wiederaufbau am mangelnden Willen gescheitert sei, einer alten Bauform die Neunutzung unterzuordnen (ebenso wie beim Fleischhaus und dem Peststadel).
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • "Jürgen" schrieb:

      Schon entdeckt?
      Heute waren unsere Leserbriefe drin! Es kommt bestimmt noch was nach - die Diskussion ist noch nicht zu Ende! :gg:

      Ein paar Neuigkeiten habe ich schon, aber näheres am Wochenende. Werde dann auch unsere Leserbriefe einscannen und posten.


      Ich bin jedenfalls gespannt, zu sehen, wieviel von deinem LB übrig geblieben ist... ;)
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Ich bin jedenfalls gespannt, zu sehen, wieviel von deinem LB übrig geblieben ist... :zwinkern:

      ... mehr als gedacht:



      ... aber erst der Leserbrief von @baukunst - sehr gut geschrieben, wie ich finde:



      ... und der von @mathias, ebenfalls sehr fundiert und gut ausgedrückt:



      und nun meiner - er ist wirklich fast so übernommen worden, wie geplant:







      Am 21.12. findet wahrscheinlich ein Treffen mit dem OB der Stadt Nürnberg statt, Ulrich Maly. Weiter u.a. anwesend:
      Harald Pollmann, der Initiator
      Mathias Exner, Chef der Bayerischen Denkmalbehörde
      der Sohn des damaligen Architekten, der immer noch Urheberrechte auf den Bau hat

      Da geht es ums ganze!

      Wichtig in dem Zusammenhang sind weitere Leserbriefe an die NN, NZ oder an den Bürgermeister der Stadt selbst. Mögen Leserbriefe auch keinen revolutionären Einfluss haben: Lokalpolitiker lesen sie sie trotzdem jeden Morgen...