• Für alle, die jene "Prachtstücke" im Musikviertel nicht kennen:

    Was die LWB noch so Schönes sanieren erkennt man hier:

    Ein optisch extrem wichtiger Punkt, da direkt neben dem Reichsgericht liegend und von weit her sichtbar. Da hätte man sicher auch mehr daraus machen können. Wenn ich mir schon das Beton-"Dach" anschaue... wird sicherlich schön rot bemalt, damit es noch mehr auffällt. :peinlich:

    Leipzig - Back to the roots

  • Also ganz ehrlich - ich empfinde die 10-stöckigen Riegelbauten mit ihren tausenden Mietern weiter hinten im Musikviertel als weitaus störender als die 3 Punkthochhäuser. Letztere nehmen erstens nicht so viel Platz weg und stehen zweitens am Rand des Viertels, zum Park hin. Ich glaube auch nicht, dass die Klientel sich überschneidet - da wohnen viele Studenten und Leute mit DDR-Mietverträgen. Die sind ganz sicher keine potentiellen Mieter der doch meist sehr hochwertig sanierten und im [lexicon='Leipzig'][/lexicon]-Vergleich relativ teuren Altbauten im Musikviertel. Weiterhin gibt es selbst ohne Abriss der Riegelbauten noch viele freite Flächen im Viertel, diese hochwertig zu füllen sollte vorrangiges Ziel sein. Zum Argument mit den Geschäften: natürlich ist es negativ für Bäcker, Friseure, Zeitschriftenläden und Bars/Restaurants, wenn mal eben hunderte potentielle Kunden wegfallen.

    Zum Trost: die Plattenbausanierungen sind meistens auf nur 20 Jahre ausgelegt, wenn sich also wirtschaftlich und nachfragemässig was tun sollte, werden die sanierten Platten im Musikviertel sicherlich mit die ersten sein, die fallen.

    Grüße,
    *D

  • Zitat von "Denk_mal"

    Da hätte man sicher auch mehr daraus machen können.

    Die LWB machen bei ihren Sanierungen fast nie "was draus" - leider.

  • Danke für das Einstellen des Sanierungsprojektes an der Ecke Simon- Riemannstraße. Auf historischen Luftbildern ist erkennbar das es im Gegensatz zum gründerzeitlichen Vorgängerbau deutlich zurückversetzt ist und so die Ecklage direkt neben den Reichsgericht nicht voll zur geltung kommt.
    Ich bin schon lange auf der Suche von historischen Ansichten dieses Gründerzeit Eckhauses. Fall mir jemand einen Tip geben kann oder Bilder einstellen könnte wäre ich sehr dankbar.

  • Zitat von "SevenUp"


    Ich bin schon lange auf der Suche von historischen Ansichten dieses Gründerzeit Eckhauses. Fall mir jemand einen Tip geben kann oder Bilder einstellen könnte wäre ich sehr dankbar.

    An der Ecke Morzart-(nicht:Riemann-)/Simsonstr. an der Stelle des LWB-Blocks stand ein spätklassizistischer Bau von etwa 1880 in der Art wie an der Riemannstr. noch stehen. Habe irgendwo in einem Buch ("[lexicon='Leipzig'][/lexicon] in Trümmern" oder so) ein Bild unmittelbar nach einem Luftangriff, da stehen die geretten Möbel auf der Straße, ein riesiges Chaos...

  • Was will man von einer Stadt erwarten, die sich im historischen Zentrum einen Museumskubus leistet und einen der wichtigsten Plätze der Innenstadt, nämlich den Augustusplatz, für weitere Jahrzehnte völlig verschandelt.
    Der Neubau des Uni-Campuses wäre DIE Chance des Jahrhunderts gewesen, die Paulinerkirche und das Augusteum zu rekonstruieren.
    Jetzt ensteht dort neben dem unsäglichen MDR-Hochhaus eine der übelsten Bausünden der Nachkriegszeit.
    Wieso sollte eine solche Stadt ausserhalb des Zentrums alles richtig machen? :(

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Ich war nun im Bahnhof, folgendes gibt es zu sehen, Fotos folgen später:

    1) Fürstenhaus, Grimmaische Str. 30, 16. Jh. (heute Universitätsgrundstück): 2 Original-Reliefs von einem der beiden Runderker, Rochlitzer Porpyr, und ein kleines weiteres Fragment. Laut Text ist wohl mehr nicht erhalten. (Der heute an der gegenüberliegenden Ecke eingebaute Erker ist meines Wissens eine Kopie ohne jedes Originalteil)

    2) Lotterhaus, Katarinenstr. Ecke Brühl gegenüber Romanushaus 16. Jh. (heute unbebaut, Ecke des Bildermuseumsgrundstücks): Von dem seinerzeit wohl komplett gesicherten Ecker sind heute nur noch sehr kleine Bruchstücke erhalten. Ca. 4-5 Stücke wurden in der Ausstellung gezeigt. Rekonstruktion anhand dieser Stücke vermutlich nicht mehr möglich.

    3) Reichsstraße 10, Amtmannshof. Grundstück heute unbebaut (Parkplatz). Beim Neubau dieses Hauses wurde im Jahre 1857 der Torbogen bez. 1605 in schöner Renaissance an der Hofseite wieder eingebaut. Nach der Zerstörung des Hauses von 1857 wurde der Torbogen nach 1945 komplett ausgebaut. Vollständig erhalten, Wiedereinbau möglich.

    4) Reichsstraße 8, Deutrichs Hof (Abbruch 1968, Grundstück heute unbebaut, Parkplatz). Von dem im 17. Jh. erbauten Renaissancehaus wurde beim Abbruch des weitgehend erhaltenen Gebäudes der Torbogen (Sitznischenportal) und einige Holzstützen des Hofes ausgebaut. Eine Holzstütze mit lat. Inschrift. Wiedereinbau möglich.

    5) Markt 2, Jöchersches Haus (heute teilw. durch einen zurückgesetzten Wohnblock der 50er Jahre bebaut). Von dem 1. H. 18. Jh. gebauten, sehr repräsentativen Haus sind mehrere Einzelteile des Portals zu sehen: Ca. 3 Konsolen, 2 vollplastische Figuren (Kopien nach Original von 1929), Ein Torflügel (Holz) und ein Stück des barocken Oberlichtgitters.

    6) Kleine Fleischergasse 10 (heute LWB-Wohnblock, links neben dem kleinen Joachimsthal): Von diesem barocken Haus des 18. Jh. wurde nach 1945 zwei Gewändesteine (Segmentbogen) und der Schlussstein mit Darstellung eines Krebs geborgen. Rochlitzer Porpyr.

    7) Fragement eines Putti von einem Grabdenkmal (18. Jh.?)

    8 ) Figur von Carl Seffner, A. 20. Jh.

  • Na, das ist doch schonmal eine schöne Liste für Reko-Kandidaten in [lexicon='Leipzig'][/lexicon]. Wenn das Lotter-Haus (herrlicher Name übrigens :gg: ) auf dem Brühl stand, kann man da doch gleich mal eine Kampagne starten, es bei der Neubebauung zu rekonstruieren. Leipziger vor!

  • Zitat von "Der Münchner"

    Der Neubau des Uni-Campuses wäre DIE Chance des Jahrhunderts gewesen, die Paulinerkirche und das Augusteum zu rekonstruieren.

    Da hast du recht. Allerdings wird der Campus vom Freistaat Sachsen gebaut, nicht von der Stadt [lexicon='Leipzig'][/lexicon].

    Zitat von "Der Münchner"

    Jetzt ensteht dort neben dem unsäglichen MDR-Hochhaus...

    Ansichtssache. Die meisten Leipziger identifizieren sich mit dem Weisheitszahn und finden ihn keinesfalls unsäglich.

    Zitat von "Der Münchner"

    Was will man von einer Stadt erwarten, die sich im historischen Zentrum einen Museumskubus leistet [...]

    Den würde man sicherlich anders beurteilen, wenn die Verglasung in der geplanten Form gekommen wäre und schon hochwertige Eckbauten stehen würden. Das Grundkonzept ist eigentlich ganz nett und die Präsentationsmöglichkeiten hervorragend.

    Zitat von "Der Münchner"

    Wieso sollte eine solche Stadt ausserhalb des Zentrums alles richtig machen? :(

    Welche andere Stadt macht alles richtig? Zumindest würde mir einiges einfallen, was die Stadt richtig macht. Die LWB ist übrigens nicht die Stadt.

  • Zitat von "Dase"

    wenn die Verglasung in der geplanten Form gekommen wäre

    Könnte mal jemand Bilder vom Ist-Zustand machen? Wie wirkt das Museum denn nun mit dem Billigglas? Erstaunlicherweise findet man im Netz nicht ein einziges Bild!

    Das mdr-Hochhaus gefällt mir sehr gut! Genau wie die geplante Uni-Front zum Augustusplatz. In Richtung Grimmaische wird es leider mal wieder sehr uninspiriert.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Zitat von "youngwoerth"

    Könnte mal jemand Bilder vom Ist-Zustand machen? Wie wirkt das Museum denn nun mit dem Billigglas? Erstaunlicherweise findet man im Netz nicht ein einziges Bild!

    Aus gutem Grund. Sieht auf Deutsch gesagt einfach Kacke aus. Im Prinzip wie vorher. Ich für meinen Teil habe auf Bilder verzichtet, das hätte mich zu sehr deprimiert.

  • Dann kann man wohl nur auf die Eckbauten hoffen...

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Dass nicht ein Foto vom Bildermuseum im Netz zu finden ist, wundert mich nicht. Die Verglasung ist wirklich unterirdisch. Hier ein Bild von mir:

  • Danke Dir! Sieht aus wie Plexiglas. Peinlich. :daumenunten:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Zitat

    Danke Dir! Sieht aus wie Plexiglas. Peinlich.

    Ohne Glas sieht's noch schlimmer aus: wie ein auf die Seite gelegter Schuhkarton aus Beton. Mein 70'iger-Jahre-Provinzgymnasium sah übrigens genauso aus...

    Warum rekonstruiert man statt der "hochwertigen Eckbauten" nicht wenigstens auf der Seite der Katharinenstrasse die Renaissance- und Barockbauten, die da ja offenbar standen?!

  • Hab mal ein Bild des Eckhauses Simsonsonstrasse/Riemannstrasse
    hochgeladen:

    http://www.bilder-hochladen.net/files/6b59-2-jpg.html\r
    http://www.bilder-hochladen.net/files/6b59-2-jpg.html

    Quelle: Wohn- und Bürgerhäuser im Leipziger Musikerviertel

    Das Eckgebäude hat den Krieg teilbeschädigt überstanden, wurde
    aber in den 70er Jahren abgerissen.

    Übrigens müssen die Kriegszerstörungen im Musikerviertel sehr gravierend gewesen sein : von den 37 Objekten im Villenring (entlang Tauchnitz-Str.) überlebten nur 15.

    "Europa wurde von den Bürgern erbaut und von den Proleten zerstört."
    - Sándor Márai

  • amenophis
    vielen Dank fürs Hochladen des Bildes habe schon einige Zeit damit verbracht ein solches Bild zu finden.
    Handelt es sich bei der Quelle um Literatur? Falls ja muss ich dieses Buch haben, werde mich gleich mal auf die Suche machen!
    Das Eckgebäude ist übrigens genau so wie ich es mir selber für diese wichtige Ecklage vorgestellt hab. :D einfach traumhaft schön...

  • Philon:

    falls deine frage ernst gemeint war:

    bis zum krieg war dieses gebiet so dicht bebaut wie das geviert zwischen hain- und katharinenstraße. in den 60ern wurde dort der sachsenplatz angelegt. nach der wende begann wie in allen 1a-Lagen der run um die grundstücke der in alle himmelsrichtungen verstreuten erbengemeinschaften, um einen shoppingkomplex zu errichten. kaufhof am neumarkt ist solches ja geglückt. zur selben zeit wurde aber auch beschlossen, das bundesverwaltungsgericht in das ehemalige reichsgerichtsgebäude nach [lexicon='leipzig'][/lexicon] zu verlegen. weil das darin befindliche bildermuseum weichen musste (und wohl auch, weil der bund damit seinen ursprünglichen beschluss, das bundesverfassungsgericht in [lexicon='leipzig'][/lexicon] zu beheimaten gekippt hatte), steuerte der bund die hälfte der veranschlagten kosten für einen museumsneubau zu.
    die stadt favorisierte für diesen von anfang an die sachsenplatzbrache, um
    - das museum in der innenstadt errichten zu können
    - eine monofunktionale nutzung und überbauung des gebietes zu verhindern
    - und im idealfall kleinteilige bebauung sowie blockrandbebauung zu ermöglichen.

    dazu liefen einerseits langwierige verhandlungen mit teilweise wechselnden grundstückseigentümern, die zu umfangreichen grundstückstauschen führten und andererseits ein wettbewerb, aus dem das realisierte/zu realisierende projekt als sieger hervorging.
    die gründe für diese wahl waren, dass
    - das blockinnere in leipziger durchhof-tradtion öffentlich zugänglich bleibt
    - das museum mit seinen vier eingängen keine rückseite besitzt
    - eine kleinteilige fassadenabwicklung entlang der blockkanten möglich ist.

    noch während der bauphase kollabierte der überhitzte immobilienmarkt, da neben nachwendebauten immer mehr sanierte altbauten mieter suchten. nur langsam entspannt sich diese situation. zum glück haben die grundstücke eine so geringe tiefe, dass zwar rekos der vorkriegsbauten nicht möglich sind, aber neubauten durchaus wieder finanzierbar und vermietbar werden. dazu tragen auch projekte bei, die hier gern mal kritisiert werden, aber überhaupt erst zu einer belebten innenstadt führen - wie die geplante brühlbebauung oder eben dieses museum.

    zusammengefasst: wer dieses museum als monströs o. ä. bezeichnet, kann oder will dessen konzeption und geschichte nicht verstehen. dabei macht schon ein blick auf ähnliche projekte (historisches museum frankfurt, stadtmuseum wiesbaden, ...) die qualitativen unterschiede in der stadträumlichen einbindung deutlich. im prinzip geht es nur noch darum, durch die geplanten "bilderrahmen" diese einbindung wirklichkeit werden zu lassen. dass sich die museumshaut durchgängig auf glas reduziert, erleichtert einerseits diese aufgabe und wird andererseits im endeffekt bei geglückter umsetzung dem museum seinen besonderen reiz verschaffen.

    nebenbei: für eine gute umsetzung dieses gedankens dürfte übrigens der jahrelange verzug der blockrand-bebauung eher förderlich sein.

  • @ rakete:

    Danke für den interessanten Exkurs in die jüngste Leipziger Stadtgeschichte!

    Aber das ist noch alles kein Argument, warum man das neue Bildermuseum nicht in einen Komplex rekonstruierter Renaissance- und Barockbauten aus der Glanzzeit Leipzigs hätte unterbringen können (siehe die Debatte um den Neubau des Historischen Museums in Frankfurt, wo genau das ja in der Diskussion ist). "Wo ein Wille gewesen wäre, wäre auch Weg gewesen", wie ein oller Karthager mal so ähnlich sagte ...

    Und es ist noch kein Argument, bei der geplanten Blockrandbebauung um das Museum herum nicht wenigstens Fassadenrekonstruktionen vorzunehmen, wenn das Museum schon leider Voll-Rekos verhindert (na ja, jedenfalls so lange bis es wie das Frankfurter TR in 30 Jahren wieder abgerissen wird :gg: ). Anders war mein Einwurf nicht gemeint.

  • selbst wo ein wille wäre, wäre immer noch
    a) nicht genügend geld
    b) nicht die möglichkeit, die kunstobjekte optimal präsentieren zu können.

    es gab ja damals auch (von seiten der damaligen hausbesitzer) den vorschlag, das bildermuseum im komplex ehemaliges hotel de pologne/kretzschmanns hof unterzubringen - um diese gebäude zu sanieren. doch solche geschosshöhen sind nun mal für ein kunstmuseum völlig ungeeignet. loch in der decke für klingers beethoven? damals halbgrosser aufschrei. inzwischen besitzerwechsel und bald wird auch dieser komplex auch ohne museum saniert werden - wenn der brühl fertig gestellt sein wird. manche dinge brauchen eben einfach zeit - und den richtigen mix.

    zur blockrandbebauung: unten tiefgarage, innen fahrstuhl, hinten neu und vorne barock? die grundstückstiefe würde nicht mal ausreichen, um die ursprünglichen dächer der vorderhäuser wiederherstellen zu können. das sähe dann noch peinlicher aus als am dresdner neumarkt.