Potsdams historische Mitte - Allgemeines und Stadtpolitik

  • Bei der Debatte wird stets insinuiert die Stadt oder die Initiative Mitteschön wolle flächenhaft Wohnplatten abbrechen und zu einer Innenstadt des 18. Jahrhunderts zurückkehren.

    Fakt ist, dass die in Rede stehenden Bauten der Nachkriegsmoderne, die abgebrochen werden, bis auf den Staudenhof keine Wohnbauten sind. Es geht um das Rechenzentrum des Lande, dass Flächen derartiger Größe seit der Entwicklung vom letzten Robotron-Rechner zum i7 nicht mehr benötigt. Dann geht es um das Institut für Lehrerbildung "Rosa Luxemburg" (IfL), heute von zwei Fachbereichen der FH Potsdam genutzt. Die FH wollte selbst vor Jahren eine Campusuni am Stadtrand, die Neubauten sind schon im Bau. Hier hat sich also das Land Brandenburg nach dem Wunsch der Hochschule gerichtet.

    Beim Staudenhof geht es um 180 Kleinwohnungen, denen von der SVV vor drei Jahren eine 10-Jahresfrist bis zum Abbruch gegeben worden. Da unmittelbar anschließens an den Staudenhof das Wohngebiet "Zentrum-Süd" des gleichen Unternehmens, der stadteigenen ProPotsdam, liegt, das mehr als 5.000 (!) Wohnungen aufweist, ist das mit normaler Fluktuation zu regeln. Heute sind ein Teil der Wohnungen des Staudenhofs schon für Flüchtlingsunterkünfte reserviert.

    Last- but not least - ist nochmals zu sagen, dass - selbst wenn die kühnsten Reko- und Reurbanisierungsträume Realität würden - die überwiegende Anzahl der Wohnungen in der Potsdamer Altstadt Sozialwohnungen im Plattenbau sind.

    P.S. Die Wohnungen, die im sog. "Kleinen Holländerviertel" im Frühjahr im Rahmen einer Reko hergestellt wurden, sind alle schnell und gut vermietet.

    Einmal editiert, zuletzt von Johan Maurits (14. Juli 2015 um 12:47)

  • Johan Maurits: Eine sehr gute Darstellung der Fakten! Daran sieht man mal wieder, dass ideologisch verbohrte Menschen vor nichts zurückschrecken - und seien es im harmlosesten Fall wie hier nur falsche oder unsachliche Argumente und damit die Manipulation Unwissender, um Ihre Doktrin durchzusetzen. Was muss das für ein freudloses Leben sein, wenn man vor lauter Verblendung so blind ist, dass man Schönheit nicht mehr sieht. Diese Menschen könnten einem fast schon leidtun, wenn es nicht so ernst wäre.

    Zum Thema "FH im Stadtraum" noch einige Fotos von mir ohne Worte:


    Ein Satz doch noch, wenn ich die Bilder selbst nochmal so sehe:
    Es tut mir leid, dass ich es so deutlich sagen muss: Wer die FH an dieser Stelle erhalten will, gehört für mich in die Klappsmühle.


    Fotos von mir vom 8.7.2015

    Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)

  • Ich finde die FH macht einen richtig schönen Eindruck! Sie passt sich richtig schön in das Stadtbild, besonders die bröckelten Fassade macht was her, sie ist ein schöner Kontrast zum neuen Stadtschloss. :wink: :biggrin:

  • Man muss sich einfach überlegen, was man unter "Stadt" versteht. Ausschliesslich Sozialwohnungen, wie bisher im Zentrum Süd, können doch nicht das Ideal der sozial gemischten und nutzungsgemischten Stadt sein. Die paar privaten Wohnungen des freien Marktes, die an der Alten Fahrt und im Broschesschen Haus entstehen sind doch nichts gegen die über 5.000 Wohnungen im Zentrum Süd, die hunderte Studentenapartments an der Breiten Straße und quadratkilometergroße Wohnungsbauanlagen der PWG von 1956 in dem Doppelblock Wilhelmplatz/Charlottenstraße/Am Kanal. Hinzu kommen noch die öffentlichen Wohnungen in den Wohntürmen an der Berliner Straße und die der 60er-Jahre im Burgviertel.

  • Zitat

    Es tut mir leid, dass ich es so deutlich sagen muss: Wer die FH an dieser Stelle erhalten will, gehört für mich in die Klappsmühle.

    Ohne dir itzo grundsätzlich widersprechen zu wollen - gerade auf deinen Bildern macht sich die FHS nicht einmal so schlecht, fügt sich mit ihrem kühlen Funktionalismus nicht schlecht in den noblen Klassizismus ihrer Umgebung. Richtig haarsträubend ist mE der Blick direkt vom Alten Markt - dieser erdrückte Platzraum mit dem unfreilligen Ensemble Fortunaportal - FHS- Nikolaikirche - das hat es in sich!

  • Die Seite zum Alten Markt hin ist das eine (da geht es um Ästhetik und darum, dass im EG zum schönsten Platz der Stadt die Heizzentrale untergebracht ist), wichtiger ist aber noch die Blockade auf der Seite der Hohewegstraße. Hier wird die Entwicklung von etwa 30 Parzellen inkl. des Achteckenplatzes blockiert.

  • Jetzt muß ich aber doch mal den Vergleich bringen: In so einem ätzenden Bau habe ich mal studiert (war aber trotzdem gut!), allerdings in BaWü. Wie hüben, so drüben, kann man da nur sagen. Mittlerweile scheint die PH Ludwigsburg saniert zu sein, sieht nicht mehr so schlimm aus. Zu meinen Zeiten noch ein unansehnlicher gerasteter Betonklotz, allerdings mit weitläufiger Campusatmosphäre, am Waldrand und AUSSERHALB der barocken Altstadt von Ludwigsburg!!!
    Siehe hier Bilder: https://www.google.de/search?q=p%C3%…iw=1252&bih=557

  • Guten Abend,

    wie die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) am 07.08.2015 berichtet, soll die Fachhochschule nach dem Willen der Initiative "Potsdam Mitte neu denken" erhalten bleiben beispielweise für Galerien, Restaurants oder Cafes. Ein Abriss wäre zudem wegen der Erschütterungen mit „erheblichen Risiken“ für die benachbarte Nikolaikirche verbunden, so Frauke Röth.

    http://www.maz-online.de/Lokales/Potsda…baeude-erhalten

    Viele Grüße :cool:

  • Ach du heilige.... eek:)

    Wenn diese Initiative "Brüche" haben will, dann soll sie unter dem Motto "Plattengedönse neu denken" eine Schneise durch die FH baggern. eye:)

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Guten Abend,

    wie die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) am 07.08.2015 berichtet, soll die Fachhochschule nach dem Willen der Initiative "Potsdam Mitte neu denken" erhalten bleiben beispielweise für Galerien, Restaurants oder Cafes. Ein Abriss wäre zudem wegen der Erschütterungen mit „erheblichen Risiken“ für die benachbarte Nikolaikirche verbunden, so Frauke Röth.

    http://www.maz-online.de/Lokales/Potsda…baeude-erhalten

    Viele Grüße :cool:

    Allmählich nervt es, was diese linksradikalen Subjekte von sich geben. Wieso wird diesen Leuten immer wieder eine Plattform für ihren geistigen Abfall geboten? Wie kann man sich für den Erhalt einer "Notdurftarchitektur" einsetzen, die einem Staat entstammt, der seine eigenen Bürger eingesperrt und kaltblütig zum Abschuss freigegeben hat. Sind diese Personen einfach nur dumm oder "geschichtsvergessen"?
    In Berlin residieren Ministerien in alten Nazibauten und niemanden interessiert's. Das Finanzministerium hausiert seit über einem Jahrzehnt im ehemaligen Reichsluftfahtministerium, in dem der dicke Göring sein Unwesen getrieben hat. Aber die Proteststürme bleiben in diesem Fall merkwürdigerweise aus. Wie kann man als Linker einerseits die notwendige Toleranz für Ministerien in Nazibauten aufbringen, aber andererseits gegen den Wiederaufbau der Garnisonskirche mobilmachen? Das ist doch absurd.
    Ich verstehe die Potsdamer nicht, dass sie solchen Leuten das Feld überlassen.

  • Unglaublich, daß man das noch erleben darf. Man glaubt´s ja nicht, wenn man´s nicht selbst gesehen hat. Jetzt macht man sich in Potse doch tatsächlich auch noch Sorgen um den Bestand der Nikolaikirche und veröffentlicht eine regelrechte Enzyklika "In brennender Sorge...". Sagenhaft. Woher dieser Sinneswandel? Wird schon nix passiern. Als sie das Stadtschloß gesprengt haben, blieb sie ja auch stehen.

  • Guten Morgen,

    auch 25 Jahre nach der Deutschen Einheit merkt man das Potsdam immer noch mehr "DDR Bezirkshauptstadt" als Residenzstadt ist und das ist schade. Der Wandel wird zwar gerade vollzogen aber es wird noch einmal so lange dauern und bis dahin muss man aufklären, den Bürger mitnehmen und sagen was man erreichen möchte.

    Es wird immer Gruppierungen oder politische Vereine geben die mit aller Macht versuchen werden, Korrekturen in der Stadt zu verhindern aber wie sagt mal ein "großer" Staatsmann?!

    " Vorwärts immer, rückwärts nimmer" :biggrin:

    Viele Grüße :cool:

  • Guten Morgen, ich habe mich gestern neu angemeldet, da ich ab und an die Diskussionen hier verfolge.

    Ich habe mich sehr über die unmittelbar vorangegangenen Kommentare geärgert, denn es sind in Potsdam eben nicht nur "Ostalgiker" und Linke, die sich für den Erhalt von DDR-Architektur einsetzen. Jenseits der Ästhetik ist auch die DDR nun Geschichte und verdient 25 Jahre nach der Wende - wie jede Zeitschicht - eine objektive Betrachtungsweise, unabhängig von politischen Ansichten.

    Daher ist die hier so verwundert gestellte Frage, warum man die Architektur eines Staates erhalten sollte, der seine Leute an der Mauer erschossen hat, zu kurz gegriffen. Warum? Aus historischen Gründen. Sonst würde man Geschichte auslöschen, ergo genau so handeln, wie es die DDR tat (was zugegeben im Verhältnis gesehen werden muss, da die gesprengten preußischen Bauten natürlich künstlerisch "hochwertiger" waren, als die meisten DDR-Gebäude).
    Wie bereits angesprochen stehen ja auch noch viele NS-Bauten und man reißt auch diese nicht ab. Und diejenigen, die sich für den Erhalt von NS-Architektur einsetzen oder dazu forschen, sind ja nun auch keine Nazis. (Übrigens an dieser Stelle: Die NS-Bauten stehen noch, die GK nicht mehr - und es ist doch ein Unterschied, wie man mit einem bestehenden Gebäude umgeht, oder ob man dagegen ist, ein nicht mehr stehendes Gebäude neu aufzubauen. Auch dieser Vergleich ist schief.)

    Zudem könnte man durchaus auch ausgewählten "ostmodernen" Bauten Qualität attestieren, was auch in der Fachwelt mehr und mehr der Fall ist. Ferner - und das wissen offenbar viele nicht - muss beachtet werden, dass zu DDR-Zeiten eben nicht nur Plattenbauten oder einige moderne Gebäude in Stahlbetonskelettbauweise gebaut wurden, sondern es auch eine Reihe historisierender Architekturen und auch einige Wiederaufbauten gab. In Potsdam etwa wurde die Wilhelm-Staab-Straße auf der einen Seite originalgetreu, auf der anderen Straßenseite historisierend in einer Fantasiearchitektur in den 1950ern wieder- bzw. neu aufgebaut. Auch das Alte Rathaus am Alten Markt wurde komplett neugestaltet. Da stand nur noch die Fassade. Man hat alles ersetzt, inklusive des Figurenschmucks.

    Daher halte ich bei allem Respekt solche Pauschalurteile wie in den obigen Kommentaren für zu kurz gegriffen. Ich kenne viele Wessis, die in Potsdam leben und die ebenso mehr oder weniger mit "Potsdamer Mitte neu denken" sympathisieren. Die Mitglieder der Initiative "Potsdamer Mitte neu denken" sind überwiegend selbst DDR-Kritisch. Einige Linke und Ewiggestrige springen natürlich auf den Zug auf. Aber sie werden weniger. Wer heute in der Mehrzahl für den Erhalt von DDR-Architektur ist, tut dies, da hier langsam ein Historisierungsprozess eintritt, zudem, da einfach viele gegen Rekonstruktionen sind - auch das völlig unpolitisch.

    Einen allgemeinen Überblick, was in Potsdam zu DDR-Zeiten warum und wie passierte und war gebaut wurde, finden Sie hier:

    http://www.pnn.de/potsdam/660936/

    Einen schönen Samstag,
    Kritiker

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    Einmal editiert, zuletzt von Kritiker (8. August 2015 um 11:41)

  • Guten Morgen,

    @ Kritiker, es ist nicht so das man alle DDR Bauten in Potsdam abreissen sollte, ich selbt bin auch für den Erhalt des Restaurant "Minsk" oder den Erhalt des Offizierscasino im Krampitz und Integration in das neue Wohngebiet.

    Nur gerade die Fachhochschule wurde in den 70er Jahren erbaut wo man eigentlich den "Alten Markt" komplett umbauen wollte, das bedeutet man hat ein Hotel Mercure und ein Ernst- Thälmann- Stadion in den Lustgarten gesetzt, eine Fachhochschule und ein Studentenwohnheim an der Breiten Straße errichtet und wollte gegenüber des Hotels Mercure das neue "Hans Otto Theater" aufbauen.

    Nun hat sich aber das Aussehen, gerade in der Stadtmitte, in den letzten 25 Jahren geändert. Der Stadtkanal wurde teilweise rekonstruiert, das Ernst- Thälmann Stadion ist verschwunden und das neue Landtagsschloss wurde errichtet. Somit hat sich der "Alte Markt" wieder verändert, was daraus schließt das das Hotel Mercure und die Fachhochschule in die neue Umgebung für mich nur noch als "Fremdkörper" einer vergangenen Epoche wahrgenommen werden bzw. passen diese beiden Gebäude nicht mehr zur heutigen Umgebung.

    Die Architektur der Fachhochschule war für die damalige Zeit modern und sicher könnte man für eine Sanierung bzw. den Erhalt kämpfen aber das Gebäude steht nun einmal am falschen Platz!

    Viele Grüße :cool:

  • Es ist ja nicht so, als hätten wir einen Mangel an DDR-Architektur. Die wirklich guten Bauten werden ja auch, zu Recht, erhalten. In [lexicon='Leipzig'][/lexicon] hat man sogar die Fassade der "Blechbüchse" wiederhergestellt und in Dresden saniert man den völlig unpassenden Kulturpalast. Die DDR-Geschichte wird ganz sicher nicht ausgelöscht. Sie gehört ganz klar zu Deutschland.

    Nun aber den Erhalt der Fachhochschule Potsdam zu fordern, wo der Umbau der gesamten Umgebung beschlossene Sache und in vollem Gange ist, ist einfach absurd. Die Liebhaber das Hauses können ja Spenden sammeln und die FH-P an einem anderen Ort rekonstruieren, beziehungsweise translozieren.

    Wir müssen ja auch ständig für unsere Wunschprojekte Spenden sammeln.