Mainz – Adelspalais und Sakralbauten (Galerie)

  • Den Erthaler Hof haben wir von außen und auch im Treppenhaus schon gesehen, aber da er sich wie durch ein großes Wunder oder auch als eine große Gnade weitgehend unbeschädigt in einem Meer von Trümmern erhob, sind auch die Innenräume erhalten geblieben. Wenn man vom Dom, der Augustinerkirche und der Peterskirche einmal absieht, sind mit ihm die bedeutendsten Innenräume erhalten geblieben, die Mainz heute besitzt. Da der Erthaler Hof heute Sitz der Landesdenkmalpflege ist und nicht so ohne weiteres zugänglich ist, kommt man im wahrsten Sinn des Wortes "alle Schaltjahre" einmal beim Tag des offenen Denkmals in das Gebäude hinein. Auch hier bilden ein Teil der Fotos erst einmal Provisorien, bis es besseres Material gibt, aber deshalb ist es nicht angebracht, diesen unfaßbar überwältigenden Festsaal den Foristen vorzuenthalten. Hoffentlich gefällts...!

  • Nördlich der Quintinskirche befindet sich der Bereich des Römisch-Merowingisch-Romanischen Ursiedlungszentrums der Stadt, welches schon 1942 bis auf minimalste Reste von der Bildfläche verschwunden ist. Eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse ist der Knebel´sche Hof. Der originale Bau datierte von 1588-98 und wurde zunächst für den Domherrn von Ehrenberg errichtet. Durch Erbschaft gelangte das Gebäude ca. 1628 in den Besitz der Freiherren von Knebel zu Katzenalnbogen und diente fortan als Familienhof. Zusammen mit dem Jesuitennoviziat, später Invalidenhaus, ging der Knebel´sche Hof in das Eigentum der Stadt über und diente fortan als städtisches Altersheim. 1942 stark zerstört, wurde die Ruine etwa um 1953 abgetragen und 1955 mit den gesicherten Werksteinen des nordwestlichen Eckerkers, dem südlichen Portal, dem Treppenturm sowie dem südlichen Hoferker wiederaufgebaut.
    Im Zentrum des ersten Bildes steht zunächst die heutige Josefskapelle, die einst die Kapelle des 1942 ausgebrannten Jesuitennoviziats war. Dieses umfaßte einen ganzen Baublock. Die Josefskapelle bringe ich in einem späteren Beitrag noch einmal etwas ausführlicher.


    Südlich des heutigen Knebel´schen Hofs findet sich heute eine größere Freifläche bzw. eine Art Innenhof. Bis 1942 befand sich hier der Kirchhof der Quintinskirche und auch die Friedhofskapelle, eine gotische Michaelskapelle mit einem Karner im Kellergeschoß. Die Michaelskapelle war die letzte erhaltene Kirchhofskapelle in der Stadt und erhielt 1942 einen Volltreffer. Die wenigen noch stehenden Mauerreste wurden später abgetragen. Wenn auch in der Stadt selbst nur noch minimalste Reste einer profanen Sepulkralkultur erhalten sind, stehen die drei noch erhaltenen Grabsteine an der Nordwand der Quintinskirche exemplarisch als ein Beispiel für die vielfältigen Facetten der Stadtgeschichte.
    Wir sehen hier zunächst den Schwedischen Offizier Konrad von Üxküll. Die Schweden zogen am 23.12.1631 in die Stadt ein, errichteten u.a. den ehemaligen Mainzer Stadtteil Gustavsburg (rechtsrheinisch, heute Ginsheim-Gustavsburg, Hessen). Axel von Ostenstierna residierte 1632 in der Stadt, am 17.12. 1635 mußten die Schweden kapitulieren und am 09.01.1636 abziehen, nicht ohne vorher noch die Bibliotheken geplündert zu haben. In Mainz "Knut" zu feiern, wurde dann wohl leider nix mehr. Eines der Schiffe ging dann in der Ostsee unter. Dem hier zu sehenden Offizier Üxküll kam 1635 eine Kugel in der weiteren Lebensplanung recht zuwider.

    Der nächste Grabstein ist derjenige der Familie Knebel von Katzenelnbogen und ist damit neben dem Knebel´schen Hof ein weiteres Zeugnis für die Familie.

    Der dritte Grabstein ist derjenige von Schorsch und Margret Krafft. Georg Krafft wurde 1450 geboren und starb am 26.05.1512. Er war Erzgießer und Büchsenmeister und stand seit 1490 in kurfürstlichen Diensten. 1509 goß er nach Entwürfen von Hans Abel vier monströse Kandelaber aus Messing, die bis heute in der Stefanskirche erhalten sind. 1512 goß er überdies noch kurz vor seinem Tod den Osterleuchter.
    Daß diese letzten drei erhaltenen Grabsteine derart der Witterung und der Bodenfeuchte ausgesetzt sind, ist eine Sache, über die man nicht wirklich glücklich sein kann.

  • Den Erthaler Hof haben wir von außen und auch im Treppenhaus schon gesehen, aber da er sich wie durch ein großes Wunder oder auch als eine große Gnade weitgehend unbeschädigt in einem Meer von Trümmern erhob, sind auch die Innenräume erhalten geblieben... Hoffentlich gefällts...!

    Oh ja, besonders da ich diese Innenräume noch nie gesehen hatte. Auch wenn diese Stuckierungen im Vergleich zu zeitgleichen süddeutschen Lösungen des Barocks eher schlicht erscheinen, sind sie doch von einer noblen Geste, die auch nach Jahrhunderten noch gefällt. Von welchen modernistischen Lösungen wird man das wohl in ein paar Jahrhunderten sagen?

  • Da der Erthaler Hof heute Sitz der Landesdenkmalpflege ist und nicht so ohne weiteres zugänglich ist, kommt man im wahrsten Sinn des Wortes "alle Schaltjahre" einmal beim Tag des offenen Denkmals in das Gebäude hinein.


    Oh bittersüße Ironie! Könnte man dies Räume nicht als Beispiel barocker Wohnkultur sinnvoller nutzen als für schnöde Büros? Irgendwie schon krank :sad:

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Pfälzer Bub hat vollkommen Recht, der Erthaler Hof ist aufgrund seines phänomenalen Erhaltungszustands ein außerordentlich bedeutsames Gesamtkunstwerk und das einzige noch (bis auf die Supraporten) vollständig erhaltene Adelspalais. Bis etwa 1996-97 war in diesem Gebäude die Kreisverwaltung Mainz-Bingen ansässig. Die Kontinuität in der Nutzung ist auch hier phänomenal: Zunächst Sitz der Kantonsverwaltung des Departement Mont-Tonnere zu Zeiten, als wir noch Mayence waren, Sitz des Präfekten Jeanbon St. Andre. Nach der Gründung Rheinhessens 1816 war der Erthaler Hof ununterbrochen Verwaltungssitz. Erst etwa 1995-97 wurde in Ingelheim eine neue gebaut. Zur Zeit der französischen Besatzung 1945 ff. war der Erthaler Hof ebenfalls wieder Standort der Besatzung. Anschließend war hier wieder Sitz der Kreisverwaltung Mainz-Bingen.

    Bisher haben wir nur Fotos aus dem Festsaal gesehen, aber hier ein Vorgeschmack auf den Salon der Freifrau von Erthal.

    Der Meister dieser Stuckaturen ist zwar nicht bekannt, aber die Ähnlichkeit zu den zerstörten des Deutschhauses, die von ihrem Baumeister Roth aus Mergentheim geschaffen wurden, ist nicht von der Hand zu weisen. Für die Zeit wäre jedenfalls eine Gemeinschaftsarbeit von Roth, Schenk und Hennicke sehr naheliegend.

    ert101.JPG

    ert102.JPG

  • Im Bereich der nördlichen Restaltstadt findet sich das Gebiet der Christofskirche zwischen Quintinskirche und dem Deutschhaus. Trotz der vollständigen Zerstörung des gesamten Areals haben sich noch einige wenige Reste des einst so dicht besiedelten Areals, das einst das eigentliche und älteste Zentrum der Stadt bildete, erhalten. Hierzu gehört auch der Bentzel´sche Hof, der heute unter zwei Adressen geführt wird. Wir sehen zunächst das Gästehaus des Bentzel´schen Hofs in der Christofsstraße 13. Die Familie Bentzel gehörte zu einem Zweig einer länger tätigen Beamtenfamilie und wurde 1732 geadelt.
    Das Gästehaus des Bentzelhofs war ursprünglich das Wohnhaus zum Karmeliterplatz hin des Hofkanzlers Jakob Bentzel von Steinau und wurde 1741 errichtet, wobei die Hauptfassade mit sieben Achsen und einem prachtvollen Portal zur Christofsstraße zeigt, die Seite zur Straße Mitternacht hat vier Achsen.
    Das dreigeschossige Gebäude weist die für die Zeit in Mainz sehr gebräuchliche Sprache des Spätbarock auf und hat wie alle Adelspalais aus rotem Mainsandstein gefertigte plastische Elemente wie Rahmen und Portal und auch in Form von zwei Traufgesimsen, die den Bau noch einmal besonders gliedern. Den zurückhaltenden geohrten Sandsteinfensterrahmen steht ein besonders künstlerisches Portal und eine Eckausbildung entgegen. Das Portal weist ein Oberlicht auf und wird von Pilastern begrenzt, denen eine Säule vorgestellt ist. Die Gebälkzone trägt einen Plattenaufsatz, auf dem auf die Brüder Bentzel als Bauherren hingewiesen wird (Fraterna posuit concordia, divina servet providentia). Zentraler Blickpunkt des Gebäudes ist die Hausecke mit kolossalen Pilastern vor einer Eckrustizierung. Im ersten OG thront die Hausmadonna unter einem Baldachin.
    Das Gebäude brannte 1942 aus. Nach der Aufteilung der Parzellen auf das ehemalige Gästehaus und das Hauptgebäude wurde lediglich das Gästehaus durch die Initiative der privaten Bauherren 1968/69 wiederaufgebaut.
    Von besonderem Interesse war einst, daß der Karmeliterplatz auf all seinen vier Ecken von Adelspalais begrenzt wurde und demzufolge an diesem Platz eines der charakteristischsten Raumbilder der Altstadt bestand. Neben dem Bentzel´schen Hof fanden sich hier der Sickinger Hof, der Walderdorffer Hof sowie der frühklassizistische Mainzer Hof. Im Zusammenspiel mit der frühgotischen Christofskirche sowie in der südlichen Folge dem Knebel´schen Hof und dem Algesheimer Hof ergab sich der Eindruck eines geschichtlich besonders tief verwurzelten und ehrwürdigen Altstadtviertels.


    Die folgenden Bilder beziehen sich auf den Nachfolgebau des ehemaligen Hauptpalais, welches ebenfalls 1741 errichtet wurde. Die ausgebrannte, aber in den Umfassungsmauern noch gut erhaltene Ruine wurde niedergelegt und der hier zu sehende Nachfolgerbau errichtet, der sich zwar in der Geschoßzahl am Original orientiert, aber die Fenster wie hier zusehen nicht mehr ihre originale Höhe haben. Erhalten ist, wie hier zu sehen, der außergewöhnlich prachtvolle Torbogen der Torfahrt. Dieser wird seitlich von Pilastern gerahmt und ist reich profiliert. In der Scheitelkartusche findet sich das Hauszeichen, der Stern aus dem Wappen der Bentzel von Steinau. In den Zwickeln findet sich Rankenornament. Als einziges in Mainz nachweisbares Beispiel findet sich in einer reichgefaßten Muschelnische die Figur des Christus als Weltenrichter. Möglicherweise sind im Hinblick auf die Figur anstelle eines gesprengten Giebels nur die seitlichen Ansatztücke zu finden.

  • Nach dem Bentzel´schen Hof in der Mitternachtsgasse im Gebiet der ehemaligen nördlichen Altstadt ist es folgerichtig, den Dienheimer Hof (Bauerngasse 3) kurz anzureissen, da er im selben Gebiet liegt. Gleichzeitig ist er der älteste im Mauerwerk noch erhaltene Mainzer Adelshof (der Knebel´sche Hof wurde 1953-55 unter Verwendung der originalen Bauplastik wiederaufgebaut), der ältere Dalberger Hof entstand später.
    Gleichzeitig ist er neben dem benachbarten Alten Zeughaus (Sautanz) das einzig erhaltene Renaissance-Giebelhaus in Mainz.
    Er wurde zwischen 1623 und 1625 als dreiflügelige Anlage auf der Quartierecke zwischen Bauerngasse (damals noch Kämmerergasse) und der Mitternachtsgasse als zweigeschossiges Renaissance-Gebäude erbaut und gelangte mit dem Nachbarn Mitternachtsgasse 3 im 17. bzw. 18. Jhd. in den Besitz der Herren von Dienheim (südlich von Oppenheim), nach denen er auch benannt wurde.
    Das Hauptgebäude wirkt durch die nur zwei Geschosse und sechs Achsen eher zierlich, was sich durch die Traufenständigkeit zur Bauerngasse hin noch verstärkt. Hauptsächlicher Blickfang ist der zweigeschossige Volutengiebel, der von Zierobelisken und einem Muschelaufsatz bekrönt wird. Steinpfostenfenster bringen noch einmal eine Gliederung in den Giebel. Im Hofbereich ist ein relativ original erhaltener Treppenturm vorhanden sowie ein Renaissanceportal mit daüberliegendem Fenster. Nach geringfügigen Umbauten und dem Austausch etlicher Fensterrahmen und einem neuen Dach sowie dem Verlust des Treppenhauses im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Kaufhauses erlitt der Dienheimer Hof zwischen 1942-45 zwar Beschädigungen, aber keine gravierenden Substanzverluste, so daß er sich als einziges relativ gut erhaltenes Gebäude inmitten eines Meers von Trümmern erhob. Die Schäden waren daher recht leicht zu beheben, sodaß der Volutengiebel heute auch von der Rheinstraße aus sichtbar ist und gemeinsam mit dem Nachbarn Altes Zeughaus auch eine Traditionsinsel der Renaissance erhalten ist.

  • Vor zwei Jahren fand im Dommuseum die Ausstellung "Der verschwundene Dom" statt. Unter anderem wurde auch speziell hierfür erstmalig ein Modell des Westlettners des Domes angefertigt, der vom berühmten Naumburger Meister geschaffen wurde. Daß dieser Meister nunmehr Naumburger UND Mainzer Meister heißt, ist eine stolze und freudevolle Sache.
    Der Westlettner entstand etwa zwischen 1195-1239 und wurde 1682-83 sowohl da als unmodern als auch der Liturgie im Weg stehend empfunden abgerissen und stattdessen die von Clemens Hinckh stammenden sog. "Choretten" als Raumteiler des Westchors zwischen dem Westchor und dem nördl. bzw. südl. Seitenschiff geschaffen.
    Erhalten sind der Kopf mit der Binde, der Zug ser Seligen und Verdammten, Deesis, Fragmentarische weitere Reste sowie der "Bassenheimer Reiter".

  • Abfotografiert aus dem Buch "Deutschland in frühen Fotografien 1840-1890":

    Marktplatz Mainz, 1852/1853:

    Südwest-Fassade des Mainzer Doms, 1852/1853:

    Ansicht des Doms von der Südost-Seite, vor 1858:

    Zumindest das letzte Bild stammt von Hermann Emden und war vor mehr als zwei Jahren Gegenstand einer Ausstellung im Landesmuseum Mainz

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Herzlichen Dank an Palantir für diese mir bisher noch unbekannten Fotos.
    Es ist natürlich immer eine hochinteressante Sache, Aufnahmen der Ostgruppe des Doms vor dem großen Umbau zu sehen. Die beiden Flankentürme der Ostgruppe prägten ja nach 1793 über viele Jahrzehnte das Erscheinungsbild; und auch das damals noch erhaltene gotische Glockengeschoß wurde erst durch Georg Moller mit dem "Moller´schen Ei" wieder unter Dach gebracht, wenn dies auch keinen besonders langen Bestand hatte.
    Besonders interessant ist bei dem ersten Foto natürlich die Begrenzung des mittleren Abschnitts des Marktes am Übergang von Markt, Seilergasse und Liebfrauenplatz. Wir sehen unter anderem ganz links das Haus Schusterstraße 1 (Zur Nähkiste), ein Haus der Spätrenaissance, dem sich nach Süden die städt. Butterwaage anschloß, welche aber abgerissen wurde und nachfolgend die Brandmauer der Nähkiste für sehr lange Zeit das Raumbild prägte. Erkennbar ist Markt 17 und das Eckgebäude Markt 19 (Lennig-Haus),auch das giebelständige gotische Patrizierhaus Markt 31 (Silberberg) ist erkennbar. Mit dem Renaissancegiebelhaus ist die südliche Hälfte des König von Englands zu sehen sowie rechts anschließend das Eckhaus Markt/ Liebfrauenplatz 1 (Zum Schwarzwald, auch: Kleiner Lateran sowie im vorderen Bereich rechts am Übergang zwischen Höfchen und Markt das sog. Halenza´sche Haus, das zu den bedeutendsten Bürgerhäusern des Barock gehörte. Rechts von ihm schloß sich das Renaissance-Stadtgericht an, welches aber abgebrochen wurde. Dessen Wappenfeld ist heute am Höfchen noch erhalten.
    Gerade heute habe ich 13 Glasnegative aus 1910 ins Fotolabor gegeben mit z.T. recht seltenen Motiven. Die Ergebnise werde ich Freitag oder Samstag präsentieren.

  • Besten Dank für eure Photos, Palantir und Weingeist. Dieses "Mollersche Ei sah" schon recht merkwürdig, fast ein wenig orientalisch aus und ist wohl zurecht nach kurzer Zeit wieder entfernt worden, wie ich finde.
    Ein Photo vom Modell des Westlettners sehe ich hier auch zum ersten Mal. Interessant und besonders scheinen mir die beiden mittig integrierten Wendeltreppen sein. In Naumburger hat der Meister diese Lösung ja nicht verwendet. Gibt´s dafür Vorbilder?

  • Meine bisherigen Kenntnisse über den Westlettner sind zu gering, als daß ich diese Frage beantworten könnte.
    Die Reste der Wendeltreppen sind das einzige, im Dom sichtbare Zeugnis und finden sich heute in den heutigen Chortribünen von Clemens Hinckh, den sog. "Choretten", wieder.
    Die weiteren erhaltenen Fragmente des Westlettners wurden über einen Zeitraum von vielen Jahrzehnten zusammengetragen, großteils erst durch verschiedene Zufälle als Fragmente des Westlettners identifiziert und finden sich heute im Dommuseum wieder.

    Dem sog. "Moller´schen Ei" war ja nur eine recht kurze Lebenszeit beschieden, die sich einerseits durch die Senkung der Domfundamente und die daraus resultierende Neuaufbauung der gesamten Westgruppe erklärt, andererseits auch durch die starken Beschädigungen des Doms während der Bombardierung der Stadt in 1793.

  • ... Interessant und besonders scheinen mir die beiden mittig integrierten Wendeltreppen sein. In Naumburger hat der Meister diese Lösung ja nicht verwendet. Gibt´s dafür Vorbilder?...

    Habe bisher lediglich diese beiden erheblich später geschaffenen Beispiele gefunden:
    Magdeburger Dom, Lettner aus dem 15. Jahrhundert

    Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license, Quelle: wikipedia.de

    St. Etienne-du-Mont, Paris; Lettner aus dem 16. Jahrhundert

    gmeinfrei, Quelle: wikipedia.de

  • In den Gebäuden der ehemaligen Adelspalais Älterer Dalberger Hof und Fechenbacher Hof am Ballplatz befindet sich zumindest teilweise die heutige Maria-Ward-Schule. Durch das Portal des Älteren Dalberger Hofs gelangt man in den Hofbereich des Dalberger Hofs, dem sich rückwärtig ein traumhaft schöner Garten anschließt, der teilweise auch als Schulhof dient; sicherlich der schönste Schulhof in Mainz.

    erster Blick auf die Dreikönigskapelle

    zweiter Blick auf die Dreikönigskapelle

    erster Blick in den Innenhof des Dalberger Hofs

    zweiter Blick in den Innenhof des Dalberger Hofs

    Neugierig lugt die Haube der Stefanskirche auf der Westseite in den Schulhof

    Der älteste Bestandteil der beiden Adelspalais Dalberger Hof und Fechenbacher Hof ist der einzige in Mainz erhaltene Gotische Wohnturm, der aus der Zeit stammt, als sich auf den Parzellen noch die Anlagen des Roten Hauses und des Hofs zum Baldemer/ Bensheimer erstreckten. Damit ist der Gotische Wohnturm eine kulturhistorische Kostbarkeit ersten Ranges, auch wenn er auf drei Seiten zugebaut ist.

    Flieder und Schwertlilien gehören zu meinen Lieblingblumen. Dafür, daß ich es auch hier nicht lassen konnte, bitte ich angesichts eines Fliederstrauchs vor einem Gotischen Wohnturm um Nachsicht...

  • Weingeist, vielen Dank für deine wie immer sehenswerten und informativen Beiträge über Mainz.
    Magst du uns etwas über diese recht trost- und sinnlos wirkende Empore von St. Quintin berichten, oder warum hast du dieses Photo ausgewählt?

    In einem so schönen Gebäudekomplex wie der Maria-Ward-Schule hätte ich übrigens auch gerne meine Schulzeit verbracht. Ich musste mich damals leider mit einem hässlichen 60erJahre Betonmonster begnügen.

    Laut Wikipedia scheint die Dreikönigskapelle auch von Innen ein gut erhaltener Historismusbau zu sein. Hast du weitere Photos?

  • Besten Dank an Frank für das Interesse an diesen Fotos.

    Das Bild der Empore auf der Westseite der Quintinkirche gibt es in dieser Form nicht mehr. Mit der Empore hat es kurz gesagt folgende Bewandnis: Mit der Quintinskirche wurde auch die Orgel, die Valentin Eberlein 1857 gebaut hatte, zerstört. In der Folge bildete ein gebrauchtes Orgelpositiv mit nur sechs Registern, welches man aus Schlammersdorf bei Bayreuth gekauft hatte, den "Ersatz". Zwischen 1992 und 1994 fand im Dommuseum die Ausstellung Die Orgel als sakrales Kunstwerk" statt. Zu diesem Anlaß wurde aus der profanierten Kirche St. Pankratius in Budenheim bei Mainz die damals unspielbare Orgel von Johannes Kohlhaas aus 1747 restauriert, wieder spielbar gemacht und als Ausstellungsobjekt im Dommuseum aufgestellt und nach Ausstellungsende zunächst eingelagert. Später wurde entschieden, daß in St. Quintin eine neue Empore errichtet wird und die Kohlhaas-Orgel als Dauerleihgabe der Pankratiusgemeinde dort aufgestellt wird, so daß Mainz das große Vergnügen hatte, für einen gewissen Zeitraum eine originale Orgel des spezifischen Mainzer Barocks wieder in seinen Mauern haben zu dürfen. Nach der Restaurierung der Pankratiuskirche wurde die Orgel wieder zurück nach Budenheim gebracht und ein gebrauchtes englisches Instrument angeschafft, welches man aufgrund der geringen Registerzahl um ein zweites Manualwerk erweitern mußte.
    Langer Rede kurzer Sinn. Was kommt dabei heraus, wenn eine Kirchengemeinde kein Geld hat?
    - seit wenigen Jahren ergänzen zwei Gußstahlglocken in der Tonfolge d1 und e1 den Glockentorso einer Glocke von etwa um 1908 mit dem Schlagton a1 und die älteste Glocke von Mainz, das Lumpenglöckchen von etwa 1250 mit einem gespaltenen Schlagton zwischen c2 und cis2
    - auf der neuerrichteten Empore steht nun ein gebrauchtes und um ein Teilwerk erweitertes Orgelwerk.

    Wie in Mainz nicht anders zu erwarten, hat auch die Quintinskirche zwei durchaus erzählbare Anekdoten bzw. Besonderheiten, die in diesem Fall auch durchaus gut zueinander passen.
    - Das Lumpenglöckchen: Mainz war immer die bedeutendste Weinhandelsstadt Deutschland und besaß so ganz nebenbei die größte Brauereidichte außerhalb Bayerns. 200 Wein- und Bierstuben - was muß das für ein herrliches Leben gewesen sein... Zecher als solche gibt es in unserem Lokaljargon nicht, dafür aber "Lumpen", was allerdings auch schon wieder eine sehr abwertende Bezeichnung ist. Nach den Lumpen kommen die Suffdutte, die Suffköpp und dann die Drecksäck. Das Lumpenglöckchen wurde nachts um 11 Uhr geläutet, um den Zechern der Quintinsgemeinde zu signalisieren, daß nun Sperrstunde ist und es doch viel schöner wär, wenn mer jetzt heim bei die Madam gehe tät. Das Lumpenglöckchen wurde zum einschmelzen abgenommen und hatte das große Glück, nach dem Krieg vom Hamburger Glockenfriedhof wieder heimkehren zu dürfen.

    - Die Quintinskirche und die Verbindung zu "Flehlappen", was ausnahmsweise nichts mit Flöhen zu tun hat. Auch ganz amüsant: in der Quintinskirche pflegte sich eine Judas-Thaddäus-Wallfahrt, bei der die Wallfahrer ihre Gebete knieend verrichteten, was man hier als "flehen" bezeichnete. Da der Wirt der direkt anschließenden Wirtschaft geschäftstüchtig war, aber der Laden nicht so lief, kam er auf die Idee, Betkissen, sog. Lappen als Unterlage an die knienden Wallfahrer zu vermieten, damit diese nicht auf dem blanken Kirchenfußboden knien und flehen mußten. Hieraus eine Verbindung zu "Flehlappen" zu erzielen, ist dann auch nur noch eine ganz kleine Geschichte. Und jetzt kann wohl jeder ermessen, wie die heutige Kneipe östlich der Quintinskirche heißt.