• Die altehrwürdige Bahndirektion soll wegen S21 demnächst zum größten Teil abgerissen werden. Wäre schön, wenn sich der ein oder andere von euch dazu im Kommentarbereich äußern würde. Die überwiegende Zahl der Zuschriften sind von Ablehnung und Unverständnis geprägt, ein Zeichen daß vielen Stuttgartern ihre alten Gebäude doch was wert sind.

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttga…ml#goToComments

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Tja, Stuttgart ist eben leider die Abrißhauptstadt des Südens.

    Mir fällt das immer auf, wenn ich durch die eigentlich schönen Villenviertel von Degerloch ins Zentrum fahre - immer wieder fehlt dann ein altes Haus, und ein Beton-/Glaskubus entsteht. Besonders bemerkenswert finde ich auch, daß durchaus völlig renovierungsfähige Altbauten verschwinden, die in Bayern niemals abgerissen würden... und dann einfach eine Brache zurückbleibt, so wie an meinem früheren Weg zur Arbeit in Möhringen.

    In 100 Jahren ist Stuttgart völlig verschwunden, und es gibt dort nur noch eine Art überdimensionales Gewerbegebiet mit Schnellstraßen, Kuben und Bahntrassen.

  • Na, dann sollten die Stuttgarter Bürger und Vereine vielleicht mal nicht mehr ihren Bahnhof in den Mittelpunkt rücken, sondern gegen all diese zahlreichen Abrisse und Fehlentwicklungen demonstrieren. Sämtliche Abrisskandidaten der letzten zwanzig Jahre auf Transparente und Flyer, Plakate mit Visualisierung der Vorgängerbauten an die austauschbaren Nachfolger kleben, Großdemos, usw. Bei S21 war die Energie und Kreativität doch auch da?

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Es ist von einem Teilabriss der Bahndirektion die Rede. Was heißt das? Bleiben die wichtigen Bau-/Fassadenteile stehen? Oder werden zumindest die Schmuckelemente/Figuren/Säulen/Portikus gerettet und später wieder verwendet?

    Nachtrag: ....Ah, ich habe gerade gelesen, dass wohl die Vorderseite erhalten bleibt, aber die restlichen drei Flügel wegkommen. Stimmt das so?...

    Diesen tollen Kommentar in dem obigen Link zur "Stuttgarter Zeitung" möchte ich außerdem nicht vorenthalten:

    Zitat

    Der Abriss des Teils der alten Bahndirektion der S21 im Wege steht ist erforderlich und muss zuegig erfolgen. Die Gegner des Tiefbahnhofs haben lediglich eine Liebe zu dieser alten wilhelminischen Fassade entdeckt, weil alles in ihrer Verzweiflung her halten muss um ihren Wunsch auf Verzoegerung zu erfuellen. Klappt nicht, jetzt regiert die Tat, und das ist gut so ! Die grossen reden, leeren Versprechungen und die Selbstillusion der Mehrheit und des Rechthabens kann dann auf der anderen Seite des Bahnhofs wieder als Psychotherapie aufgesogen werden. Voellig egal - jetzt wird geschafft ! Reinhold Grau.

    eek:):gehtsnoch:

    Dazu erübrigt sich denn ein weiterer Kommentar meinerseits.

    Einmal editiert, zuletzt von Heimdall (7. Dezember 2011 um 00:15)

  • Heute in der Stuttgarter Zeitung: Ein wohlwollender Artikel über Paul Stohrer, dem wir unter anderem das "wunderschöne" Rathaus zu verdanken haben:

    Uploaded with ImageShack.us']

    Zum Vergleich das alte Rathaus:

    Uploaded with ImageShack.us


    Wäre schön, wenn ihr dazu etwas im Kommentarbereich schreiben würdet. Ich denke, zu Kritik gibt es genügend Anlass.

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.archite…ml#goToComments

    In dubio pro reko

    Der größte Feind der Ideologie ist die Realität

  • Hardcore, wirklich furchtbar. Vermutlich hat der Architekt des Neubaus in seiner Gedankenwelt das alte Gebäude respektvoll aufgenommen und in ein modernes Gewand gefasst.

  • Letztes Jahr im November hatte ich Fotos vom neuen Ministeriumsbau in Stuttgart angekündigt (Landeshauptstadt Stuttgart - Ministeriums-Neubau an der Willy-Brandt-Straße) - und nachdem gestern mal kurz der Regen aussetzte, kann ich diese Fotos jetzt "schon" nachliefern :smile:

    Die Fotos sind ganz am Ende der Bildserie zu sehen, es handelt sich um den langgestreckten grau-schwarzen Bau. An der Rückseite steht die dorthin versetzte Ruine des Lusthauses (Neues Lusthaus Stuttgart – Wikipedia).

    Zudem findet Ihr hier noch Fotos vom "Europaviertel" auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs (Landeshauptstadt Stuttgart - Das Europaviertel) sowie einige Einblicke in das Protestdorf gegen Stuttgart 21.

    Anhand der Fotos von den leeren Bauflächen kann man auch gut erkennen, wie "riesig" die Nachfrage nach zusätzlichen Bauflächen in der Innenstadt offensichtlich ist - so sieht es da nämlich schon seit mindestens 1997 aus (immerhin konnte man die Landesbank Baden-Württemberg als Anstalt des öffentlichen Rechts dazu bewegen, dort den neuen Hauptsitz zu bauen - sonst wäre die ganze Fläche wohl weiterhin unbebaut).

    Etwas skurril finde ich zweierlei: einerseits den Gruß aus Hainburg in Österreich (dort wurde ein Wasserkraftwerk verhindert, also regenerative Energie), andererseits die Tatsache, daß das riesige Ministeriumsgebäude offensichtlich völlig unbehelligt von den Demonstranten errichtet werden konnte (ist etwa 50 Meter von den letzten Zelten entfernt). Offensichtlich gab es dort einfach keine Juchtenkäfer :thumbup:

    Picasa Web Albums - Stephan Baumeister - Bahnhof 21

  • Zitat

    Etwas skurril finde ich ... den Gruß aus Hainburg in Österreich (dort wurde ein Wasserkraftwerk verhindert, also regenerative Energie)

    Was ist dagegen wieder einzuwenden? Ist das DoKW Hainburg heute wieder "ökologisch korrekt""? Damals hab ich dagegendemonstriert, waren wir aus heutiger Sicht Idioten und Umweltzerstörer? Weißt du denn, wie so ein DoKW realiter aussieht? Ich hab eins quasi vor der Haustüre (ehem Donauauen Stockerau/Greifenstein, wo der alte Lorenz seine Graugansexperimente gemacht hat), vielen Dank!
    Mit diesem Unsinn von der regenerativen Energie kriegt unser unser Scheißsystem noch einmal das Pouvoir, die allerletzten Paradiese für immer und ewig zu zerstören. Windräder kann man abmontieren, die sind nach 20 Jahren eh kaputt (wenn nicht früher, was zu hoffen wäre). So eine durch ein Flusskraftwerk in Trockenbauweise verbrauchte Fläche hingegen ist sicher Jahrhunderte hin. Da kann man gleich Wärmedämmung für Altbauten fordern, das ist in etwa gleich weitsichtig.
    Wir machen uns noch alle zum Narren mit diesem Energiebedarf für "unsere" durchgeknallte Wirtschaft!

  • Off topic:

    Daran finde ich einfach skurril (um nicht zu sagen unehrlich oder verlogen), daß man einerseits theoretisch für regenerative Energien und für die Verlagerung des Güterverkehrs auf Schiene und Binnenschiffe ist, in der Praxis dann aber gegen Wasserkraft, Bau von Schienenwegen oder Kanälen, Ausbau von Flüssen usw.

    Wie ein Donaukraftwerk aussieht, weiß ich - schließlich komme ich ja aus einer Kleinstadt an der Donau mit gleich zwei Kraftwerken in jeweils 10 km Entfernung. Wobei übrigens BUND, Grüne usw. erfolgreich verhindert haben, daß zumindest das vorhandene Stauziel etwas erhöht wird... aber so rein prinzipiell ist man natürlich dennoch für Wasserkraft.

    Mich persönlich stören Wasserkraftwerke als extrem zuverlässige und umweltfreundliche Art der Energieerzeugung nicht, zumal dadurch auch die in früheren Jahrhunderten üblichen Hochwasserkatastrophen minimiert werden konnten.

    Zitat

    Energiebedarf für "unsere" durchgeknallte Wirtschaft!

    Tja, die Wirtschaft ermöglicht uns durch ihre Wertschöpfung unseren hohen Lebensstandard und letztlich auch unseren Sozialstaat mit Renten, Krankenversicherung usw. Wenn wir unsere Wirtschaftsleistung wieder auf das Niveau des 17. Jahrhunderts zurückführen würden, hätten wir auch wieder eine durchschnittliche Lebenserwartung von 30 Jahren inkl. Hungersnöten, Kindersterblichkeit usw. Irgendwie müssen ja alle Segnungen der heutigen Zeit erwirtschaftet werden...

  • Tja, mit dieser "Logik", welche die Bereiche "Landschaft" oder "Naturschutzgebiete" bedingungslos dem Profit zu opfern bereit ist, muss man natürlich auch jegliche Stadtbildpflege ablehnen, denn urbane Ästhetik ist der heiligen Kuh "Wirtschaft" durchaus abträglich, hemmt sie sozusagen am Gedeihen, beschränkt, behindert sie zB durch unnütze denkmalpflegerische Auflagen. So gesehen wäre das Stuttgarter Stadtbild das einzig richtige.

  • Das halte ich doch für eine recht ideologisierte und verallgemeinernde Sichtweise. Oder willst du bestreiten, dass mit der Ökonomisierung der Gesellschaft auch die Künste auf einer viel breiteren Ebene ausgelebt und weiterentwickelt werden konnten?
    Urbane Ästhetik ist eine Frage des künsterischen Selbstverständnis von Repräsentation und Interpretation. Unternehmer der Gründerzeit waren wohl durchaus keine Masochisten trotzdem spendeten sie vielerorts Brunnen, Denkmäler und errichteten selbst einfache Fabriken in repräsentativen Formen.

  • Ich wollte mal was zu dem obigen Ministerium sagen. Architektonisch belanglosester 70er-Jahre-Mist. Aber mittlerweile ist man fast versucht zu sagen: Das ist eben Stuttgart. Die Stuttgarter ernten eben die Früchte, die ihnen die Weißenhof-Siedlung eingebrockt hat.
    Zu dem Europaviertel: Eine Ebene der Belanglosigkeit. Einigen Objekten kann ich noch ein wenig Aufenthaltsqualität zubilligen (Pariser Höfe), andere kommen über das Niveau diverser Bürostädte in allen möglichen Landesteilen nicht hinaus (etwa das Bürogebäude der Südleasing). Und mit dem Hochhaus Ecke Heilbronner- und Wolframstraße will man sich auch noch den üblichen dekonstruktivistischen Brutalo-Klotz leisten, um dadurch wohl ein wenig "Kreativität" oder "Weltoffenheit" vorzutäuschen. Das ganze hat weder etwas mit Stuttgarter Tradition (es sei denn man reklamiert die Bauhaus-Hässlichkeit mittlerweile als typisch stuttgarterisch) noch mit Poesie zu tun. Armselig.

  • Zitat

    Tja, mit dieser "Logik", welche die Bereiche "Landschaft" oder "Naturschutzgebiete" bedingungslos dem Profit zu opfern bereit ist

    Ich denke, ich wurde hier komplett mißverstanden. Mit "Wirtschaft" meinte ich einfach das "Wirtschaften" der Bürger, deren Produkte und Dienstleistungen und vor allem deren Verkauf ja die Grundlage für Steuereinnahmen sind, mit denen dann Umweltschutz, Sozialleistungen und auch Denkmalschutz finanziert werden - denn das Geld, das an anderer Stelle ausgegeben wird, muß ja irgendwo erwirtschaftet werden. Und ohne eine vernünftige Wertschöpfung können all die schönen und wünschenwerten Ausgaben eben nicht finanziert werden...

    Außerdem verstehe ich nicht, wo der Widerspruch zwischen erfolgreichem Wirtschaften und einem hochwertigen Stadtbild liegen soll, jedenfalls ist Regensburg mit seiner mittelalterlichen Altstadt eine der dynamischsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Städte Deutschlands.

    P.S. Nachdem das inzwischen komplett am Thema vorbeigeht, werde ich mich dazu auch nicht mehr äußern.

  • Vor einigen Wochen habe ich mal angekündigt, Fotos der überwiegend recht ansprechend bebauten Hanglagen in Stuttgart aufzunehmen, hier das Ergebnis:

    Picasa Web Albums - Stephan Baumeister - Gablenberg

    Besonders frappierend finde ich den recht abrupten Übergang in die recht unschöne Bebauung der Innenstadt, die auf den letzten Fotos zu sehen ist.

    P.S. Offensichtlich läßt man sich dort nicht so gern fotografieren, jedenfalls gab eine ältere Dame ihrer Kritik lautstark Ausdruck, als ich eine ganz normale Straßenszene fotografierte. Vermutlich wohnt sie in einem verpixelten Haus und hielt mich mindestens für einen Mafia-Abgesandten...

  • Danke fuer die Bilderserie, Webmaster! :daumenoben: Da sind einige sehr schoene Haeuser dabei, wobei die groesseren Villen wahrscheinlich in mehrere Wohnungen umgearbeitet wourden. Aber viesuell ... was fuer ein Agglomerat ist denn das? Ich glaube, ich wuerde mich, wenn ich in der Gegend wohnte, irgendwie immer unruhig und gestoert fuehlen. Da herrscht doch architekturmaessig keinerlei Homogenitaet! Fuer mich sein sehr trauriges Kapitel.

    P.S. Never mind the old ladies! Being polite will mellow them out in a flash. :smile: