Der Dresdner Hauptbahnhof (im Umbau)

  • Zitat von "Miwori"

    Inzwischen gibt es mindestens vier Risse im Foster-Dach!
    Hat der englische Lord im deutschen Winter seinen Meister gefunden?

    Laut heutigem SZ-Bericht werden mittlerweile acht Risse im Membrandach gezählt. Diese scheinen ausschließlich an den Trichtern aufzutreten, die Schnee und Regenwasser ableiten sollen, und demnach stark belastet sind. Wer für den Schaden aufkommt ist aufgrund der Insolvenz der Herstellerfirma unklar. Trotz allem ist der noch nicht einmal fertiggestellte Hauptbahnhof ein Sanierungsfall, dessen Kosten zur Zeit unabsehbar scheinen.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Nachdem es in den letzten Tagen deutlich ruhiger um das Membrandach des Dresdner Hauptbahnhofes geworden ist, habe ich mich mit meiner Kamera vor Ort begeben um das Desaster, so kann man es tatsächlich ohne falsche Scheu nennen, bildlich zu bannen.
    Die Risse treten ausschließlich an den sogenannten Trichtern zwischen den einzelnen Hallen auf, die zur Entwässerung der Dachflächen dienen und in dieser Jahreszeit natürlich vornehmlich mit nachrutschenden Schneeresten gefüllt sind. Dieser extremen partiellen Belastung scheinen die Membranen tatsächlich kaum gewachsen zu sein, sodass jetzt an mindestens acht Stellen unterschiedlich große Risse entstanden sind.
    Das Bahnhofsmanagement begegnet dem Fiasko derzeit mit allerlei Vorsichtsmaßnahmen, die in dem teilweisen Absperren von Bahnsteigen und der vollständigen Sicherung der Trichter mittels Netzen bestehen. Zudem sollen im Hintergrund juristische Schritte laufen, die aufgrund der Insolvenz der Herstellerfirma kein leichtes Unterfangen sein dürften.


    Der Schaden aus dem Vorjahr ist bisher nur notdürftig mit einem "Flicken" versehen worden, der sicherlich keine dauerhafte Lösung darstellen dürfte.


    Dieser meterlange Riss lässt die Dimensionen des Schadens leicht erahnen. Er befindet sich mittig an der Nahtstelle zwischen Süd- und Mittelhalle.


    Etwas weiter westlich kann man ebenfalls zwischen Süd- und Mittelhalle diese beiden Risse durchschnittlicher Größe "bewundern".

    Bilder sind von mir.

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  • Das Hallendach-Desaster kann die Bahn natürlich nicht daran hindern, die Arbeiten an Nordfassade und Königspavillon weiter voranzutreiben. An Letzterem sind gegenüber dem Vorjahr nur geringe Fortschritte zu verzeichnen. Die Natursteinflächen wurden weiter ergänzt und gereinigt und besitzen jetzt den "honigbraunen" Farbton des Polizeipräsidiums an der Schießgasse. Ansonsten werden im Dachbereich noch abschließende Verblechungsarbeiten durchgeführt.
    An der Nordfassade hingegen sind nun im westlichen Abschnitt die ersten Gerüste gefallen. Leider haben die Wandflächen keine nennenswerte architektonische Gliederung erfahren, die in diesem Falle, analog zum Vorkriegszustand, in der Vortäuschung einer Quaderung hätte bestehen können. Dieses "Problem" wird wohl, ähnlich dem Sockel der Hauptfassade, nun durch die Maler gelöst werden müssen. Man darf also immer noch gespannt sein!


    Trotz aller Kritik ist nun die Tektonik der Fassade wieder viel klarer ersichtlich!


    Auch der Wiener Platz dürfte durch die Öffnung der bisher vollkommen geschlossenen langen Bahnhofsfassade gewinnen.


    Die Gesims-Profilierung haben bei den Wandfeldern Stuckateure vorgenommen. Interessant dürfte der Gesamteindruck der Sockelzone nach Abschluss der Malerarbeiten werden.

    Bilder sind von mir.

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  • Wenn man das so sieht - da ist es mit einer Reparatur nicht getan.
    Das sind grundlegende Konstruktionsfehler.

    Wäre interessant, mal ein Statement des Architekten dazu zu bekommen.

  • Nachdem wahrscheinlich schon im Laufe der 90'er Jahre die aus den 70'ern stammenden Vordächer der nördlichen Hauptbahnhofszugänge hin zum Wiener Platz verschwunden waren, wurden immer wieder berechtigterweise Stimmen laut, die das Anbringen neuer Vordächer forderten. Dies geschah weniger aus praktischen Erwägungen, sondern war vielmehr der Tatsache geschuldet, dass es ohne diese städtebaulichen Markierungen den Zugängen an Prägnanz ermangele, was gerade im Angesicht der langen öden Bahnhofsfront augenscheinlich war.
    Nun konnte ich en passant beobachten, dass diese Vordächer in einer Form zurückgekehrt sind, die den alten Originalen sehr starkt ähneln.


    Hier ist der westliche Zugang zu sehen. Die Dachflächen werden höchstwahrscheinlich, analog zum Hauptportal im Osten, mit einer Glasabdeckung versehen.


    Und hier ist der östliche Zugang der Nordfront zu sehen. Zwischen beiden Eingängen befinden sich die fünf mit schweren Segmentbögen versehenen Wandöffnungen. Erst im Zusammenhang wird man die enorme architektonische- und städtebauliche Aufwertung dieser Situation sehen können.

    Bilder sind von mir.

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  • Die Gerüste am Ostende der Nordfassade sind nun auch gefallen und haben den Blick auf die Portale zwischen den Ausgängen zum Wiener Platz hin freigegeben. U.a. über die Farbgestaltung wird man sich noch streiten können, obwohl man doch sagen kann, dass die Sanierung einen enormen Gewinn darstellt.
    In den nächsten Tagen werde ich mal meine Kamera nehmen und als erste Diskussionsgrundlage ein paar Fotos machen!

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  • Heute möchte ich nun, wie bereits angekündigt, die aktuellen Bilder vom Hauptbahnhof nachreichen.

    Wir beginnen unsere kleine Tour am Hauptportal des zentralen Empfangsgebäudes, das sich im städtebaulichen Spannungsfeld zwischen den Hochgleistragwerken und dem sogenannten Ostbau befindet, und einen imposanten, wenngleich verkehrlich enorm belasteten Rahmen bildet, der allerdings zur Funktion dieses Bauwerks durchaus zu passen scheint.
    Im Anschluss daran wollen wir endlich die Fassade am noch immer recht trostlosen Wiener Platz besichtigen, wo man, ich hatte es bereits angekündigt, einige Fortschritte erkennen wird können. Zu hoffen bleibt allerdings, dass wir es bei den gereinigten und teilweise ergänzten Natursteinarbeiten nicht mit dem Endergebnis der Bemühungen zu tun haben werden, erscheint das Fassadenbild doch unruhig unschön. Hier wäre ein lasierender Farbauftrag jedenfalls wünschenswert!
    Beeindruckend ist, wir hatten es bereits vermutet, der Ostabschnitt der Front, wo die beiden Stadtausgänge mit Glas eingedeckte historisierende Vordächer erhalten haben. Zwischen beiden befinden sich nun die fünf großen Portale, die mit ihren Segmentbogenverdachungen in Analogie zum Königspavillon stehen. Letzterer hat nun auch seinen Gerüstpanzer abgelegt und erscheint gereinigt und ergänzt in neuer Prägnanz. Negativ fallen allein die "Belvederes" auf, die sich auf der Hauptkuppel und den Seitenflügeln befinden, und nun eine unschöne Verkleidung aus anthrazit-farbenem Blech erhalten haben.
    Abschließend bleibt noch zu hoffen, dass die Stadt, ähnlich wie bei derzeit laufenden Projekten in der Altstadt, zeitnah eine Neupflasterung der Partien des Wiener Platzes um die Nordfassade vornimmt und die Lokalitäten unter den Hochgleistragwerken einer baldigen Nutzung zugeführt werden, was aufgrund des aktuellen Zeitplans der Deutschen Bahn eher unwahrscheinlich erscheint. Man geht derzeit leider erst von einer Vermietung der Flächen ab 2014 aus.


    Der Mittelpavillon des Hauptempfangsgebäudes wird von einer Saxonia-Gruppe bekrönt und von der Glaskuppel beherrscht.


    Hier sieht man gut die Nordausgänge zum Wiener Platz hin, die nun durch die Vordächer eine städtebauliche Markierung erhalten haben. Erschreckend erscheint der Bodenbelag dieses Teils es Wiener Platzes!


    Die Eingänge haben eine dezente Eindeckung aus Glas erhalten.


    Die Segmentbögen bestehen aus Beton und haben nachträglich eine Stuckprofilierung erhalten, was einen Anstrich nötig werden ließ. Der untere Teil der Fassade ist noch original und wirkt aufgrund der Ausbesserung mit Sicherheit authentischer, leider aber auch irgedwie unfertig.


    Hier sieht man nun eine vollständige Achse der Bahnhofsfassade, wo Sockel und Oberbau wieder in einem klaren tektonischem Zusammenhang stehen.

    Und nun zum Königspavillon!

    Ein Vergleich mit dem Zustand um 2009 lässt die enormen Veränderungen deutlich werden:

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?ti…=20090724072709


    Hier sehen wir den Bau aus einer ähnlichen Perspektive. Negativ fällt die Verkleidung der Belvederes auf.


    Detailansicht der Verdachung eines Portals des östlichen Seitenflügels.


    Frontalansicht des Königspavillons.


    Der Mittelpavillon mit seiner kolossalen Portalordnung, bestehend aus Ionischen Säulen mit leichter Schwellung, dem glatten Gebälk und dem schweren Segmentbogengiebel.


    Mit etwas Phantasie kann man auf dem Gebälk noch die Aufschrift "Filmtheater" erkennen.

    Bilder sind von mir.

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  • @ Bilderbuch,
    hab' Dank für die schöne Fotodoku!
    Die Bahnhofssanierung dauert zwar lange, aber wie mir scheint kann sich Dresden damit durchaus sehen lassen. Ich wäre froh, wenn man in meiner Geburtsstadt Stuttgart schon so weit mit dem Kopfbahnhof wäre!!!

  • Danke für den Bahnhofsrundgang. =)

    Wie sieht denn eigentlich mittlerweile die Südseite aus? Da ist ja immer wegen der Bauzäune recht wenig Platz für die Fussgänger gewesen, sodass sie sich häufiger mit den da lang tuckernden Autos gedrängelt haben.

  • Bauzäune dürften da zur Zeit keine mehr stehen. Die Trottoirs hat man neu gepflastert, wobei sie leider, zumindest westlich der Ausgänge, eine Betonoberfläche erhalten haben. Die zur Zeit als interimistischer Busbahnhof genutzte Straße davor ist leider immer noch in einem bejammernswerten Zustand und wird es aller Voraussicht nach auch noch länger bleiben.
    Die Flächen unterhalb der Südtragwerke sind natürlich gleichfalls nicht vermietet, sodass wir hier noch mit einigen Entwicklungen zu rechnen haben dürften.

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  • Bei Dresden-Eins durfte also auch "Sag-ich-mal" seine Worthülsen ins Volk streuen.

    Die DNN berichten heute (16.06.2011) auch über den Abschluss der letzten Bauetappe an der Dauerbaustelle Hauptbahnhof. Im Artikel wird von ca. 11.000qm Handelsfläche gesprochen, die durch 40 Geschäfte eingenommen werden sollen. Außerdem sind Büroflächen geplant. Angeblich haben auch schon Lidl und Starbucks entsprechende Verträge unterschrieben.

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  • Es freut mich, dass die Restaurierung des Dresdner Bahnhofs Fortschritte macht und ihrem Ende entgegengeht, und vielen Dank fuer die Photodokumentation, bilderbuch! :daumenoben: Und Dank auch an Henry fuer die Videolinks. Von Fosters Dach ist nirgendwo die Rede. Ich hoffe, sie finden fuer den schoen wiederhergestellten Koenigspavillon einen wuerdigen Gebrauch! :engel: Bessere Fenster/Tueren koennte er brauchen, aber darauf will ich im Moment nicht draengen.

    bilderbuch: "Sag-ich-mal" :applaus::lachen:

    Das Thema Waermedaemmung kommt in beiden Reportagen vor, und den Berichten zufolge sind die Bemuehungen auf diesem Gebiet beim Dresdner Hauptbahnof sehr erfolgreich. bilderbuchs Photos zufolge scheint die historische Fassade von den Spuren dieser Arbeiten verschont zu sein. Waermedammungsarbeiten koennen naemlich einen desastroesen Effekt auf alte Gebaeude haben: Wärmedämmung bei Fachwerk und historischen Fassaden - Architekturgeschichte und -theorie - Architectura Pro Homine

  • Gestern geisterte einmal mehr etwas hoffnungsheischendes zum Ausbau der Räumlichkeiten unter den Hochgleistragwerken des Hauptbahnhofes durch die Gazetten. Recht konkret werdend verkündete ein Sprecher der Deutschen Bahn, dass die bisher nicht genutzten ca. 11.000qm großen Flächen bis 2014 ertüchtigt und dann Handels- und Dienstleistungsunternehmen zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Kosten belaufen sich laut Angaben der Bahn auf nochmals 25 Mio. Euro.
    Leider erhoffe ich mir von diesen Maßnahmen keine signifikante Belebung des Wiener Platzes, da hier, anders als von unseren Schreiberlingen suggeriert, kein Einkaufstempel - was immer das auch sein mag - entsteht, sondern die beliebig langweilige Mischung aus Kaufhalle, Drogeriemarkt, Geschenkartikeln und Handyläden. Aber das ist ja immerhin besser als nichts, auch wenn dann der Hauptbahnhof immer noch nicht fertig sein wird.

    40 Läden auf 11.000 Quadratmetern: Hauptbahnhof Dresden soll Konsumtempel werden

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  • Die Dresdner Neuesten Nachrichten klären uns in ihrer heutigen Ausgabe über den aktuellen Stand der schier endlosen Bauarbeiten im Dresdner Hauptbahnhof auf.
    So laufen derzeit in den Kellerräumen der Nordhalle (Stadtseite) Enttrümmerungs- und Ertüchtigungsarbeiten, die als bauvorbereitende Maßnahmen für die Einrichtung von Ladengschäften gewertete werden können.
    Bis 2014 sollen in der Nord- und Südhalle auf ca. 11.000qm 40 Geschäfte entstehen, von denen derzeit schon ca. 85% vermietet sind. Dann soll auch der ehemalige Königspavillon als Bahnhofszugang genutzt werden können.

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  • Wollen sie es mit der Bauzeit des Kölner Doms aufnehmen? Das zieht sich wirklich extrem.

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Die enorm lange Bauzeit erklärt sich aus der einfachen Tatsache, dass die Bahn den Bahnhof nur abschnittsweise saniert und demnach für jeden Schritt einzeln Gelder in den Haushalt einstellt (oder nicht). Nach dem Ausbau der Einzelhandelsflächen bis 2014 ist demnach immer noch kein Ende in Sicht. Dann nämlich steht der Neubau der Bahnsteige in der Mittelhalle auf der Agenda.

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