Artikel aus der Kategorie „Allgemein“ 27

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  • Welches andere Volk außer den Deutschen stand siebzig architektonisch dürftige Jahre lang vor der Aufgabe, eine um die andere Hauptstadt mit Staatsbauten zu bestücken? Und welches Volk hätte dazu ungünstigere mentale, emotionale, bewusstseinsmäßige Voraussetzungen gehabt als das deutsche?


    Das Bonner Provisorium, obwohl schon bald nicht mehr als solches verstanden, lieferte den willkommenen Vorwand, Erwartungen an staatliche Repräsentanz außen vor zu lassen.. Zwar wurde der Titel eines Vortrags von Adolf Arndt (1960) „Demokratie als Bauherr“ rasch zum geflügelten Wort, aber niemand scherte sich ernstlich um die Materialisierung der Arndtschen Ideen; erst zu Ende der Bonner Republik entstand mit Günther Benischs neuem Plenarsaal ein neuer Gestaltungsansatz im Sinne von Öffnung, Transparenz und lichtdurchfluteter Weite.
    Die DDR-Regierung war, bedingt durch ihr Selbstverständnis, entschieden mutiger; dennoch konnte von den drei Repräsentationsbauten im historischen Zentrum Berlins nur

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  • Dass das Architektonische in Deutschland seit 70 Jahren als quantité négligeable, als eine zu vernachlässigende Größe im zivilisatorischen Prozess gehandelt wird, ist hinreichend bekannt. Dass es aber niemanden kümmert und dass selbst die Standesvertretung der Architekten darüber hinwegdöst, wenn sogar die deutsche Regierung uns immer aufs Neue eine solche Einschätzung unter die Nase reibt, das kann einen schon ins Grübeln bringen. Das jüngst verabschiedete „Klimaschutzpaket“ der Bundesregierung unterstreicht wieder einmal die Zielsetzung, landauf landab möglichst jedes Gebäude in einen Dämmmantel zu hüllen, um so die anvisierten Eckdaten für eine bundesweite Energieeinnsparung auf Biegen und Brechen zu erreichen.


    Kein Wort darüber, dass diese Vorgabe, würde sie auch nur annähernd in die Tat umgesetzt, die Vernichtung der gesamten Baukultur unserer Nation bedeuten würde. Aber, so beeilt man sich zu versichern, denkmalgeschützte Baudenkmäler wären natürlich ausgenommen. Aha

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  • Kürzlich war Bundespräsident Joachim Gauck im Fernsehen im Gespräch mit Reinhold Beckmann zu erleben. Wieder einmal erwies sich Gauck als Meister der Rede und des präzise abwägenden Worts. Natürlich widmete auch dieses Gespräch dem deutschen Generalthema, den Verbrechen der NS-Zeit und unserem Verhalten dazu, breiten Raum, und immer aufs neue wurde die Frage ventiliert: Wie konnte das passieren, dass in einem Volk, das so außerordentliche Werke der Kunst, der Wissenschaft, der Philosophie hervorgebracht hatte, diese Mordtaten geschahen? Gaucks Versuche, auf diese oft gestellte Frage eine Antwort zu finden, fokussierten sich auf den Begriff der Moderne; diese habe, bei aller anerkennenswerten Fortschrittsdynamik, auch eine „Ungebundenheit“ und „bösartige Freiheit“ mit sich gebracht, die Freiheit nämlich, frei von den traditioneller Moralität anhaftenden Skrupeln eine neue Moral des sich autonom entfaltenden Übermenschen zu entwerfen.



    Das ganze 20. Jahrhundert hat uns vorgeführt, wie

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  • Sie sind zu einem Markenzeichen deutscher Städte und Vorstädte geworden, die verwahrlosten Stadtbilder. Gesichts- und geschichtslose Hochbauten mit schmutzig-weißen Wänden und ungegliederten Fenstern, durch Fotovoltaik-Anlagen verunzierte Dächer, geschmacklose Haustüren, funktional-pflegeleichte Zäune, desweiteren Parkplätze und Verkehrsflächen aus Betonpflaster oder Asphalt, ungepflegtes, für lärmiges Rasenmähen vorgehaltenes Abstandsgrün, dann und wann ein vertrockneter Brunnen und natürlich mannshohe Kritzeleien an Hauswänden – die Liste der alltäglichen visuellen Zumutungen in unserem Wohnumfeld ließe sich beliebig verlängern.



    Die verwahrlosten Stadtbilder haben natürlich viele Väter: Architekten, die den Hausbau nur als technische Angelegenheit zu begreifen gelernt haben, Hauseigentümer, die das Angebot der Baustoffhändler ausschließlich nach kostengünstigen und langlebigen Materialien sichten, Bauverwaltungsbeamte, die keine anderen Leitbilder als Verkehrssicherheit und

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  • Endlich kann das JAHRBUCH 2012 - STADTBILD DEUTSCHLAND über den Buchhandel (auch Internetbuchhandel) bezogen werden. Es enthält Artikel über Dresden, Darmstadt, München, Leipzig, Halle, Mainz und Berlin:


    Titel: Neue Stadtbaukultur - Jahrbuch 2012 - Stadtbild Deutschland
    Herausgeber: Harald Streck
    Verlag: BoD
    ISBN 978-3-7322-3505-6
    100 Seiten, 24,- €


    In E-Book-Shops ist das Jahrbuch als E-Book für 12,99 € erhältlich.
    ISBN 9783848294763


    (Philoik.)

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  • Bekanntlich sorgten sich die Nationalsozialisten um die Wirkung ihrer Monumentalbauten auf künftige Menschheitsgeschlechter. Wer hätte aber gedacht, dass auch heutigen deutschen Architekten, die ins Tagesgeschäft eingesponnen sind wie keine Baumeistergeneration zuvor, an der Aufmerksamkeit künftiger Generationen für ihre Hinterlassenschaften gelegen wäre!                                           


    Forumsmitglied Palantir vermittelt uns den Bericht über ein Podiumsgespräch in Wittenberg zum Thema “Neues Bauen in der alten Stadt” (Wittenberger Gespräch). Man bestätigte einander mit Phrasen gegen allzuviel architektonische Anpassung an die alte Stadt, gegen Gestaltungssatzungen, gegen historisierende Architektur, “weil sie keinem wehtue”, aber “langweilig” sei und nichts, was späteren Generationen als Erbe des 21. Jahrhunderts hinterlassen werden könne, aber man plädierte für die Weiterentwicklung der Stadt, für Brüche, für Neubauten, die “nicht 1:1 die Geschichte

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  • sehr zu empfehlen: die noch bis zum 14.10. geöffnete Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle über den am 20.7. entschiedenen internationalen Wettbewerb zum Neuaufbau derselben (siehe auch meinen Blog-Eintrag vom 1.8.2011).


    Obwohl hier wie sonst selten eine Einfügung des Neubaus in ein hochwertiges städtebauliches Ensemble ansteht, gebärdeten sich die allermeisten der teils geladenen, teils ausgelosten Architekten als recht selbstbezogene Konzeptkünstler, die sich weder um die Ausstrahlung des Bauwerks zum Friedrichsplatz hin noch gar um historische Bezüge scherten, und die Jury (unter dem Vorsitz von Jörg Friedrich) gab denn auch den drei/ vier Beiträgen, die Gestaltbemühung zeigen, keine Chance.


    Es wurden drei Preise vergeben und zwar alle drei an deutsche Büros (was sogleich als Ausweis des beachtlichen Rangs deutscher Architektur gewertet wurde): an gmp (Hamburg), Peter Pütz (Berlin) und Volker Staab (Berlin). Wie die meisten anderen Arbeiten präsentieren auch diese drei

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  • Zu diesem Thema empfehle ich drei weitere Links, die uns Torsten Kopp hat zukommen lassen:


    NewYork Times 23.12.2009


    n-tv 28.7.2009


    Die Welt 28.7.2012


    Zitat aus dem n-tv-Beitrag:


    Das 1919 in Weimar gegründete Staatliche Bauhaus wäre nach Meinung des Weimarer Historikers Volkhard Knigge durchaus 'diktaturfähig' gewesen. “Es ist aus heutiger Sicht 'unschuldig' geblieben, weil es nicht 'mitspielen' durfte”, sagte der Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald in einem Gespräch. “Für die Nationalsozialisten war die Moderne jüdisch-bolschewistisch, kosmopolitisch und deshalb verfemt.” Italien unter Mussolini habe dagegen eine ganz andere Einstellung zum Futurismus gehabt, wie Modellstädte aus damaliger Zeit gezeugen. … Bauhaus-Meister wie Ludwig Mies van der Rohe, Wassily Kandinski und Walter Gropius seien nach Hitlers Machtübernahme davon ausgegangen, dass für die Moderne im NS-Deutschland durchaus Raum sei, sagte Knigge. “Und Bauhaus-Gründer Walter Gropius hat sich

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  • Herr Torsten Kopp aus Wiesbaden hat uns diesen Artikel aus der Schweizer “Weltwoche” übermittelt. Er sollte zur Pflichtlektüre jedes Zeitgenossen gehören, der über die Architektur des 20. Jahrhunderts kompetent zu urteilen beansprucht: Artikel Weltwoche 


    Es geht uns nicht darum, das Andenken eines namhaften Baumeisters anzuschwärzen, aber so wie schon in den Siebziger Jahren am Beispiel Albert Speers über “die politische Verführbarkeit des technizistischen Geistes” nachgedacht wurde (G. Hortleder, Das Gesellschaftsbild des Ingenieurs), gebührt auch dem angeblichen Antipoden Albert Speers, Charles-Edouard Jeanneret, der sich Le Corbusier nannte, eine vorurteilsfreie Bewertung seiner Persönlichkeit – und dies umso mehr, als dieser L. C. mit seinen totalitären Charakterzügen seit Jahrzehnten als Kultfigur einer Moderne gilt, der ja totalitäre Bestrebungen gleichfalls nicht abzusprechen sind. Eine Kultfigur von ihrem Sockel zu holen, erweist sich umso mehr als

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